Nach Ende von einstigem Weltmarktführer: Für einen Teil der Belegschaft geht es weiter

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Nach 120 Jahren muss ein einstiger deutscher Weltmarktführer die Segel streichen. Zumindest für einen Teil der Belegschaft geht es aber weiter.

Albstadt – Es war ein weiterer Paukenschlag in einer langen Reihe an Hiobsbotschaften aus der deutschen Wirtschaft, als Ende 2025 bekannt wurde, dass der einstige Weltmarktführer Mayer & Cie. in Albstadt (Zollernalbkreis, Baden-Württemberg) die Insolvenz nicht übersteht. Der 1905 gegründete Strickmaschinenhersteller hatte Ende September Insolvenz angemeldet, konnte trotz einer international geführten Investorensuche aber nicht gerettet werden. Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer (CDU) hatte das Ende des Traditionsunternehmens als „Schlag in die Magengrube“ bezeichnet, betroffen sind rund 270 Mitarbeiter.

Zumindest für einen Teil der Belegschaft von Mayer & Cie. geht es nach dem tragischen Ende aber doch noch weiter. Zur Hilfe springen dabei zum einen der ebenfalls in Albstadt ansässige Weltmarktführer Groz-Beckert, der bundesweit bekannte Textilhersteller Trigema und weitere Unternehmen aus der Region. Kürzlich wurde bekannt, dass nach Mayer & Cie. ein weiteres Textilunternehmen im Zuge der Insolvenz den Betrieb einstellen muss.

Groz-Beckert übernimmt fünf ehemalige Mitarbeiter von Mayer & Cie.

Die rund 270 Mitarbeiter von Mayer & Cie. mussten bereits auf Boni wie Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten und erhalten laut der Gewerkschaft Ver.di durch unbezahlte Arbeitsstunden nun auch weniger Arbeitslosengeld. Während die Kernbelegschaft bis Anfang Februar freigestellt wurde, geht es zumindest für die Auszubildenden des Unternehmens weiter. Wie Groz-Beckert in einer Pressemitteilung vom 23. Januar erklärt, konnten alle bisherigen Azubis von Mayer & Cie. durch Unternehmen aus der Region übernommen werden.

Name Mayer & Cie. GmbH & Co. KG
Gründung 1905
Sitz Albstadt-Tailfingen, Baden-Württemberg
Branche Textilindustrie, Maschinenbau
Mitarbeiter 270 (bei Insolvenzanmeldung im September 2025)
Status wird zum 1. Februar 2026 stillgelegt

Groz-Beckert mit Sitz im Albstädter Stadtteil Ebingen übernimmt selbst fünf Azubis. Demnach setzt eine angehende Industriekauffrau im ersten Lehrjahr ihre Ausbildung bereits seit dem 1. Januar fort, zum 1. Februar werden zudem ein Industriemechaniker im zweiten Lehrjahr sowie drei Industriemechaniker im dritten Lehrjahr übernommen. Laut der Mitteilung erfolgt die Übernahme in engem Austausch mit Mayer & Cie. „Gemeinsames Ziel war, kurzfristig tragfähige Anschlusslösungen für die betroffenen Auszubildenden zu schaffen und Ausbildungsabbrüche zu vermeiden – was in allen Fällen gelang“, heißt es.

Der Albstädter Weltmarktführer Groz-Beckert übernimmt fünf Auszubildende von Mayer & Cie. © Groz-Beckert KG

Trigema und Mayer & Cie. entstammen derselben Unternehmerfamilie

Neben Groz-Beckert hat auch das bundesweit bekannte Textilunternehmen Trigema der Mitteilung zufolge einen oder mehrere Auszubildende von Mayer & Cie. übernommen. Interessanterweise haben das von Wolfgang Grupp zum größten deutschen Hersteller von Freizeitkleidung ausgebaute Unternehmen und der Strickmaschinenhersteller einen gemeinsamen Ursprung. Dieser liegt in der Burladinger Unternehmerfamilie Mayer. Während die Brüder Johann Georg und Johannes Mayer 1905 Mayer & Cie. gründeten, entstand Trigema ein paar Jahre später, 1919, als Mechanische Trikotwarenfabrik Gebr. Mayer.

Zudem haben der Mitteilung zufolge auch die Assa Abloy Sicherheitstechnik GmbH, Gühring KG, Johs. Boss GmbH & Co. KG, Karl Küfner GmbH & Co. KG, Mey GmbH & Co. KG, Peter Müller GmbH sowie die Wagner Glas- und Metallbau GmbH Auszubildende von Mayer & Cie. übernommen. Alle genannten Firmen haben ihren Sitz in Albstadt. (Verwendete Quellen: Pressemitteilung von Groz-Beckert vom 23. Januar 2026, textile-network.de, eigene Recherche)