Immer mehr Österreich-Restaurants verlangen Geld für leeren Teller – wegen „Unart, die ausgeartet ist“

  1. Startseite
  2. Welt

Kommentare

Acht Euro gezahlt, aber eigentlich kam gar nichts auf den Tisch? In Österreich hat sich eine Restaurant-Praktik etabliert, die die Gemüter erhitzt.

Salzburg – Was früher eine Selbstverständlichkeit war, kostet heute bares Geld: Ein zusätzlicher Teller zum Teilen der Speisen kann in österreichischen Restaurants bis zu acht Euro kosten. Der sogenannte „Räuberteller“ sorgt für heftige Diskussionen – und möglicherweise auch für eine höhere Rechnung im Österreich-Urlaub.

Wer sich das Essen teilen möchte, muss für den „Räuberteller“ immer öfter einen Aufpreis zahlen.
Wer sich das Essen im Restaurant teilen möchte, muss für den „Räuberteller“ immer öfter einen Aufpreis zahlen. © IMAGO/Zoonar.com/Robert Kneschke

Ernst Pühringer, Salzburger Spartenobmann für Tourismus und selbst Gastronom, bringt bei Heute.at die Frustration seiner Kollegen auf den Punkt: „Es ist einfach eine Unart, die ausgeartet ist.“ Der Wirt des Gasthofs Hölle verlangt 1,80 Euro pro zusätzlichem Geschirr und erklärt: „Kurz nach Corona hat sich das so eingebürgert“.

Praxis etabliert sich in Österreich: Restaurants verlangen Aufpreis für Räuberteller

Das Problem: Gruppen mit zehn Personen bestellen oft nur fünf Hauptgerichte, verlangen aber zusätzlich fünf leere Teller. Für die Gäste ein Sparmodell, für die Gastronomie ein Verlustgeschäft. „Man muss einfach einen Umsatz erreichen, der passt“, rechtfertigt Pühringer die Gebühr. Eine Maßnahme ist der Räuberteller mit Aufpreis, der übrigens auch in Italien auftaucht.

Die Praxis hat sich mittlerweile in allen österreichischen Bundesländern etabliert, immer mehr Gasthäuser greifen zu dieser Maßnahme. „Die Menschen haben den Service und die Leistung zu einem sehr günstigen Preis als selbstverständlich erachtet“, sagte Wiener Gastro-Sprecher Peter Dobcak schon im August im Branchenmagazin falstaff. Kostendruck zwinge die Wirte zu „kreativen Lösungen“. Dazu gehört auch eine „No-Show-Gebühr“, wenn Kunden ihre Reservierungen platzen lassen.

Gebühr für leeren Teller: Preise in Österreich bis zu acht Euro

In Salzburg hat sich die Branche bei vier Euro pro Räuberteller eingependelt, schreiben die Salzburger Nachrichten. Dort heißt es auch „Tellergeld“, „Servicezuschlag“ oder „Gedeck – zusätzliche Person.“ In Linz in Oberösterreich nimmt die Pizzeria „La Ruffa“ zwei Euro für „Pizza auf zwei Tellern serviert“.

Den Rekord hält ein Kärntner Restaurant am Wörthersee, das acht Euro für einen zusätzlichen Teller verlangte und damit bundesweit für Empörung sorgte.

Nicht jede Situation wird gleich behandelt. Pühringer zeigt sich kompromissbereit: „Wenn sich eine Mutter und ihr Kind ein Essen teilen, werde ich nicht extra verrechnen, wenn der Gesamtumsatz passt.“ (Verwendete Quellen: Heute.at, falstaff, Salzburger Nachrichten) (moe)