Die „Kulturoptimisten“, eigentlich sind es Optimistinnen, haben in der Minoritenkirche in Regensburg wieder einmal ein außergewöhnliches Projekt auf die Beine gestellt.
Regensburg – Mit Liebe zum Detail und einer sorgfältigen Auswahl von Künstlerinnen, Kulturorten und passgenauen Veranstaltungskonzepten schaffen die Kulturoptimist(inn)en – drei Frauen mit Sinn für das Besondere – immer wieder beeindruckende Projekte.
Die Infinity-Lichtshow in der Minoritenkirche Regensburg gehört zweifellos dazu, auch in ihrer dritten Auflage. Julia Köppel, Karin Weber und Johanna Pichler haben erneut etwas Außergewöhnliches auf die Beine gestellt.
Vom Sitzsack aus Richtung Unendlichkeit
Zwar irritiert es ein wenig, dass das Schweizer Künstlerkollektiv Projektil diesmal Schriftzüge durch den Bilderrausch aus Sternen, Fabelwesen und Licht laufen lässt – sie wirken wie unpassende Werbeeinblendungen. Doch das gerät in den Hintergrund, wenn man auf einem Sitzsack liegt, in den illuminierten Wänden und dem Gewölbe versinkt und sich treiben lässt.
„Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge. “ Mit diesem Leitspruch des Schweizer Reformpfarrers und Schriftstellers Kurt Marti wagten die Kulturoptimisten 2021 den Sprung ins kalte Wasser – Corona zum Trotz.
„Die Kulturoptimisten“: Veranstalterinnen mit hervorragendem Ruf
In kurzer Zeit haben sie sich einen Ruf erarbeitet, der nicht nur Publikum, sondern auch Künstlerinnen und Künstler anzieht. Professionell, menschlich, fair bezahlt – in der Kulturbranche ist das keine Selbstverständlichkeit.
Dass die Lichtshow am 13. Januar vom Live-Debüt der Regensburger Formation No Va begleitet wurde, fügt sich nahtlos in dieses Bild. Es ist bemerkenswert, wie eine Akustikgitarre (Vincent Babl) im Fingerstyle nicht untergeht neben Schlagzeug (Julian Fischer) und Piano (Daniel Maier). Während der 45-minütigen Show wirkt es meist, als sei der Bilderrausch im Gewölbe wie eine Lichtorgel mit der Musik synchronisiert.
Regensburger Musiker begleiten das Spektakel
Tatsächlich hat das Trio seinen Sound auf die Lichtshow abgestimmt – eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass sie nur mit einem zweidimensionalen Video proben konnten und der Schall im Kirchenschiff eigene Wege geht. Dennoch zieht No Va das Publikum tief hinein in diese Reise ins Unendliche.
No Va ist, wenn man so will, eine instrumentale Auskopplung der Indie-Band Fit & Brille. Neben Vincent Babl gehören Jacob Habermann, Han Ung Kufner und Benno Schurig zur Band, die sich der Neuen Deutschen Welle zuordnen lässt. In vier Jahren haben sie zwei professionell produzierte Alben veröffentlicht, ein drittes steht kurz vor der Veröffentlichung.
Gitarrist Vincent Babl erreichte als Solokünstler im vergangenen Jahr 170.000 Streams auf Spotify – ein Erfolg, der ihm jedoch nur 130 Euro einbrachte. Für eine faire Gage braucht es Initiativen wie die der Kulturoptimistinnen.
Die Infinity-Lichtshow in der Minoritenkirche läuft noch bis zum 1. Februar.