Konrad Adenauer im Himmel: Warum dieses Musical ausverkauft ist

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Ein Bundeskanzler im Himmel, ein Männerchor auf der Bühne und ein Opernhaus im Karnevalsmodus: Warum dieses NRW-Musical einen Nerv trifft.

Köln – Was aktuell im Kölner Staatenhaus gezeigt wird, nennt sich „Divertissementchen“ – eine Form des Musiktheaters, die es seit mehr als 200 Jahren gibt. In Köln wird sie bis heute gepflegt: Jedes Jahr entsteht ein neues Stück, aufgeführt ausschließlich von Männern, getragen von Chor, Schauspiel, Tanz und einem breiten musikalischen Repertoire zwischen Klassik, Pop und Volkslied. In der aktuellen Spielzeit rückt Konrad Adenauer ins Zentrum des Bühnenspektakels, wie yeswe.koeln berichtet.

Drei Engel für Konrad: Im Himmel stehen Konrad Adenauer die Engel Luca, Jona und Urbania zur Seite
Drei Engel für Konrad: Im Himmel stehen Konrad Adenauer die Engel Luca, Jona und Urbania zur Seite. © Stefanie Althoff

Ein Kanzler blickt zurück

Das aktuelle Stück trägt den Titel „E Levve för Kölle“ (hochdeutsch: ein Leben für Köln) und setzt zum 150. Geburtstag Adenauers ein. Getragen wird das Stück von der Bühnenspielgemeinschaft Cäcilia Wolkenburg im Kölner Männer-Gesang-Verein. Mehr als hundert Mitwirkende stehen auf der Bühne, alle ehrenamtlich, musikalisch begleitet von den Bergische Symphoniker und einer Band.

In seinem Himmelsrosengarten zeigt Konrad Adenauer seiner zweiten Ehefrau Auguste „Gussie“ seine Liebe.
In seinem Himmelsrosengarten zeigt Konrad Adenauer seiner zweiten Ehefrau Auguste „Gussie“ seine Liebe. © Stefanie Althoff

Die Handlung beginnt im Himmel: Adenauer feiert auf einer Kanzler-Wolke, umsorgt von himmlischen Assistenten, und verfolgt von dort aus weiterhin aufmerksam die Geschicke seiner Stadt. Doch sein Platz gerät in Gefahr. Sein Nachfolger erhebt Anspruch auf das Büro – und Adenauer muss begründen, warum er bleiben darf. Aus diesem Konflikt entwickelt sich eine Folge von Rückblicken auf Adenauers Zeit als Kölner Oberbürgermeister und Kommunalpolitiker. Es geht um Brückenbau, Stadtentwicklung, Messe, Hafen und Universität. Erzählt als Revue mit schnellen Szenenwechseln, Chören und Tanznummern.

Tennis-Ballett: Konrad Adenauer und seine erste Ehefrau Emma Weyer lernten sich im „Tennisclub Pudelnass“ kennen und lieben.
Tennis-Ballett: Konrad Adenauer und seine erste Ehefrau Emma Weyer lernten sich im „Tennisclub Pudelnass“ kennen und lieben. © Stefanie Althoff

Tempo statt Geschichtsunterricht

Wer Adenauers Biografie kennt, erkennt vieles wieder. Wer sie nicht kennt, versteht dennoch, worum es geht: um Macht, Einfluss, Eigensinn und um die Frage, wie sehr eine Stadt von einer einzelnen Figur geprägt werden kann. Diese Erzählweise ist ein zentraler Erfolgsfaktor. Das Musical verlangt kein Vorwissen, keine politische Einordnung, keine Nähe zur Stadt. Es setzt auf Verständlichkeit durch Rhythmus. Dass dabei auch zugespitzt und überzeichnet wird, gehört zum Prinzip. Das Stück will nicht bewerten, sondern zeigen – und überlässt die Deutung dem Publikum.

Einfach himmlisch! Zum 150. Geburtstag tanzen die Engel auf.
Einfach himmlisch! Zum 150. Geburtstag tanzen die Engel auf. © Stefanie Althoff

Ein Sog über drei Stunden

Eine weitere Stärke liegt in der Musik. Klassische Chorsätze stehen neben populären Melodien, Opernzitate neben bekannten Fernsehthemen. Das Orchester spielt nicht gegen den Chor, sondern mit ihm. So entsteht ein Sog, der den Abend trägt – auch über eine Länge von fast drei Stunden . Besondere Aufmerksamkeit erhalten die Männerballett-Szenen. Sie sind bewusst überzeichnet, aber streng choreografiert. Komik entsteht nicht aus Albernheit, sondern aus Kontrast.

Dass das Musical die ganze Spielzeit über bis zum 17. Februar ausverkauft ist, liegt an genau dieser Mischung: bekannte historische Figur, klare Erzählidee, hohes Tempo und eine Form, die weder Vorwissen noch regionale Nähe voraussetzt.

Eigentlich sollte der Musical Dome lediglich für kurze Zeit genutzt werden. In dem provisorischen Gebäude werden inzwischen allerdings seit fast 30 Jahren Musicals aufgeführt. Nun ist ein Ende in Sicht.

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