450 Euro weniger Rente: „Verheerende“ Rentenlücke in Deutschland – wo die Unterschiede am größten sind
Es gibt große Unterschiede bei der Rente. Herkunft und Geschlecht wirken sich massiv auf das Altersgeld aus. Die Linke kritisiert: „Von diesem System profitieren Männer“.
Berlin – Ein Fünftel der deutschen Rentnerinnen und Rentner sind von Altersarmut bedroht. Oft reicht allein die gesetzliche Rente kaum für ein auskömmliches Leben im Alter. Bei der Rentenhöhe gibt es jedoch große Unterschiede. Zahlen der Rentenversicherung zeigen, wie groß die Rentenlücke ist: Teils bekommen Menschen ein Drittel weniger als andere.
Die Linke-Rentenpolitikerin Sarah Vollath erkundigte sich bei der Bundesregierung in einer kleinen Anfrage nach den neuesten Zahlen zu durchschnittlichen Altersrenten in Deutschland. Die Antwort der Bundesregierung liegt der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media exklusiv vor. Die Statistik der Rentenversicheurng zeigt, dass Männer zum letzten Stichtag Ende 2024 durchschnittlich 1405 Euro Altersgeld bekamen. Frauen dagegen bekamen mit 955 Euro ein Drittel weniger.
Ungleiche Renten: „Von diesem System profitieren Männer“
Für Vollath, Sprecherin für Renten- und Alterssicherungspolitik, der Linken im Bundestag, sind diese Zahlen ein Unding: „Die riesige Rentenlücke zwischen Männern und Frauen ist verheerend. Sie sollte allerdings niemanden überraschen, der sich unser Rentensystem genauer anschaut“, sagt die bayerische Bundestagsabgeordnete. „Denn von diesem System profitieren Männer, die in Vollzeit arbeiten und die Kinderbetreuung ihren Frauen überlassen, am meisten.“ Frauen übernehmen der Linken-Politikerin zufolge noch immer „ganz selbstverständlich“ die Care Arbeit, was im Arbeitsleben wie auch im Rentenalter zu einer strukturellen Benachteiligung führe.
Die neu veröffentlichten Zahlen zur Rente von Frauen mit Kindern zeigen, dass das Altersgeld auch von der Anzahl der Kinder abhängt. Für Frauen mit einem Kind ist die Rente zwar etwas höher als bei denen ohne Kinder. Bei Frauen mit drei oder mehr Kindern liegt sie aber sogar niedriger als im Gesamtschnitt. Das, obwohl die Kindererziehung im Leistungsrecht der gesetzlichen Rentenversicherung bereits anerkannt wird.
„Das Ergebnis ist die eklatante Rentenlücke zwischen den Geschlechtern. Es ist allerhöchste Zeit, dass Care Arbeit endlich besser anerkannt wird“, fordert deshalb die Linkenpolitikerin Vollath. Außerdem plädiert sie für eine Mindestrente von 1400 Euro. „Das ist das Mindeste für die vielen Frauen, die sich ihr Leben lang unbezahlt um ihre Kinder gekümmert oder ihre Angehörigen gepflegt haben.“
Auch zwischen Ost und West gibt es Unterschiede, wenn auch geringere. So lag die durchschnittliche Rente für Männer im Westen bei 1.392 Euro, im Osten bei 1.463. Zu beachten ist dabei: Im Osten macht die gesetzliche Rente mit rund 90 Prozent fast das gesamte Altersgeld der Menschen aus. Im Westen liegt dieser Anteil nur bei etwa zwei Dritteln, Betriebsrenten und private Altersvorsroge stocken das Geld im Alter auf.
Besonders auffällig im Ost-West-Vergleich sind die regionalen Unterschiede in der Rente für Frauen: Im Westen bekamen Frauen im Schnitt 876 Euro Rente pro Monat - im Osten 1.271 Euro. Linken-Politikerin Vollath sieht sich deshalb in der Fordung gestärkt, beosnders westdeutschen Frauen den Zugang zur Erwerbstätigkeit zu erleichtern. „Während Erwerbstätigkeit und Mutterschaft in Ostdeutschland auch nach der Wiedervereinigung viel häufiger Hand in Hand gehen, zeichnen sich die Erwerbsbiografien von Frauen im Westen noch immer stärker durch Unterbrechungen und eine deutlich höhere Teilzeitquote aus“ so die Linke.
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Außerdem wirken sich Vollath zufolge die unterschiedlichen Zugänge und Verfügbarkeiten von Kitaplätzen zwischen Ost und West auf die Renten aus. „Die schlechte Betreuungssituation in Westdeutschland führt leider nach wie vor bei vielen Frauen zu einer Unterbrechung des Erwerbslebens oder zu erzwungener Teilzeit.“ Die Linke fordert „auch in Sachen Kinderbetreuung gleichwertige Lebensverhältnisse“, für die die Bundesregierung sorgen müsse. „Eine bedarfsgerechte Kitafinanzierung ist dabei ein wesentlicher Faktor. Wir fordern den Bund auf, die Länder endlich besser bei der Finanzierung der Kinderbetreuung zu unterstützen.“ (Quelle: EIgene Recherche, Die Linke, Deutsche Rentenversicherung, Statistisches Bundesamt)