„Selenskyj-Moment“ für Grönland und Dänemark? Drei Szenarien – und eine Strategie gegen Trump

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Dänemark und Grönland sind auf heiklem Besuch in den USA. Was tun gegen Trumps Landhunger? Drei Politiker sehen da Optionen. Eine Analyse.

Ein eisiger Wind aus Westen bläst über Grönland hinweg – aus Washington. Donald Trump lässt mit seinen Übernahme-, Annexions- und Invasionsdrohungen nicht locker. Am Mittwoch nun wollen Dänemark und Grönland in Washington die Sache bereden, vor dem Termin ist die Stimmung gespannt. Nicht besser wird die Lage durch einen weiteren Gast, wie der frühere dänische Außenminister Villy Søvndal meint. Neben US-Außenminister Marco Rubio nimmt „auf eigenen Wunsch“ auch Trumps Vize J.D. Vance teil. Søvndal hält einen „Selenskyj-Moment“ nicht für ausgeschlossen.

Grönlands Hauptstadt Nuuk im Schnee – Donald Trump will die Insel besitzen. © Montage: Vural Elibol/Anadolu/Aaron Schwartz/Abacapress/Imago

Vance war es, der im Februar den ukrainischen Präsidenten im Oval Office auf offener Weltbühne zurechtstauchte und damit im Ukraine-Krieg Weichen stellte. Sicher nicht ohne Wohlwollen Trumps. Wie die Delegation aus Dänemark und Grönland – Kopenhagens Außenminister Lars Løkke Rasmussen und die grönländische Ministerin Vivian Motzfeldt – mit der Gefahr einer Neuauflage umgeht, bleibt abzuwarten. In der EU sieht man indes greifbare Möglichkeiten, mit dem US-amerikanischen Grönland-Tornado umzugehen. Und Søvndal, heute EU-Parlamentarier, erkennt zwei bis drei konkrete Szenarien für Grönlands Zukunft.

Was tun gegen Trump in der Grönland-Frage: „Die Amerikaner mal beim Wort nehmen“

Dabei scheint die Ausgangslage schwierig. Stephen Miller, einer von Trumps wichtigsten Einflüsterern im Weißen Haus, erklärte zuletzt: Eine militärische Konfrontation mit den USA werde ohnehin niemand wagen. Womit er recht haben dürfte. Entscheidend könnte die Frage sein, warum Trump nach Grönland greift. Offiziell geht es um die Sicherheit der USA – und um die Sicherheit Grönlands. Die Insel liegt an neuralgischer Stelle zwischen den USA und Russland, auch China ist in der Arktis unterwegs. Nicht auszuschließen aber auch, dass es Trump um den eigenen „Nachruhm“ geht – als der Mann, der die USA vergrößerte. Der deutsche Europaabgeordnete Tobias Cremer (SPD) empfiehlt für beide Fälle dieselbe Strategie.

„Ich glaube, wir sollten die Amerikaner jetzt mal beim Wort nehmen“, sagte er am Dienstag in einer Runde mit deutschen Journalisten, darunter der Münchner Merkur von Ippen.Media: Er meint die „Sicherheits-Narrative“. Zum einen sei die US-Analyse in dieser Hinsicht durchaus korrekt. „Wir sollten besprechen, wie wir jetzt auch in der NATO wieder mehr militärische Präsenz in der Arktis zeigen – natürlich durch Dänemark, aber auch durch europäische Präsenz“, erklärte Cremer. Grönland ist in einigen Belangen autonom, gehört aber völkerrechtlich zu Dänemark. Zum anderen sei das Signal wichtig, um die Debatte in den USA zu beeinflussen.

Sollte es Trump also letztlich um eine „Annexion der Annexion willen“ gehen, wäre das dennoch der richtige Weg, meint er. So könne man auch ein vorgeschobenes Argument der Trump-Regierung entkräften. Und die mäßigenden Stimmen in den USA solle man nicht „aufgeben“, mahnt Cremer. „Teile der US-Administration sind drauf und dran, das zu erreichen, was Stalin, Chruschtschow und Putin in 80 Jahren nicht erreicht haben: Den ‚Pax Americana‘ und die regelbasierte Ordnung infrage zu stellen“, warnte der SPD-Politiker. Es handle sich momentan aber eben nur um einen Teil der Regierung. Europa müsse die Gegenstimmen stärken – und das Thema in den USA größer machen. Aktuell sei vor allem Europa in Aufregung, Fox News schweige weitgehend.

Søvndal erinnerte an den seit den 1950er-Jahren bestehenden Sicherheitsvertrag zwischen den USA und Dänemark. Den sei Kopenhagen eingegangen, gerade weil die Verteidigung der Insel für das recht kleine Land schwierig sei. Damals hätten die USA aber 10.000 Soldaten auf Grönland gehabt. Heute seien es 140. „Wenn Trump sagt, wir sollen unsere Aufgabe übernehmen, dann sollte er mal in den Spiegel schauen“, sagt der frühere dänische Außenminister. Auf Grönland sei die Stimmung sehr angespannt – wie auch Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann unserer Redaktion nach einem Besuch auf der Insel bestätigte. Dennoch: Søvndal beschreibt drei vergleichsweise moderate Szenarien für die Zukunft.

Trump greift nach Grönland: „Die wollen nicht gekauft werden“ – Lösung in Europa?

Zunächst einmal habe Trump Grönland und Dänemark wieder „näher zusammengebracht“, betonte Søvndal: „Die eine Möglichkeit ist, dass das jetzige Verhältnis zwischen Dänemark und Grönland bleibt, wie es ist.“ Eine andere sei theoretisch, dass Trump „so viel Geld anbietet, dass die Grönländer überlegen, ‚Ja‘ zu sagen“. Daran glaube er aber nicht. „Das ist ein stolzes Volk, die wollen nicht gekauft werden“, urteilte Søvndal. Bei der Grönland-Wahl im April war ein Kurs pro USA offenbar keine Hilfe im Wahlkampf. Zugleich kenne man auf Grönland das Leben der Einwohner von Alaska – und wolle lieber das europäische Wohlfahrtsstaatmodell behalten. Tatsächlich zeigen auch US-Territorien wie Puerto Rico die Gefahren eines Beitritts zu den Vereinigten Staaten.

Auf längere Sicht bleibe eine dritte Variante. „Wie bekommt ein Land von 56.000 Einwohnern mehr Sicherheit? Die Antwort ist meiner Meinung nach die EU“, sagte Søvndal. Eine große Rolle könnten dabei Beitrittsbestrebungen Islands spielen, das Land plant ein Beitrittsreferendum. Cremer verwies darauf, dass Umfragen zufolge selbst eine beträchtliche Zahl der Kanadier Interesse am Gedanken eines Beitritts hat. „Diese Bully-Taktiken, die es ja nicht nur in China und Russland, sondern jetzt auch in den USA gibt, verstärken das Interesse sehr vieler kleiner Länder an der EU.“ Die stehe zuverlässig für die Verteidigung der regelbasierten Ordnung.

David McAllister (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament, sprach sich zugleich für mehr EU-Engagement in weiteren Belangen aus. „Das heißt für Grönland: eine engere Partnerschaft, mehr Investitionen in Infrastruktur, in Forschung, in Sicherheit und nachhaltige Rohstoffgewinnung.“ Die EU habe lange Richtung Osten und Süden geblickt. „Aber wir haben eben auch eine nördliche Nachbarschaft. Was im hohen Norden passiert, berührt uns ganz direkt.“ (Quellen: Tobias Cremer, Villy Søvndal, David McAllister, eigene Recherchen)

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