Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum im Landkreis Miesbach könnte der Wirtschaft bald auf die Füße fallen. Unternehmer wollen Teil der Lösung sein, geht aus dem REO-Jahresbericht hervor.
Ein BIP halb so hoch wie von ganz Montenegro, bei den Pro-Kopf-Gewerbesteuereinnahmen Spitzenreiter in ganz Oberbayern – Tendenz steigend. „Doch das ist die Vergangenheit“, warnte Alexander Schmid nun im Kreistag. Tatsächlich stehe auch der Wirtschaftsstandort Landkreis Miesbach vor „massiven Herausforderungen“, betonte der Vorstandsvorsitzende des Kommunalunternehmens Regionalentwicklung Oberland (REO) im Jahresbericht. Lange Zeit habe man die Standortförderung hintanstellen können, „weil es ja eh gelaufen ist“. In den kommenden Jahren aber müsse sich das ändern, um den Anschluss nicht zu verlieren.
Vor allem der große Mangel an (bezahlbarem) Wohnraum könnte der Wirtschaft im Landkreis böse vor die Füße fallen, mahnte Schmid. „Bei uns wird viel weniger gebaut als in unseren Nachbarkreisen.“ Nämlich nur 25 statt 60 Wohnungen pro 10 000 Einwohner. Die Umnutzung von Leerstand werde das Problem alleine nicht lösen, so der REO-Chef.
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Hoffnung mache ihm aber eine Befragung der Unternehmer im Landkreis: Mehr als 50 hätten zugesagt, in den Neubau oder Kauf von Wohnungen einsteigen zu wollen. „Sie wollen Teil der Lösung sein“, verkündete Schmid erfreut. Rund 150 bis 200 zusätzliche Wohnungen könnten so entstehen. Bereits im Januar will Schmid das Konzept in den Gemeinden vorstellen.
Ansiedlung zweier Medizintechnik-Firmen
Damit nicht genug: Auch die Ansiedlung zwei neuer Firmen aus der Medizintechnik stellte der REO-Vorstandsvorsitzende in Aussicht. Sie sollen in aktuell „untergenutzten Gewerbeflächen“ unter- und damit ohne Neubau auskommen. Erfreulich sei, dass der Landkreis in Sachen Gründerfreundlichkeit auf Platz vier der Standorte ohne eigene Hochschule liege. Formate zur Gewinnung neuer Fachkräfte wie die Ausbildungstour oder die Messe Stuzubi seien gut etabliert, die Zahl der Ausbildungsverträge steige an.
Mit Projekten wie der Oberlandcard und der Öko-Modellregion bemühe sich die REO, auch die regionale Wertschöpfung zu erhöhen und so die Krisenfestigkeit zu verbessern. Erfreulich sei ferner, dass sich das EU-Förderprogramm Leader nach breiter Kritik wieder in ruhigerem Fahrwasser befinde, so Schmid. Denn diese Zuschusstöpfe bergen Potenzial.
Tourismus großer Wirtschaftsfaktor
Das sieht REO-Tourismusvorstand Harald Gmeiner nach wie vor auch in seinem Bereich. 17 Prozent des von Schmid genannten BIPs von 4,2 Milliarden Euro werde im Landkreis im Tourismus erwirtschaftet. Zahlen von 2,6 Millionen Übernachtungen und 800 000 Ankünften sprächen für sich. 5600 Menschen im Landkreis würden ihren Lebensunterhalt mit dem Fremdenverkehr verdienen. Doch auch hier finde ein Wandel statt. „Die Inflation hat die Gewinnmargen sinken lassen“, erklärte Gmeiner.
Mit der neuen Gästekarte und dem Zweckverband der Urlaubsgemeinden Schliersee, Fischbachau und Bayrischzell wolle man auf die Herausforderungen reagieren. Ein weiterer Schwerpunkt gelte der Verkehrs- und Besucherlenkung sowie der Nachhaltigkeit. Herausarbeiten möchte die REO laut Gmeiner auch die Bedeutung der touristischen Infrastruktur für die Einheimischen. Im Marketing konzentriere man sich vor allem auf regionale Produkte, auch die Vernetzung mit anderen Teilen der Alpen im Bereich Coworkation nehme Fahrt auf.
Gmeiner verlässt REO
Fahrt nimmt derweil auch Gmeiners Kandidatur zum Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde Wolfersdorf im Landkreis Freising auf. „Es gibt bis dato keinen Gegenkandidaten“, sagte der Kommunalpolitiker der CSU. Die Wahrscheinlichkeit, dass er zum 30. April nach 22 Jahren beruflicher Tätigkeit den Landkreis Miesbach verlassen wird, sei groß. Der Abschied falle ihm nicht leicht, sagte Gmeiner und musste sich ein paar Tränen verdrücken. „Es ist schon ein besonderer Fleck hier“, sagte er und bedankte sich fürs jahrelange Vertrauen. Dem Landkreis Miesbach wünsche er, dass weiterhin der Zusammenhalt im Vordergrund stehe. „Gemeinsam kann man mehr erreichen.“
Die Kreisräte erwiderten den Dank mit kräftigem Applaus. Astrid Güldner (Grüne) als REO-Verwaltungsrätin betonte, dass sie viel in der Zusammenarbeit gelernt habe. Die REO sei auch in harten Zeiten immer ein guter Ansprechpartner, ihr Erfolg lasse sich nicht nur mit Zahlen bemessen, sagte Güldner: „Ihr seid einer der Gründe, warum ich wieder Kreisrätin werden will.“