Iran-Proteste werden auch für Putin zum Problem: Russlands nächster Verbündeter könnte umfallen

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Die Proteste im Iran ebben nicht ab. Das Mullah-Regime könnte seine letzten Tage an der Macht erleben. Ein Sieg für das iranische Volk wäre auch eine Niederlage für Putin.

Moskau – Über Jahrzehnte hinweg hat sich Russlands Präsident Wladimir Putin ein weltweites Netzwerk aus Verbündeten als Gegengewicht zur NATO aufgebaut. Mit Verbündeten in Syrien, Venezuela und dem Iran hatte der Kreml-Chef wirtschaftliche und militärstrategische Partnerschaften aufgebaut, um den Einfluss Russlands in der Welt zu stärken. Doch die von Putin geschmiedeten Seilschaften zerfallen immer weiter. Durch die andauernden Proteste im Iran könnte jetzt ein weiterer wichtiger Partner für Russland wegbrechen. Einen großen Anteil daran hat auch Donald Trump.

Russlands Präsident Wladimir Putin und der iranische Präsident Massud Peseschkian.
Russland muss um seine Verbündeten fürchten: Russlands Präsident Wladimir Putin und der iranische Präsident Massud Peseschkian bei einem Treffen im Dezember 2025. © Russian Foreign Ministry's official/imago

Während Putins Russland weiterhin im Ukraine-Krieg feststeckt, kämpft das Mullah-Regime im Iran ums politische Überleben. Die anhaltenden Massenproteste in der Islamischen Republik stellen nicht nur das Regime in Teheran infrage, sondern könnten auch Putins ohnehin geschwächtes Netzwerk internationaler Allianzen weiter destabilisieren und einen schweren Rückschlag für Russlands Einfluss in der Welt darstellen.

Proteste im Iran: Putin muss um nächsten Verbündeten fürchten

Moskau hatte erst vor einem Jahr ein 20-jähriges strategisches Partnerschaftsabkommen mit Teheran unterzeichnet. Gerade im Ukraine-Krieg sind die Regime in Teheran und Moskau noch einmal näher zusammengerückt. So belieferte das iranische Regime Russland mit tödlichen Shahed-Drohnen für den Krieg in der Ukraine und galt als verlässlicher Partner in der anti-westlichen Allianz. Doch nun steht diese Partnerschaft auf dem Prüfstand, da das iranische Regime durch eine beispiellose Protestwelle erschüttert wird.

Nach Angaben der norwegischen Menschenrechtsgruppe Iran Human Rights wurden bei den Protesten bereits mindestens 648 Demonstranten von Einsatzkräften getötet, darunter neun Minderjährige. US-Präsident Donald Trump hat bereits ein militärisches Eingreifen angekündigt, sollten weitere Protestierende getötet werden. Diese Entwicklung versetzt Putin in eine prekäre Lage: Einerseits kann er seinen iranischen Verbündeten nicht effektiv schützen, andererseits droht ihm mit dem Sturz des Regimes in Teheran der Verlust eines wichtigen Partners.

Iran unter Druck: Achse des Widerstands zerfällt – Bevölkerung stellt sich gegen Mullah-Regime

Der Machtverlust des Iran zeigte sich bereits in den vergangenen Monaten deutlich. Vor allem Israel schwächte die vom Iran ins Leben gerufene „Achse des Widerstands“ mit Militäroperationen gegen die Hamas im Gazastreifen und die Hisbollah im Libanon und schreckte auch vor Angriffen auf den Iran nicht zurück. Sogar als Trump einen Angriff mit panzerbrechenden US-Bombern auf die iranischen Atomanlagen anordnete, konnte Russland seinem Verbündeten nicht zur Seite stehen. Jetzt kocht auch die Stimmung in der Bevölkerung über. Immer mehr Menschen gehen gegen das Mullah-Regime auf die Straße – und Putin wird wohl erneut zuschauen müssen.

