Die Gesprächsrunde der Landratskandidaten mit dem Bayerischen Bauernverband verlief konstruktiv. Beim Wolf und Biber zeigten die Bewerber klare Unterschiede.
Königsdorf – Sechs Landratskandidaten, die gut 50 Landwirten gegenübersitzen: Diese Konstellation hätte noch vor zwei Jahren zur Zeit der Bauernproteste ordentlich Zündstoff geboten. Bei der Gesprächsrunde des Bayerischen Bauernverbands (BBV) am Dienstagabend bildete sich stattdessen ein derart konstruktiver Dialog heraus, dass selbst Kreisbäuerin Ursula Fiechtner überrascht war: „Diese Ruhe könnte man sich für den Weltfrieden wünschen“, resümierte sie nach der gut zweieinhalbstündigen Veranstaltung.
Unter der Moderation von Veronika Ahn-Tauchnitz, Redaktionsleiterin des Tölzer Kurier, gaben die Politiker in dieser Zeit viele Wahlversprechen ab, zeigten bei einigen Themen aber auch klare Kante. Dabei bekamen die Obmänner und -bäuerinnen, die auf Einladung des BBV ins Seminarcafé Huber im Königsdorfer Ortsteil Schönrain gekommen waren, Antworten auf die meisten ihrer Fragen. Nicht alle gefielen den Teilnehmern – reine Lippenbekenntnisse wusste die Moderatorin aber zu verhindern.
Kleinere Überraschungen gab es schon bei der Vorstellung der Kandidaten, bei der es um ihren persönlichen Bezug zur Landwirtschaft ging. Thomas Holz (CSU) outete sich launig als Wachtel-Landwirt – für seine acht Vögel brauche er neben einer Betriebsnummer natürlich auch seinen alten Deutz-Traktor, scherzte er. Ludwig Schmid (FW) stellte sich nicht nur als Bäcker, der von den Produkten der Landwirte lebt, sondern auch als zertifizierter Futtermittelhersteller vor: „Ich gebe alte Brote für Viecher her.“
Jährliches Gespräch mit BBV-Vorstand
Manuel Tessun (ÖDP) konnte immerhin mit der Mutter seiner Kinder punkten, die auf einem Hof aufgewachsen sei. Klaus Barthel (SPD) arbeitete als Jugendlicher auf Höfen – „und ich ernähre mich im Wesentlichen von landwirtschaftlichen Produkten“. Einzig Sebastian Englich (Linke) sah nur wenig Überschneidungspunkte. Seine Großeltern hätten aber einen Hof. Andreas Wild (Grüne) überraschte schließlich mit seinem Beruf: „Ich arbeite seit fünf Jahren für einen Ohrmarkenhersteller.“ Als er dann noch von Bio-Ohrmarken anfing, hatte er die Lacher auf seiner Seite. „Ich will aber nicht immer in dieser Ecke stehen“, scherzte Wild.
Gefragt nach dem Thema Wertschätzung versprachen alle Kandidaten, im Falle einer Wahl ein jährliches Arbeitsgespräch mit dem BBV-Kreisvorstand zu initiieren. „Heute ist der Abend der Wahlversprechen“, meinte Ahn-Tauchnitz – und sollte Recht behalten.
Etwas weiter ging das Spektrum beim Biber auseinander. Während sich Wild, Tessun, Schmid, Englich und Barthel zu einem verträglichen Miteinander – notfalls mit Abschüssen – bekannten, meinte Holz zu dem Nagetier: „Schmeckt gut.“ Schon jetzt seien Entnahmen dort möglich, wo Schäden entstanden sind, betonte der Vize-Landrat. Um mehrere Einzelfälle versprach er, sich persönlich zu kümmern.
Almwirte fordern wolfsfreie Alpen
Gegen Abschüsse sprach sich Englich indes beim Wolf aus. Einen wolfsfreien Alpenraum, wie vom Almwirtschaftlichen Verein gefordert, sehe er nicht. Wild bekannte sich zwar wie Tessun zu Entnahmen bei Rissen und zu Herdenschutz, hielt eine wolfsfreie Zone aber für unrealistisch: „Das können wir nicht garantieren.“
Holz hingegen hielt die Idee „nur in einer europäischen Lösung“ für umsetzbar, während er Herdenschutz auf der Alm ausschloss. Dem stimmte Schmid zu: „Ein Schutzzaun auf der Alm haut nicht hin.“ Die beiden waren sich einig in der Vermutung, dass es ohne Entnahmen zum Prinzip „Schießen, schaufeln, schweigen“ kommen werde. Barthel mahnte jedoch, man könne nicht bei all den umstrittenen Tieren sagen, sie würden nicht nach Bayern gehören. Er pochte auf ein vernünftiges Management in Zusammenarbeit mit den Bauern.
Mehr Einigkeit bestand beim Thema Schutzgebietsausweisung und bei der Forderung von Kreisobmann Peter Fichtner, der Kreis solle auf sein Vorkaufsrecht bei landwirtschaftlichen Flächen verzichten, damit diese in Bauernhand bleiben. Keiner der Kandidaten sah eine Notwendigkeit für weitere Schutzgebiete – und selbst Englich würde als Landrat auf das Vorkaufsrecht verzichten, wenn das Land in Bauernhand bleibt.
Als weitere Wahlversprechen arbeitete Ahn-Tauchnitz eine Reduzierung des Flächenverbrauchs und die weitere Unterstützung der Dorfhelferinnen heraus. Beim Bauen im Außenbereich pochte jedoch auch Holz, der sonst viel Zustimmung einheimste, auf eine einheitliche Linie. Die Lösung dafür war schon gefunden: Mehr Dialog, etwa in Form der Jahresgespräche. nap