Kochel startet Zukunfts-Offensive: Heimatbühne soll neu glänzen

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In die Jahre gekommen: die 1936 gebaute Kochler Heimatbühne. © arp

Wie es mit der Heimatbühne weitergehen soll, ist eine der drängendsten Fragen in Kochel. Im Raum steht sowohl eine umfassende Sanierung des historischen Gebäudes als auch ein Neubau. Klarheit erhofft man sich von einem Gesamtkonzept zur Ortsentwicklung, bei dessen Erarbeitung die Bürgerbeteiligung großgeschrieben werden soll.

Kochel am See – Die Kochler Heimatbühne ist weit mehr als ein reiner Veranstaltungsort. Das 1936 errichtete und in den folgenden Jahrzehnten mehrfach erweiterte Gebäude erfüllt in der Gemeinde die Rolle eines kleinen Kulturzentrums. Das Angebot reicht von Kinovorführungen über Bürgerversammlungen bis hin zu Vereinsfesten. Derzeit steht die Heimatbühne jedoch nur eingeschränkt zur Verfügung: Im Rahmen einer Sondergenehmigung dürfen dort lediglich Veranstaltungen mit bis zu 200 Personen stattfinden.

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Investition in Brandschutz

Das soll sich heuer im Frühjahr ändern. Die Kommune investiert rund 80 000 Euro in die dringend notwendige Verbesserung des Brandschutzes. Vorgesehen sind unter anderem Arbeiten an der Lüftungsanlage, der Einbau einer Brandschutztür sowie einer neuen Decke im Keller. Die Bauzeit wird nach Einschätzung von Bürgermeister Jens Müller (UWK) ein bis zwei Monate betragen. Anschließend soll der Saal wieder uneingeschränkt nutzbar sein.

Damit ist allerdings die grundlegende Zukunftsfrage nicht beantwortet: Was soll aus dem in die Jahre gekommenen Komplex an der Mittenwalder Straße werden? Eine Lösung für den erheblichen Sanierungsstau muss gefunden werden. Zugleich wird im Ort ein Abriss mit anschließendem Neubau als Option gehandelt. Entschieden ist bislang nichts.

„Alle Optionen sind offen“, betont Müller. Er wünsche sich eine „ehrliche Abwägung“ und sei grundsätzlich für alles offen. Tendenziell, fügt der Rathauschef hinzu, neige er zum Erhalt des Bauwerks – sofern sich die Kosten dafür in einem vertretbaren Rahmen bewegen. Doch egal, wohin die Reise geht, Sanierung oder Neubau: Kochel muss solch ein Großvorhaben erstmal finanziell stemmen können. Ohne Kredit wird es vermutlich nicht gehen. Denn die Gemeinde ist schon jetzt gut damit ausgelastet, ihre Pflichtaufgaben zu erledigen.

Müller betrachtet die Heimatbühne nicht isoliert, sondern als integralen Bestandteil des Kurparks. Die Entwicklung des Areals, vom Bauamt als „Rohdiamant“ bezeichnet, ist für den Bürgermeister ein Herzensprojekt. Das Gelände sei nicht nur erhaltenswert, findet er, sondern biete auch großes Potenzial. So hat er unter anderem eine Freiluftbühne, zusätzliche Sitzgelegenheiten und einen Badesteg im Sinn – Maßnahmen, die aus seiner Sicht sowohl für Einheimische als auch für Gäste einen Mehrwert mit sich bringen würden.

Stadtentwicklungskonzept soll entstehen

Eine geeignete Plattform für diese Diskussion hat Müller bereits im Blick: Kochel beteiligt sich im Rahmen der Städtebauförderung an einer Planungsinitiative, die vom Freistaat großzügig bezuschusst wird und in diesem Jahr starten soll. In Zusammenarbeit mit externen Fachleuten soll dabei ein sogenanntes integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) entstehen – eine Art Richtschnur für die langfristige Entwicklung der Kommune.

Im Fokus stehen nicht nur Heimatbühne und Kurpark. Müller kann sich auch eine Aufwertung des Ortszentrums – etwa durch breitere Gehwege und neue Verweilzonen – und die Schaffung eines Jugendtreffpunkts vorstellen. Insgesamt erhofft sich der Bürgermeister davon eine „merkbare Verbesserung der Infrastruktur“. Ein Aspekt spielt beim ISEK eine besonders große Rolle: die Beteiligung der Bürger. Vorgesehen sind unter anderem Info-Versammlungen und Online-Portale. Müller verspricht sich davon einen positiven Nebeneffekt: Der Austausch könne helfen, alte Konflikte zu überwinden und ein neues Miteinander zu finden.