Unwissen über Evangelien: Ex-Bürgermeister fordert mehr Bibelunterricht an Schulen

Der italienische Philosoph und ehemalige Bürgermeister von Venedig, Massimo Cacciari, hat sich schwer besorgt über die Wissenslücken vieler Schüler in Italien geäußert und eine Reform des Schulunterrichts vorgeschlagen. "Das kulturelle Niveau ist katastrophal", erklärte er laut "Orizzonte Scuola“.

"Viele Schüler glauben, dass Jesus selbst die Evangelien geschrieben hat", so Cacciari. Er sieht dies als Symptom einer größeren Bildungskrise. 

Ex-Bürgermeister fordert Bibelunterricht:  Diese Texte beeinflussen "unsere Kunst, unser Denken, unsere Zivilisation" 

Um dem entgegenzuwirken, schlägt Cacciari vor, eine Bibelstunde pro Woche in den Lehrplan aufzunehmen. Dabei sollen Experten, wie Historiker und Theologen, den Schülern die historischen und kulturellen Hintergründe der Bibel näherbringen. 

Die Kenntnis der biblischen Tradition sei grundlegend, da diese Texte "unsere Kunst, unser Denken, unsere Philosophie, unsere Kultur und unsere gesamte Zivilisation beeinflussen".

Die Idee stößt auf gemischte Reaktionen. Während einige Bildungsexperten den Vorschlag unterstützen, sehen andere darin eine Vermischung von Religion und Bildung. "Die Bibel ist ein zentraler Bestandteil unserer Kulturgeschichte und sollte als solcher behandelt werden", argumentiert der Historiker Paolo Ricca. Kritiker hingegen warnen vor einer möglichen Instrumentalisierung religiöser Inhalte im Unterricht.

Religionsunterricht an deutschen Schulen 

In Deutschland gibt es aktuell neben dem traditionellen evangelischen und katholischen Religionsunterricht eine wachsende Vielfalt an religiösen Angeboten. In Niedersachsen unterrichten mit Stand von Ende August 2023 75 Schulen das Fach "Islam" als ordentliches Lehrfach.

Hauptformen des Religionsunterrichts:

  • Konfessioneller Religionsunterricht: Der klassische evangelische und katholische Unterricht, an dem Schüler teilnehmen können, wenn ihre Eltern dies wünschen.
  • Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht: Fächer wie "Werte und Normen" (Niedersachsen) oder Religionsunterricht für alle (Hamburg), in denen Schüler verschiedener Konfessionen und Weltanschauungen gemeinsam lernen.
  • Andere Religionsgemeinschaften: Es gibt zunehmend Angebote für Judentum, Islam (oft als Modell), Alevitentum, Orthodoxie und Buddhismus, die sich an die entsprechende Religionsgemeinschaft richten. 

Alternativen zum Religionsunterricht:

  • Ethik/Werte und Normen/Philosophie: Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, besuchen in der Regel Ethikunterricht oder ein ähnliches Fach wie Philosophie.
  • Lebenskunde: Ein alternativer Unterricht, der in einigen Bundesländern wie Brandenburg angeboten wird