Ein 400 Jahre altes Fachwerkhaus, ein Traditionsgasthaus und ein Industriedenkmal – drei historische Gebäude in Bayern wurden zu den „Abrissen des Jahres“ 2025 gekürt.
München - Drei historische Gebäude in Bayern sind zu den „Abrissen des Jahres“ 2025 gekürt worden – ein trauriger Negativpreis für den Verlust wertvoller Bausubstanz. Darüber berichtete die Deutsche Presseagentur. Der bayerische Landesverein für Heimatpflege sammelt mit dieser Aktion besonders bedauerliche Abrisse von historischen Gebäuden, die das Ortsbild prägten.
„Historische Gebäude weichen zunehmend der maximalen Grundstücksverwertung“, kritisierte Vereinsgeschäftsführer Rudolf Neumaier bei der Bekanntgabe.
Lechnerhaus in Prien gewinnt Negativpreis
Den ersten Platz belegte das Lechnerhaus im oberbayerischen Prien am Chiemsee im Landkreis Rosenheim. Das Gebäude war Ende des 19. Jahrhunderts für eine Unternehmerfamilie errichtet worden und symbolisierte die örtliche Industriekultur. Nach wechselnder Nutzung stand es seit 2006 leer und verfiel zusehends.
Der Markt Prien begründete die Abriss-Entscheidung mit Sicherheitsbedenken. Aus der Fassade seien Elemente herausgebrochen und hätten Fußgänger sowie den Straßenverkehr gefährdet, erklärte Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG). Eine Sanierung zu Wohnzwecken habe man geprüft, aber wegen der technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen verworfen.
Traditionsgasthaus weicht modernen Bauplänen
Auf Platz zwei landete das traditionsreiche Gasthaus „Alter Wirt“ in Aising im Landkreis Rosenheim. Der Gasthof mit Wurzeln im frühen 19. Jahrhundert war Treffpunkt für Vereine, Feste und das gesellschaftliche Leben gewesen. 2025 wurde er nach zehn Jahren Leerstand abgerissen, um dort unter anderem einen Veranstaltungssaal mit Biergarten sowie Wohnungen zu errichten.
Auch eine Nutzung als Künstlerhof sei beim Lechnerhaus eine Idee gewesen. Wegen der schlechten Bausubstanz seien diese Konzepte nicht verwirklicht worden, auch seien Interessenten schnell wieder abgesprungen. Der Markt Prien sei sich seiner Vorbildfunktion beim Erhalt alter Bausubstanz aber bewusst, betonte Friedrich und nannte als Beispiel die Alte Post und das ehemalige Amtsgericht.
400 Jahre altes Fachwerkhaus in Mittelfranken abgerissen
Das drittplatzierte Gebäude ist ein rund 400 Jahre altes Fachwerkhaus in Winkelhaid im Nürnberger Land. Das Wohnstallhaus aus der Zeit um 1600 sei ein seltenes noch erhaltenes Zeugnis fränkischer Baukultur gewesen, so der Landesverein. Wegen einer offenbar mutwilligen Zerstörung im Inneren habe es aber seine Denkmaleigenschaft verloren und sei zum Abriss freigegeben worden.
Nach Veräußerung an einen Bauträger seien hier nun moderne Wohnhäuser errichtet worden. Anders als der Lechnerhof stünden die Gebäude Alte Post und ehemaliges Amtsgericht in Prien unter Denkmalschutz und würden vom Markt Prien unterhalten und genutzt.
Weitere bedauerliche Abrisse in ganz Bayern
Auf weiteren Platzierungen des Negativpreises finden sich Wohnhäuser in Würzburg und Bayreuth, ein evangelisches Vereinshaus in Weiden, ein Fischerhäusl in Neumarkt-Sankt Veit, ein Bauernhaus in Ellingen, zwei Gasthöfe in Augsburg-Göggingen („Zum Ochsen“) und Grabenstätt („Alte Post“) sowie ein Kasernengebäude in Augsburg. Die Aktion versteht sich als Appell für mehr Wertschätzung, Erhalt und Weiterentwicklung bestehender Bausubstanz.