- Der vollständige Artikel von Jacqueline Arend, auf den sich die folgende Kommentar-Analyse bezieht, ist hier verfügbar: Der deutsche Strom-Rekord der Erneuerbaren – und warum es trotzdem nicht reicht
Der Bericht über den Rekordanteil erneuerbarer Energien und den parallel geplanten Ausbau von Gaskraftwerken löst eine intensive Debatte aus. Viele Leser kritisieren die hohen Strompreise und stellen die politische Steuerung der Energiewende infrage. Andere warnen vor wachsenden Risiken für die Versorgungssicherheit und verweisen auf Engpässe beim Netzausbau, fehlende Speicher und Fachkräftemangel. Zwischen Befürwortern eines konsequenten Ausbaus erneuerbarer Energien und Kritikern der aktuellen Strategie prallen unterschiedliche Vorstellungen darüber aufeinander, wie verlässlich, bezahlbar und zukunftsfähig Deutschlands Energiesystem sein kann.
Kritik an Energiepolitik und Kosten
Das größte Lager der Kommentatoren kritisiert vor allem die hohen Energiepreise und die als widersprüchlich empfundene Politik. Obwohl der Artikel den Rekordanteil erneuerbarer Energien hervorhebt, sehen viele Leser darin keinen Fortschritt, sondern eine Ursache für steigende Kosten und neue Abhängigkeiten. Immer wieder wird die Wirtschaftlichkeit der Energiewende infrage gestellt, insbesondere vor dem Hintergrund international deutlich niedrigerer Strompreise. Einige Zuschreibungen fallen pauschal aus; faktisch ist das Preisniveau in Deutschland durch Netzentgelte, Abgaben und Systemkosten geprägt, nicht allein durch den Ausbau der Erneuerbaren.
"Wir können die Erneuerbaren ausbauen, so viel wir wollen, es wird trotzdem nicht reichen. Dafür haben wir Zeiten mit großem Überschuss und Zeiten mit heftigem Mangel. Deshalb bleiben nur Gaskraftwerke oder Atom als Backup und das wird teuer, sehr teuer ..." Zum Originalkommentar
"Der Bürger soll seine Gasheizung am besten durch eine Wärmepumpe ersetzen und der Staat will neue Gaskraftwerke bauen. Schon komisch." Zum Originalkommentar
"Wo bleibt mein versprochenes Klimageld?" Zum Originalkommentar
Kritik an Versorgungssicherheit und Netzausbau
Ein großer Teil der Leserschaft zweifelt daran, dass die Stromversorgung bei weiter wachsendem Bedarf dauerhaft gesichert werden kann. Der Bericht verweist auf Engpässe beim Material und Fachkräftemangel – die Leser sehen darin bestätigt, dass der Netzausbau das zentrale Nadelöhr bleibt. Häufig wird bezweifelt, ob Wind- und Solarstrom die Schwankungen im Netz abfangen können. Die Frage vieler dreht sich darum, wie die saisonale Speicherung gelöst werden soll.
"Aus Wind und Sonne haben wir heute tagsüber 25 GW. Wir dürften eben nicht 65 GW verbrauchen. Und schon würde es reichen. Aber im Sommer hatten wir dafür zu viel. Gleicht sich aus." Zum Originalkommentar
"Die Sonne will im Winter trotz der Grünen und Klimawende im Winter nicht scheinen. Batterien brauchen auch Strom und Wärmepumpen, zum Glück gibt es noch Gas am Weltmarkt. Aber wegen der Ukraine darf man auch nicht jedes Gas verwenden. Ojemine." Zum Originalkommentar
"(...) Der Strombedarf wird in den nächsten Jahren weiter steigen (Wärmepumpen, E-Mobilität). Die einzige kontinuierliche erneuerbare Energiequelle sind die Biogasanlagen mit ihren BHKWs (ca. 10% Deckungsrate)." Zum Originalkommentar
Kritik an Klimapolitik und Energiewende
Ein Teil der Leser äußert grundlegende Zweifel an der deutschen Klimapolitik und der Energiewende insgesamt. Manche äußern sich dabei sarkastisch und stellen die aktuelle Forschungslage infrage. Für diese User ist der Rekordanteil erneuerbarer Energien kein Beleg für Erfolg, sondern ein Hinweis auf ein Konzept, das aus ihrer Sicht physikalische und wirtschaftliche Realitäten vernachlässigt. Sie kritisieren die Abschaltung von Kohle- und Kernkraftwerken, fehlende Grundlastfähigkeit sowie hohe Kosten, die aus politischen Motiven heraus in Kauf genommen würden. Viele bezweifeln, dass die Maßnahmen Deutschlands global messbare Auswirkungen haben.
