Turnierpaare beobachten, wie sie übers Parkett schweben, hinterher selbst das Tanzbein schwingen, dazu passende Musik: Das war beim Galaball möglich. Der Abend zeigte aber auch: Es wird schwieriger, Jüngere dafür zu gewinnen.
Germering - Sind Ballabend und gepflegtes Tanzen aus der Mode gekommen? Nicht für die Besucher des 27. Galaballs des TSV Unterpfaffenhofen-Germering, ebenso wenig für die neun teilnehmenden Turnierpaare. Doch der Blick ins Publikum im TSV-Sportzentrum am Wochenende zeigte auch, dass es schwer ist, jüngere Menschen für Standard- und Lateintanz zu gewinnen.
Der Begeisterung von Arne Fritz und seiner Frau Damares tat das aber keinen Abbruch. Man merkte ihnen die Freude an, an diesem Abend mit dabei zu sein, den Ball gemeinsam zu erleben. Fast klang es so, als wolle das Paar Werbung machen für diese Art Tanzvergnügen. „Es ist ein Genuss, es ist kein Muss“, sagte der Ehemann und lächelte dabei seine Partnerin an. Beide verbinden das Tanzen mit vielen schönen Momenten. Sie haben sich dabei kennengelernt, geheiratet.
Nach einer Pause und weil die Kinder nun groß geworden sind, haben sie beim TSV wieder mit dem Tanzen begonnen. Quickstep und Jive empfinden beide als besonders schön. Doch Arne Fritz verfolgte auch das Turnier an sich mit viel Begeisterung: „Es ist interessant, die Mimik der Paare zu beobachten.“ Die Kombination aus Freude und Konzentration fasziniere ihn immer wieder.
Immer wieder Szenenapplaus
„Bei vielen Turnieren tanzen die Teilnehmer vor Punktrichtern und ein paar Angehörigen“, erklärte Michael Saumweber, der die Tanzsportabteilung des TSV Unterpfaffenhofen leitet. In Germering bekamen die Paare immer wieder Szenenapplaus. An der Reaktion von der Tanzfläche merkte man, dass die Teilnehmer dies trotz aller Konzentration auf Rhythmus, Musik und Schrittfläche registrierten. Mitunter reagierten sie mit einem kurzen Lächeln.
„Das motiviert schon“, gestand das Siegerpaar Birgit und Jürgen Bittkus vom 1. TC Heidenheim. Der Beifall erleichtere die Anstrengung – zumal er von einem fachkundigen Publikum komme. Turnierleiterin Ute Matthey hatte etwa die Intensität eines Quickstep mit der eines 400-Meter-Laufes in der Leichtathletik verglichen.
Für das Siegerpaar ist das seit 2006 Alltag: Seitdem tritt es als Turnierpaar auf. Ein Schritt, der nicht von vornherein geplant war. Lange hatten die beiden hobbymäßig getanzt, dann wurde im Verein eine Stelle als Übungsleiter frei. Der Schritt ins Turniergeschehen folgte.
„Jüngere kommen kaum nach“
Was Birgit und Jürgen Bittkus allerdings im Verein auch beobachten: „Jüngere kommen kaum nach.“ Sie finden es schade, dass Paartanzen ein wenig aus der Mode gekommen zu sein scheint. „Dabei ist Tanzen ein Sport für alle Sinne“, betonte Birgit Bittkus. Und ihr Mann ergänzte: „Es ist ein Sport, den man gemeinsam erlebt. Das ist ebenfalls in jedem Alter und in jeder Lebenslage ein Gewinn.“
Deshalb will man beim TSV Unterpfaffenhofen zumindest versuchen, dem Trend entgegenzusteuern. Von den rund 160 Mitgliedern der Tanzsportabteilung ist laut Saumweber die überwiegende Mehrheit älter als 50 Jahre. Am 6. Februar beginnt aber wieder ein Einführungskurs, zu dem sich Paare melden können.
Dass Tanzschulen mit ihren Angeboten durchaus verlockend sein können, weiß der Abteilungsleiter. Das liege auch daran, dass Kurse der Tanzschulen in der Regel auf acht bis zehn Termine beschränkt seien. Beim TSV wolle man hingegen Wert darauf legen, das ganze Jahr üben zu können.
Dies sei gewissermaßen auch eine Basis für den Erhalt des Galaballs. „Die Gäste kommen, weil sie gerne gepflegt und auf einer größeren Fläche tanzen wollen“, so Saumweber. Das wolle man seitens des TSV fortsetzen.