„Das Problem sind nicht die Zölle, die Welt fliegt uns um die Ohren“

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Kapitalmarkt-Stratege Martin Lück erklärt, warum die Trump-Politik zu einem weiteren Aktien-Crash führen könnte.

Der Zollstreit ist zurück: Gestern gerieten Aktien von Autobauern unter Druck, BMW verlor zeitweise 4,4 Prozent. Martin Lück, Chef-Kapitalmarktstratege beim US-Vermögensverwalter Franklin Templeton in Deutschland, sieht die großen Risiken aber woanders.

Als im April 2025 der Zollstreit eskalierte, ging es an den Börsen abwärts. Droht jetzt der nächste Crash?

Wegen der Zollgefahr droht zumindest kein Crash.

Warum?

Im Frühjahr haben alle bemerkt: Oh, Trump meint es mit den Zöllen tatsächlich ernst – daraufhin sind die Aktienmärkte in die Knie gegangen.

Donald Trumps Politik ist eine Gefahr für die Weltwirtschaft. © Alex Brandon/dpa

Was ist jetzt anders?

Die Motivlage: Trump nutzt die Zölle, um die Europäer zu erpressen. Er will sein illegales Vorhaben durchdrücken und Grönland annektieren. Hier werden imperialistische Gelüste mit wirtschaftlicher Potenz vermengt, obwohl eine Annexion gegen das Völkerrecht und gegen das Nato-Bündnisrecht verstößt. Das Risiko für die Weltwirtschaft besteht nicht darin, dass Zölle ein paar Handelsströme behindern könnten. Das Risiko ist, dass uns jetzt die Welt um die Ohren fliegt.

Was meinen Sie damit?

Wenn die USA mit Grönland ernst machen, stellt sich die Frage: Was kommt als nächstes? Stellen die USA dann die Unterstützung für die Ukraine ein? Dann stünde Russland womöglich innerhalb weniger Wochen vor Kiew.

Trump-Crash wegen Ukraine-Krieg – oder doch ein „Sturm im Wasserglas“?

Das ist das eigentliche Crash-Risiko?

Genau. Sollte dieses Szenario eintreten, dürfte es einen massiven Abverkauf an den Aktienmärkten geben. Kommt es allerdings zu einer Einigung mit der EU im Streit um Grönland, verschwindet das Risiko wieder, alles wäre nur ein Sturm im Wasserglas.

Welches der beiden Szenarien ist realistischer?

Leider sieht es im Moment eher danach aus, dass Trump den Grönland-Konflikt weiter eskaliert. Da hilft kein Appeasement – egal, ob das nun Meloni ist, die Trump umschmeichelt, ob das Macron ist, der einen auf Best-Buddy macht, oder ob es Merz ist, der ihm einfach nach dem Mund redet. Das hat alles keinen Sinn mehr. Dieser Präsident ist wahnsinnig, punkt. Er ist eine Gefahr für die Welt.

Was heißt das für Kleinanleger? Trump hat als Präsident noch drei Jahre vor sich.

Angesichts der jüngsten Eskalationsrunde sollten sich Anleger die Frage stellen, ob es nicht besser wäre, Aktien weniger stark zu gewichten – insbesondere US-Aktien.

Wegen Trumps Wirtschaftspolitik – Auf US-Aktien besser verzichten

Was sind die Alternativen?

Europäische Aktien oder Aktien aus Schwellenländern. Eine insgesamt geringere Aktienquote ist auch deshalb sinnvoll, weil wir drei starke Aktienjahre hinter uns haben. Sollte es zu einem Rücksetzer kommen, könnte dieser heftig ausfallen.

Sind Gold und Silber eine Alternative? Anleger müssen dafür schließlich Rekordpreise bezahlen.

Es spricht sehr vieles dafür, dass der Goldpreis noch weiter steigt. Er wird vermutlich nicht mehr um 60 Prozent zulegen wie im vergangenen Jahr, aber Luft nach oben ist noch da. Viele Zentralbanken – etwa in China, Russland und der Türkei – verkaufen Dollar-Bestände und kaufen dafür Gold. Da dieser Prozess noch nicht zu Ende ist, könnte der Gold-Preis weiter zulegen.

Viele Anleger haben Sparpläne auf den MSCI World abgeschlossen – der MSCI World wird aber dominiert von US-Unternehmen. Ist das ein Problem?

Nein, das nicht. Wer mit einem Aktiensparplan fürs Alter vorsorgt, denkt langfristig. Im Falle eines Crashs werden Aktien günstig nachgekauft – der Sparplan läuft ja weiter. Durch den Durchschnittskosten-Effekt haben diese Sparer trotz der aktuellen Risiken keinen unmittelbaren Handlungsbedarf.

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/wirtschaft/trumps-zollkrieg-droht-wegen-den-usa-ein-neuer-aktien-crash-94130099.html