Urlauber fahren mitten im Winter mit Mercedes-SUV auf gesperrten Alpen-Fußweg – und bleiben stecken
Jährlich gibt es Meldungen von verirrten Autos in bergigem Gelände, dieser Fall aus den ersten Tages des Jahres 2026 wird wohl noch etwas nachhallen.
München – Da bleibt einem die Schamesröte im Gesicht, wenn man als Autofahrer die falsche Abbiegung nimmt und auf einer Forst- oder Bergstraße liegen bleibt, vor allem im Italien-Urlaub. Sollte nicht passieren, darf nicht passieren, kommt aber vor. Selbst erfahrenen Busfahrern, wie ein Beispiel aus Kroatien jüngst zeigte, aber auch in den Alpen kommt das immer wieder vor, nun an der verschneiten Landesgrenze.
Eine Gruppe Schweizer Touristen erlebte in Névache an der französisch-italienischen Grenze ein unfreiwilliges Winter-Abenteuer der besonderen Art. Mit ihrem Mercedes-SUV fuhren sie trotz Wintersperre auf eine unbefestigte Bergstraße zu den Grange di Valle Stretta und blieben prompt im Schnee stecken.
Fatale Fehlentscheidung mit Folgen: Alpenstraße im Sommer frequentiert, im Winter gesperrt
Der Vorfall ereignete sich in dem malerischen Engtal Vallée Étroite, das seit dem Friedensvertrag von 1947 zu Frankreich gehört, obwohl es geografisch zum italienischen Po-Einzugsgebiet zählt. Die Schweizer Urlauber verließen den Ort Névache und fuhren auf eine Straße, die zu den Hochgebirgshütten der Grange di Valle Stretta führt – eine Route, die im Winter für Kraftfahrzeuge gesperrt ist, berichtete zuerst südtirolnews.it. Immer wieder werden Straßen gesperrt, wenn der Schneefall zu stark ist, wie ein Grenz-Tunnel kurz vor Silvester in Italien.
Die Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten: Das Fahrzeug blieb auf einem Schneehaufen hängen und befand sich schließlich mit den Rädern in der Luft über einer Schneemulde. „An eine Weiterfahrt in Richtung Hochtal der Clarée war nicht mehr zu denken“, berichtet Südtirol News. Verletzt wurde glücklicherweise niemand, doch Rettungskräfte mussten ausrücken, um die Gruppe zu bergen. Schnee kann nicht nur zu Sperrungen, sondern auch zu hohem Aufkommen führen, wie im Piemont während der Weihnachtsferien, sogar die Polizei musste eine Route sperren.
Wintersperre in den Alpen hat gute Gründe: Wanderer brauchen lange, Autos schaffen es gar nicht
Die Straße zu den Grange di Valle Stretta ist im Winter aus gutem Grund für Fahrzeuge gesperrt. Die unbefestigte Bergstraße ist bei Schnee und Eis selbst für geübte Wanderer eine Herausforderung. Normalerweise benötigen Wanderer und Schneeschuhgeher vom Ausgangspunkt Pian del Colle etwa zwei Stunden bis zu den Berghütten.
Im Sommer hingegen bringt ein Shuttlebus Touristen für zwei Euro Hin- und Rückfahrt zu den Almhütten. Während der Sommermonate Juli und August ist die Zufahrt mit dem Auto möglich, doch im Winter bleibt nur der Fußweg.
Kein Einzelfall in den Alpen: Irrfahrten sind nichts Ungewöhnliches – und sorgen immer für Kopfschütteln
Solche Vorfälle sind leider keine Seltenheit in den Alpen. Ein Hamburger Autofahrer landete im Fichtelgebirge auf dem Ochsenkopf, eine Urlauberin aus Hessen wurde vom Navigationssystem über Berggipfel gelotst. Auch auf dem Lenggrieser Brauneck lassen sich freie Stunden schön verbringen, deswegen sollte man aber nicht den Mini benutzen, um hochzukommen.
Der aktuelle Vorfall in Névache zeigt einmal mehr: Winterliche Sperrungen in den Alpen sind keine Empfehlung, sondern eine Notwendigkeit. „Wer sie missachtet, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch jene, die zur Hilfe eilen müssen“, warnt Südtirol News. Die Hochalm-Siedlung in 1780 Metern Höhe liegt malerisch eingebettet zwischen den Gipfeln der Westalpen und ist ganzjährig nur von Bardonecchia aus erreichbar. (Quellen: südtirolnews.it, 20min.ch, eigene Recherche) (ank)