900 Euro weniger Rente: Lehrer vor Ruhestand wittert „Ungerechtigkeit“

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Ein Lehrer erhält Hunderte Euro weniger Rente als Kolleginnen und Kollegen. Trotz gleicher Arbeit klafft eine riesige Lücke bei den Altersbezügen.

Frankfurt – Ein Lehrer steht mit 65 Jahren kurz vor dem Ruhestand und kann sich auf eine hohe Rente freuen. Trotzdem fühlt er sich ungerecht behandelt. Der Grund liegt in den gravierenden Unterschieden zwischen angestellten und verbeamteten Lehrkräften. Im Magazin Stern schildert er die strukturellen Probleme im deutschen Bildungssystem, die sich laut ihm niemand traue, anzugehen.

Lehrer im Unterricht.
Ein Lehrer steht kurz vor dem Ruhestand. Er kann sich auf eine hohe Rente freuen. Trotzdem fühlt er sich ungerecht behandelt. (Symbolbild) © photothek/Imago

Er erzählt: „Ich bin Lehrer an einer Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen und tarifbeschäftigt. Das heißt: Ich zahle in die Rentenversicherung ein wie andere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch.“ Sein monatlicher Verdienst: 2600 Euro brutto. Zusätzlich gebe es eine Zusatzversorgung, die den Abstand zur Pension verbeamteter Lehrkräfte verringern solle – tatsächlich sei der Unterschied aber nicht abzufangen. Er rechne mit 2200 Euro Rente plus 400 Euro Zusatzversorgung, also 2600 Euro insgesamt. Die „Rente ist nicht schlecht, aber auch nur so hoch, weil ich schon seit über 15 Jahren ein höheres Amt innehabe“.

Lehrkräfte mit Rente versus Pension – fatale Unterschiede bei gleicher Arbeit

Die Diskrepanz zwischen den Altersbezügen von Beamtinnen und Beamten sowie Angestellten im Lehrberuf ist erheblich. Nach Angaben des MDR erhält eine angestellte Lehrkraft mit zuletzt rund 5900 Euro brutto nach 42 Dienstjahren 1731 Euro gesetzliche Rente netto plus 580 Euro Zusatzversorgung. Verbeamtete Kolleginnen und Kollegen hingegen bekommen 3214 Euro Pension netto – das sind fast 900 Euro mehr, obwohl der angestellte Lehrer jahrzehntelang in die Rentenkasse eingezahlt hat.

Das deckt sich mit den Aussagen des betroffenen Lehrers: „Die übliche Tarifrente liegt bei 1600 bis 1800 Euro plus etwa 300 Euro Zusatzversorgung. Die durchschnittliche Pension liegt bei über 3000 Euro“, erklärt er. Er finde es ungerecht, dass er für die gleiche Arbeit weniger Geld bekomme als die verbeamteten Kolleginnen und Kollegen. „Es sind einfach zwei unterschiedliche Statusgruppen. Ich muss halt zusehen, dass ich mit dem Geld, das ich bekomme, irgendwie zurechtkomme.“ Auch Lehrerin Gabriele Stork konstatierte im Interview mit BuzzFeed News von Ippen.Media: Es gebe „eben Unterschiede, die nicht fair sind“.

Mehr Rente für verbeamtete Lehrkräfte – Bas will Ungerechtigkeit beseitigen

Nach Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) sind von den rund 1,7 Millionen Lehrkräften in Deutschland zwei Drittel verbeamtet. Diese erhalten im Ruhestand bis zu mehr als 70 Prozent ihrer letzten Bezüge als Pension ausgezahlt, während das Rentenniveau in Deutschland derzeit bei unter 50 Prozent der früheren Bezüge liegt. In Berlin und Sachsen werden Lehrerinnen und Lehrer nicht verbeamtet, in allen anderen Bundesländern gibt es Tarifbeschäftigte und Beamte nebeneinander. 

Die strukturellen Unterschiede rücken zunehmend in den politischen Fokus. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hat dazu im Mai 2025 konkrete Reformpläne vorgelegt. Demnach sollen künftig „auch Beamte, Abgeordnete und Selbstständige einzahlen“. Bas begründet dies mit der Notwendigkeit, „die Einnahmen zu verbessern“ und mehr Gerechtigkeit im System zu schaffen. Das zugehörige Gespräch mit der Berliner Morgenpost wurde auf der Website des Bundesarbeitsministeriums veröffentlicht.

Interessant ist, dass selbstständige Lehrerinnen und Lehrer bereits heute zur Rentenversicherung beitragen müssen. Laut der Deutschen Rentenversicherung (DRV) sind freiberufliche Lehrkräfte ab einem monatlichen Verdienst von 520 Euro beitragspflichtig. Diese Regelung zeigt, dass eine Integration von Lehrerinnen und Lehrern in die gesetzliche Rentenversicherung möglich wäre.

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Ungerechtigkeit im System: „Am Ende will keiner dafür verantwortlich sein“

Der angestellte Lehrer zeigt sich jedoch pessimistisch: „Einfach so auflösen wird sich diese Ungerechtigkeit nicht. Weil die Bundesländer einfach kein Interesse daran haben. Verbeamtete Lehrer sind für die Länder und deren Haushalte kurz- und sogar mittelfristig einfach günstiger, als wenn sie Lehrer nach Tarif bezahlen. Die Länder müssen für verbeamtete Lehrer nämlich keine Sozialabgaben leisten.“ Die Kosten für die Pensionen werden demnach erst Jahrzehnte später fällig.

Der zukünftige Rentner will den Grund dafür kennen, warum sich über die Jahre nichts getan hat: „Wenn man etwas im Bildungssystem ändert, will am Ende keiner dafür verantwortlich sein, falls es finanziell schwierig wird. Genau deshalb ist die Haushaltslage momentan so angespannt – aber niemand traut sich wirklich, das Thema anzugehen“, kritisiert er. (Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Deutsche Rentenversicherung, MDR, Stern) (cln)

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