Die Tragödie vom Salzburger Großarltal wirft Fragen zur Verantwortung bei geführten Bergtouren auf – die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Großarltal – Nach dem schweren Lawinenunglück im Salzburger Großarltal hat die Staatsanwaltschaft Salzburg Ermittlungen gegen die verantwortliche Bergführerin eingeleitet. Der 41-jährigen Frau wird fahrlässige Tötung vorgeworfen, nachdem am vergangenen Samstag (17. Januar) vier Menschen bei einem Ausbildungskurs des Alpenvereins ums Leben kamen.
Der vergangene Samstag wird als „schwarzer Samstag“ in die Annalen der österreichischen Bergrettung eingehen, berichtet krone.at. Insgesamt acht Menschen verloren bei drei separaten Lawinenunglücken ihr Leben – fünf davon allein im Salzburger Pongau und drei weitere tschechische Skitourengeher im steirischen Murtal bei Pusterwald.
Vier Alpinisten sterben bei Lawinen-Unglück in Salzburg
Das folgenschwerste Unglück ereignete sich gegen 14 Uhr im Bereich des Finsterkopfes im Großarltal auf einer Seehöhe von rund 2.000 Metern. Eine siebenköpfige Gruppe des Österreichischen Alpenvereins wurde von einem Schneebrett erfasst. Vier erfahrene Tourengeher – zwei Tiroler (65 und 63 Jahre), eine Steirerin (60) und ein Oberösterreicher (53) – kamen dabei ums Leben. Die Salzburger Bergführerin (41) und ein Salzburger (58) überlebten das Unglück.
Peter Kraus, Salzburg-Chef des Alpenvereins, zeigte sich tief bestürzt: „Es bleibt immer ein Restrisiko“. Der Alpenverein betonte, dass sich die Bergführerin „mit Sicherheit umsichtig“ verhalten habe und man sich „am Vorabend mit der Tour und den Bedingungen auseinandergesetzt und Entscheidungen getroffen“ habe.
Staatsanwaltschaft bestätigt Ermittlungen gegen Bergführerin nach Lawinenunglück
Die Gruppe nahm an einem Ausbildungskurs teil, in dem es ausgerechnet um Lawinenkunde und Risikoeinschätzung ging. „Es handelte sich um einen Kurs im Rahmen des regulären Winterausbildungsprogramms des Alpenvereins“, bestätigte Gerald Zagler, Sprecher des Alpenvereins gegenüber kleinezeitung.at.
Elena Haslinger, stellvertretende Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft Salzburg, bestätigte die Ermittlungen: „Es wurde ein Ermittlungsverfahren gegen eine Bergführerin wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet“. Bereits am Wochenende wurde ein Sachverständiger aus dem Bereich Lawinenkunde mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt.
Eine zentrale Frage der Ermittlungen: Wer hat die Lawine ausgelöst? Waren es die Tourengeher selbst, oder gingen die Schneemassen von selbst ab? „Mehr können wir derzeit aber noch nicht sagen, weil die Ermittlungen noch am Anfang stehen“, betonte Staatsanwältin Haslinger. Alle Beteiligten waren „erfahrene Tourengeher“, die trotz expliziter Warnungen und Lawinenwarnstufe drei die gefährliche Tour unternahmen.
Lawinen-Unglück offenbart Irrglauben – warum Schneearme Winter häufig unterschätzt werden
Das tragische Unglück offenbart einen weitverbreiteten und fatalen Irrglauben unter Bergsportlern: Schneearme Winter werden oft als weniger gefährlich eingeschätzt. Doch Experten warnen eindringlich vor diesem Trugschluss. „Die Gesamtschneehöhe ist vielerorts noch deutlich unterdurchschnittlich. Rücken und Grate sind oftmals komplett abgeblasen, gefährlich ist sogenannter Triebschnee“ krone, mahnt der Lawinenwarndienst.
Paradoxerweise entstehen gerade in schneearmen Wintern besonders instabile Verhältnisse, da sich auf schwach aufgebauten Altschneeschichten neue Schneemassen ablagern. Diese fatale Fehleinschätzung führte dazu, dass selbst erfahrene Tourengeher trotz Lawinenwarnstufe drei das vermeintlich geringe Risiko unterschätzten. Davor warnt auch ein Experte aus Bayern.
Fragen um Warnstufe bei Lawinen-Unglück in Salzburg – Alpverein erklärt Irrglauben
Nur eineinhalb Stunden vor der Tragödie im Großarltal hatte sich bereits das erste tödliche Unglück des Tages ereignet. Bei Bad Hofgastein wurde eine Skitourengeherin im Bereich der „Schmugglerscharte“ auf 2.200 Metern Seehöhe von einer Lawine verschüttet und starb vor den Augen ihres Ehemannes.
Im steirischen Murtal bei Pusterwald kamen drei tschechische Skitourengeher ums Leben. Verschiedene Medien berichten, dass dort die Lawinenwarnstufe zwei von fünf herrschte. Laut dem Standard herrschte jedoch auf Überprüfung die Lawinenwarnstufe 1. „Es sei ein Irrglaube, dass bei Stufe eins nichts passieren könne, „die Wahrscheinlichkeit ist einfach sehr gering“, erklärte Gerhard Mössmer vom Österreichischen Alpenverein. Er ergänzt, „dass die Warnstufen nur ein Teil der Gefahreneinschätzung seien.“ Quellen: krone.at, kleinezeitung.at (bk)
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