Mysterium im Mittelmeer: Wissenschaftler rätseln über Fisch-Phänomen an der Adria

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Die Adria verliert ihre großen Sardinen. Eine neue Studie alarmiert Fischer und Forscher gleichermaßen. Der Grund liegt in der modernen Fangtechnik.

Ancona – Die Fischer an der Adria trauen ihren Netzen kaum noch: Was früher als stattliche Sardine auf den Märkten landete, schrumpft Jahr für Jahr zu winzigen Fischchen zusammen. Ein Phänomen, das Wissenschaftler alarmiert und die italienische Fischereiwirtschaft vor existenzielle Probleme stellt.

Sardinen (Symbolfoto).
Sardinen (Symbolfoto). © IMAGO/Sivaram Venkitasubramanian

Eine neue Studie im Fachjournal Frontiers in Marine Science zeigt das erschreckende Ausmaß: Die durchschnittliche Größe der Sardinen (Sardina pilchardus) in der Adria ist in den vergangenen 20 Jahren dramatisch gesunken. Forscher analysierten Daten aus den italienischen Häfen Chioggia und Ancona zwischen 2000 und 2021 und kommen zu einem eindeutigen Schluss.

Überfischung in der Adria: Klima verstärkt das Problem

„Übermäßige Ausbeutung bleibt der Haupttreiber, trotz der nominalen Flottenreduzierung, da technologischer Fortschritt die effektive Fischereikraft erhöht“, heißt es in der Untersuchung. Moderne GPS-Geräte, stärkere Motoren und präzise Sonargeräte machen die Fischereiflotte effizienter denn je – mit fatalen Folgen für die Sardinen.

Die Wassertemperatur spielt eine entscheidende Nebenrolle in diesem Drama. Sardinen wachsen optimal bei Temperaturen bis 20 Grad Celsius. Steigt das Thermometer höher, leiden die Fische unter erhöhtem Stoffwechselstress und finden weniger Nahrung. Die Klimaerwärmung verschärft somit den Druck auf die bereits überfischten Bestände.

Sardinen werden kleiner: wirtschaftliche Folgen für Italien

Besonders dramatisch ist die Situation im nördlichen Adriabereich um Chioggia, wo die Fischereiflotte gezielt auf Sardinen ausgerichtet ist. Hier konzentriert sich der Fangdruck saisonal auf die ohnehin geschwächten Populationen.

Die Sardine ist nach Angaben des italienischen Landwirtschaftsministeriums (MASAF) die zweithäufigste gefischte Art in Italien. Kleinere Fische bedeuten geringere Erträge und höhere Preise pro Kilogramm. Die italienische Fischereiflotte schrumpfte zwischen 2018 und 2021 bereits um 29 Prozent – ein Kollaps mit weitreichenden Folgen für Küstengemeinden.

Neue Regeln für Fischerei im Mittelmeer ab 2025

Die Allgemeine Fischerei-Kommission für das Mittelmeer reagiert mit strengeren Vorschriften. Ab 2025 gelten laut der italienischen Fischereivereinigung ANAPI neue Fangbeschränkungen für kleine pelagische Fische wie Sardinen und Sardellen. Jährliche Fangquoten werden schrittweise reduziert, komplette Fangstopps während der Laichzeit verhängt.

Die Forscher fordern einen ganzheitlichen Ansatz, der historischen Fischereidruck, technologische Entwicklungen und Klimavariablen berücksichtigt. Nur so könne sich der Sardinenbestand in der Adria wieder erholen. Für die Fischer bedeutet das jedoch weitere Einschränkungen in einem bereits hart umkämpften Markt. Eine Region an der Ardia wollte indes kürzlich wegen eines Tierchens gar den Katastrophenfall ausrufen. (Quellen: Frontiers, MASAF, ANAPI) (cgsc)

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