Putin kann Iran nicht schützen – „Russland würde einfach beiseite treten“

Nikita Smagin, Experte für russisch-iranische Beziehungen beim Carnegie Endowment for International Peace, bestätigt im Gespräch mit Politico Moskaus begrenzte Handlungsoptionen. Journalisten, die dem iranischen Regime nahestehen, berichten, dass Russland in den vergangenen Wochen Spartak-Panzerfahrzeuge und Kampfhubschrauber nach Iran geliefert hat, vermutlich zur Niederschlagung der Proteste. „Aber natürlich haben die Iraner keine Illusionen, dass Russland einfach beiseite treten würde, falls die Situation wirklich kritisch werden sollte, wie es im Fall von Bashar al-Assad geschehen ist“, so Smagin mit Verweis auf den Sturz des syrischen Diktators 2024.

Die Schwäche von Putins Allianzsystem wird durch weitere Rückschläge deutlich. Erst kürzlich musste der Kreml hilflos zusehen, wie die USA Venezuelas Nicolás Maduro aus Caracas entführten und jetzt in New York vor Gericht stellen wollen – einen Führer, der noch im Mai 2025 bei Putins Siegesparade in Moskau teilgenommen hatte. Auch die Beschlagnahme eines unter russischer Flagge fahrenden Öltankers mit Verbindungen zu Venezuela durch die USA konnte Moskau nicht verhindern. Sollte Trump sich dazu entscheiden, militärisch im Iran zu intervenieren, scheint eine russische Gegenreaktion ebenfalls unwahrscheinlich.

Moskaus Allianz zerfällt: Keine Verteidigungsklausel mit Iran

Der ehemalige russische Diplomat Boris Bondarew sieht in diesen Entwicklungen das Ende einer Illusion. „Weder Venezuela noch Iran sind Teil eines russischen Imperiums“, erklärt er bei Politico. Nach der Invasion in der Ukraine „war es wichtig für Russland, zu zeigen, dass es nicht allein ist, aber das ist Propaganda.“

Tatsächlich war die von Moskau inspirierte Allianz schon immer weitgehend fiktiv. Smagin betont, dass das Partnerschaftsabkommen zwischen Iran und Russland bewusst keine gegenseitige Verteidigungsklausel enthält. Im Notfall wäre Putin also nicht über das Abkommen verpflichtet, Teheran zur Hilfe zu eilen. Er beschreibt ihre Beziehung als „stabil“ mit einem Unterton von „ernsthaftem Misstrauen“. „Die beiden Länder sind nicht wirklich Verbündete, sie sind strategische Partner aus der Not heraus, weil beide Seiten wenig andere Optionen haben.“

Proteste im Iran: Wadephul fordert neue Sanktionen – Merz sieht „letzte Tage“ des Regimes

In Deutschland werden derweil Forderungen nach Sanktionen gegen das Mullah-Regime in Teheran laut, um die Demonstrierenden zu unterstützen. Außenminister Wadephul sprach bei einem Besuch in Washington, D.C. von einem „Unrechtsregime“ ohne Legitimität, das gegen die eigene Bevölkerung Mittel einsetze, „die alle Regeln der Menschlichkeit verletzen“. Das berichtet die Tagesschau. Sanktionen müssten deswegen nach Vorstellung des CDU-Politikers auch auf die iranische Führung ausgeweitet werden.

Bundeskanzler Friedrich Merz beklagte bei einem Staatsbesuch in Indien „eine immer höhere Gewaltbereitschaft der Polizei, der sogenannten Revolution in Iran gegen die eigene Bevölkerung“. „Wenn sich ein Regime nur noch mit Gewalt an der Macht halten kann, dann ist es faktisch am Ende“, erklärte Merz weiter. „Ich gehe davon aus, dass wir jetzt hier auch gerade die letzten Tage und Wochen dieses Regimes sehen.“ Um den Prozess zu einer demokratisch legitimierten Regierung zu unterstützen, stehe man auch mit den USA, Frankreich und Großbritannien in Kontakt.

Venezuela und Iran: Putin schweigt zu Verbündeten

Putin selbst hat sich bislang nicht zu den Ereignissen in Venezuela oder Iran geäußert – ein typisches Verhalten, wenn es um schlechte Nachrichten geht. Doch die Demütigungen werden nicht ohne Reaktion bleiben. Bondarew warnt, dass der Kreml trotz seiner Schwäche versuchen wird, Stärke zu demonstrieren, primär in der Ukraine. Als Beispiel nennt er den jüngsten Einsatz einer hypersonischen Oreshnik-Rakete gegen ukrainische Ziele. (Quellen: dpa, Tagesschau, Politico, eigene Recherchen) (fdu)