"Wann werden sie Windenergie aus Gründen der öffentlichen Gesundheit verbieten? Und Solarstrom wird den Klimawandel auch nicht aufhalten. Energiewende braucht keine. CO2 macht gar nichts!" Zum Originalkommentar
"(...) Wissenschaft und Technik haben seit Jahren gewarnt, dass ein Energiesystem ohne ausreichende gesicherte Leistung instabil wird. Dennoch wurden Kohle- und Kernkraftwerke abgeschaltet, bevor Ersatzkapazitäten und Netze bereitstanden. Nun müssen teure Gaskraftwerke gebaut werden, weil Speicher fehlen und der Netzausbau stockt. Die Politik ignorierte physikalische Realitäten – die Folgen sehen wir jetzt: Versorgungslücken trotz Rekordstrom aus Erneuerbaren." Zum Originalkommentar
Skepsis gegenüber Gaskraftwerken Einsatz
Mehrere Leser reagieren irritiert auf die im Artikel beschriebenen Pläne für neue Gaskraftwerke. Sie fragen, wie ein geplanter Gasausstieg mit umfangreichen Neubauten zusammenpasst und warum milliardenteure Anlagen gebaut werden sollen, die nur selten laufen. Der Widerspruch zwischen politisch kommuniziertem Gasausstieg und praktisch benötigter Reserveleistung sorgt für Unverständnis. Alternativ werden Kernenergie, neue Speichertechnologien oder ein grundlegender Strategiewechsel ins Gespräch gebracht.
"Ich habe wirklich keine Ahnung, aber wie soll das mit Gasausstieg eigentlich klappen, wenn man neue Gaskraftwerke baut?" Zum Originalkommentar
""Langfristig könnten rund 70 Gigawatt Gaskraftwerksleistung nötig werden – sie sollen aber nur dann ans Netz gehen, wenn es wirklich gebraucht wird". Das bringt den Irrsinn wunderbar auf den Punkt. Wir bauen Kraftwerke für viel Geld, die kaum laufen und teuer subventioniert werden müssen. Unser Strombedarf liegt täglich zwischen 65 GW und 85 GW. Warum vergessen wir nicht den ganzen EE-Mist, lassen die Gaskraftwerke ausgelastet laufen und investieren die eingesparten EE-Milliarden in unsere eigene Gasförderung für die Unabhängigkeit und zusätzlich noch CO2-Abscheidung?" Zum Originalkommentar
Sarkasmus zur Energiewende und Kosten
Ein kleiner Teil der Leser kommentiert die Energiewende sarkastisch oder ironisch – oft als Ausdruck von Frust über steigende Preise, Förderlogik und staatliche Eingriffe. Die Anspielungen richten sich sowohl gegen politische Verantwortliche als auch gegen die wirtschaftlichen Mechanismen des Strommarkts. Die ironischen Beiträge verdeutlichen die wachsende Distanz vieler Menschen zu den energiepolitischen Zielen.
"Juhu, ich freue mich, immer wenn ich meine Stromrechnung zahle." Zum Originalkommentar
"Überflüssige Solarenergie wird im Sommer teuer ans Ausland abgegeben, damit wir noch teurer bei Dunkelflaute wieder zurückkaufen ..." Zum Originalkommentar
"Planwirtschaft funktioniert nicht." Zum Originalkommentar
Unterstützung für Ausbau erneuerbarer Energien
Wenige, aber klar positionierte Stimmen begrüßen die Fortschritte beim Anteil erneuerbarer Energien. Sie betrachten die Entwicklung als wichtigen Schritt für die künftige Energieversorgung und betonen technologische Chancen. Herausforderungen beim Netzausbau oder in der Effizienz werden anerkannt, aber nicht als Argument gegen den Kurs verstanden. Die Einordnung deckt sich mit der wissenschaftlichen Einschätzung, dass erneuerbare Energien langfristig zentral für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Kostenstabilität sind – allerdings nur mit begleitendem Netzausbau.
"Alles auf gutem Weg. Energie aus Wind und Sonne weiter ausbauen und es ist richtig, auch da auf Effizienz zu achten. Sehr, sehr ausbaufähig, zukunftsfähig und zudem grundlasttragend wäre der massive Einstieg in die Nutzung der Erdwärme, auch wenn man erst mal tief hinunter muss. Aber unerfreulich bleibt, dass der teuerste Stromeinspeiser seinen teuren Preis für alle setzt. Das sollte man ändern." Zum Originalkommentar
"Söder hat vor kurzem noch in einem Interview gesagt, dass SMR sehr wichtig sind und vor allem auch günstiger. Sie werden überall geplant, siehe Amazon und Jeff Bezos oder Rolls-Royce in England. Das muss jetzt angegangen werden." Zum Originalkommentar
"Das ist ja alles auch soweit bekannt. Interessanter wäre es doch, einen Schritt weiterzudenken. Wie sieht die Stromerzeugung in 20 oder 30 Jahren aus? Wind und PV wird realistischerweise nur eine Übergangstechnologie sein. Deshalb sollte man bereits jetzt darüber nachdenken, welche Infrastruktur im Fusionszeitalter weitergenutzt werden kann." Zum Originalkommentar
Sonstiges
Diese Kommentare streifen verschiedene Aspekte – von spekulativen Szenarien bis zu humorvollen Bemerkungen. Sie spiegeln die breite Unsicherheit vieler Menschen wider, auch wenn einige Aussagen sich eher im Bereich der Überzeichnung oder Fehldeutung bewegen.
"Friedrich Merz und Herr Söder wollen doch zeitnah ein Fusionskraftwerk in Deutschland bauen. Ich habe das so verstanden, dass das etwa in 2 Jahren fertig ist. Wozu brauchen wir dann noch Gaskraftwerke, wenn bald auch in Deutschland die Sonne ewig scheint." Zum Originalkommentar
Ist Deutschlands Weg der richtige, um Klimaziele zu erreichen und zugleich bezahlbaren Strom zu sichern? Diskutieren Sie mit: Wie sollte die Energiewende Ihrer Meinung nach fortgeführt werden – und welche Weichen könnten die Politik jetzt richtig stellen?