Mit einem selbst entwickelten Kampfjet fordert Südkorea auch den Eurofighter und die F-35 heraus. Selbst in der NATO stößt das Jagdflugzeug auf Interesse.
Seoul/München – Der Markt für Kampfjets befindet sich im Wandel, und Südkorea möchte mit einem neuen Exemplar künftig mitmischen. Die ersten Serienmaschinen der KF-21 Boramae sollen schon ab diesem Jahr ausgeliefert werden – ein Vorhaben, das weit über die Landesgrenzen hinaus Aufmerksamkeit erregt. Das erste NATO-Land liebäugelt mit einer Bestellung und setzt damit ein Signal für die internationale Anerkennung des koreanischen Technologietransfers.
In einem Talkformat ist kürzlich der mutmaßliche Stückpreis für die KF-21 Boramae durchgesickert. Demnach liegt die Grundversion (Block I) bei etwa 83 Millionen US-Dollar, während die fortschrittlichere Block II, die den vollen Mehrzweck-Anspruch erfüllt, bei rund 112 Mio. US-Dollar pro Jagdflugzeug veranschlagt sei. Für viele Märkte ist das ein echtes Verkaufsargument – vor allem im Vergleich zu den bekannten Konkurrenten.
Kosten als Gamechanger? KF-21 Boramae schlägt Eurofighter und Lockheed Martin F-35
Die KF-21 Boramae vom Rüstungskonzern Korea Aerospace Industries (KAI) soll sich technologisch auf Augenhöhe mit dem Eurofighter befinden und kann es offenbar selbst mit der Lockheed Martin F-35 aufnehmen. Preislich gibt es dagegen große Unterschiede: Während eine F-35A laut offiziellen Angaben mindestens 100 Mio. Dollar kostet, steigen die tatsächlichen Ausgaben mit Komplettpaket sogar auf rund 276 Mio. Dollar pro Kampfjet – ein Kostenfaktor, der für viele Länder abschreckend wirkt. Der Eurofighter rangiert je nach Ausstattung zwischen 90 und 110 Mio. Dollar, ist im Gesamtpaket mit bis zu 190 Mio. USD pro Exemplar (für die modernste Fassung) immer noch günstiger als die US-Konkurrenz.
Im Vergleich dazu könnte die KF-21 Boramae insbesondere für Staaten mit engen Verteidigungsbudgets attraktiv sein. Die Fachpublikation National Interest hebt hervor, dass die südkoreanische Stückkostenstruktur echte Wettbewerbsvorteile in Aussicht stellt: Die KF-21 gilt als „Low-cost alternative“ zur F-35 und bietet eine preiswerte Option, ohne bei der Leistungsfähigkeit große Kompromisse eingehen zu müssen. Denn inklusive Wartungs-, Ersatzteil- und Ausbildungspaket soll der Stückpreis 85 Millionen Dollar nicht überschreiten.
Südkoreas Kampfjet als Wirtschaftsmotor: Exportchancen und Industriepolitik
Die Entwicklung der KF-21 Boramae ist ein strategischer Schachzug für die südkoreanische Rüstungsindustrie. Der damalige Präsident Moon Jae-in äußerte bei der Präsentation, dass der Kampfjet das Rückgrat der zukünftigen Luftwaffe werden soll, mit ambitionierten Plänen – mindestens 40 Jets bis 2028, 140 bis 2032. Die Exporthoffnungen ruhen nicht nur auf Asien, sondern auch auf europäischen Abnehmern. Mit dem Kampfjet will KAI in die Champions League der Rüstungsindustrie aufsteigen.
Die ökonomische Bedeutung ist für den NATO-Partner enorm. Die KF-21 Boramae zieht Investitionen, Arbeitsplätze und Know-how ins Land, während Südkorea sich damit als ernsthafter Konkurrent für westliche Jagdflugzeuge wie Eurofighter und Lockheed Martin F-35 II platziert. Die Produktion samt Wartung und Ersatzteilen wird als ganzheitliches Wirtschaftsprojekt betrachtet – und könnte den erfolgreichen Export anderer südkoreanischer Waffensysteme wiederholen. Das gilt insbesondere für Polen, das sich bei Panzern vorzugsweise in Südkorea eindeckt und auch für den innovativen Kampfjet Interesse anmeldet.
Geopolitik und neue Märkte: NATO-Partner und das Ringen um technologische Souveränität
Mit dem Serienstart des KF-21 Boramae verstärkt Südkorea das Ringen um technologische Souveränität – ein geopolitisch entscheidender Schritt. Die koreanischen Ingenieure entwickelten Experten zufolge einen Kampfjet, der moderne Anforderungen nach Stealth, Flexibilität und digitaler Vernetzung erfüllt. Gerade für finanziell eingeschränkte Nationen sei das Preis-Leistungs-Verhältnis der Boramae unschlagbar, führt das Portal Flugrevue aus.
Neben Polen stehen weitere Exportinteressenten bereit, wie kürzlich bekannt wurde: Auch die asiatischen Länder Indonesien und Philippinen beschäftigen sich mit einer Bestellung des südkoreanischen Mehrzweckkampfjets der Hybrid-Generation 4.5. Diese Entwicklung ist ein Fingerzeig für den Rüstungsmarkt der Luftwaffe – und durchaus herausfordernd für Europas Platzhirsch Eurofighter und die Jagdflieger der US-Rüstungsschmiede Lockheed Martin. Neben Südkorea haben derweil weitere Länder Pläne für eigene Kampfjets in der Schublade.
KF-21 Boramae fordert Eurofighter und F-35 heraus: Stealth-Technologie im Vergleich
Während der Eurofighter ein modernisiertes Multirole-Arbeitstier ist und Lockheed Martin mit dem F-35 die Stealth-Technologie dominiert, schickt Südkorea einen selbst entwickelten, erschwinglicheren Kampfjet ins Rennen. Wie Welt.de berichtete, sind die Tarnkappeneigenschaften der KF-21 Boramae besser als beim Eurofighter, jedoch nicht ganz auf dem Niveau der F-35 II von Lockheed Martin. Laut Asianmilitaryreview laufen im Hintergrund bereits Planungen für eine Block-III-Variante: Die geplante KF-21EX wird demnach für die fünfte Generation angepasst und erhält einen internen Waffenschacht, womit die Stealth-Eigenschaften weiter verbessert werden.
Die Erfahrung mit sechs Prototypen und Tausenden Teststunden macht den KF-21 Boramae zum technologischen Aushängeschild, dessen Testprogramm mittlerweile finalisiert ist. Der Wegfall der Dauerabhängigkeit von den Vereinigten Staaten dürfte sich als wichtiger Schritt für Südkoreas Industrie und auch die Außenpolitik erweisen. Südkorea besitzt also gute Aussichten, auf Augenhöhe mit den Exportgiganten am globalen Kampfjet-Markt zu konkurrieren. (Quellen: KAI, Flugrevue, National Interest, Welt, Asianmilitaryreview)