Privates Silvesterfeuerwerk: Stadt in Oberbayern weitet Verbotszone deutlich aus

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Pyrotechnik ist nicht jedermanns Sache. 2018 verfolgten viele Wolfratshauser das Silvesterfeuerwerk an der alten Floßlände. Ab diesem Montag (29. Dezember) dürfen Raketen und Böller offiziell verkauft werden. © Hans Lippert/Archiv

Die Stadt Wolfratshausen hat die Verbotszone für private Silvesterfeuerwerke ausgeweitet. Bei Verstößen drohen empfindliche Geldbußen von bis zu 5000 Euro.

Wolfratshausen – Die staade Zeit vergeht auch heuer wie im Flug. Und kurz nach den besinnlichen Weihnachtstagen kommt‘s traditionell zum großen Krach: In der Silvesternacht steigen jaulende Raketen in die Luft, parallel werden Böller gezündet. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage befürworten 60 Prozent der Bundesbürger ein Verbot von privatem Silvesterfeuerwerk. Nur 16 Prozent der Befragten wollen heuer Geld für Pyrotechnik ausgeben, im Durchschnitt 50 Euro. Ein absolutes Verbot ist in den drei Städten im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen noch kein Thema, allerdings dürfen nicht überall Knallkörper zum Einsatz kommen.

Die Stadt Geretsried verfährt gemäß der Vorgaben des Sprengstoffgesetzes. „In unmittelbarer Nähe von Kirchen oder etwa Altersheimen ist das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände verboten“, so Thomas Loibl, Pressesprecher der Stadt, auf Anfrage unserer Zeitung. „Weitere räumliche Beschränkungen“ beim Abbrennen von Silvesterfeuerwerk gibt es nach seinen Worten in der größten Stadt im Landkreis nicht.

Hohe Brandgefahr in historischer Altstadt: In Wolfratshausen gilt Allgemeinverfügung

Das sieht in Wolfratshausen etwas anders aus. In der Flößerstadt gilt seit vielen Jahren eine Allgemeinverfügung. Auf die weist Bürgermeister Klaus Heilinglechner auch heuer mit Nachdruck hin. Aufgrund der hohen Brandgefahr in der historischen Altstadt ist das Abfeuern von Silvesterraketen und das Zünden von Böllern im Bereich des Ober- und Untermarkts sowohl am Silvester- als auch am Neujahrstag strikt untersagt.

Dieses Verbot erstreckt sich auf das angrenzende Humplgassl, Seilergassl, Moraschgassl, Dr.-Happ-Gassl und das Ochsenbräugassl sowie auf die Berggasse und das Loisachufer. „Ferner gilt das Verbot für den über der Altstadt gelegenen Eichheimweg sowie heuer erstmals für die Andreasbrücke sowie die Johannisbrücke“, so der Rathauschef im Gespräch mit unserer Zeitung. Wer meint, dass er sich über die Verfügung der Kommune hinwegsetzen kann, sei gewarnt: „Verstöße gegen das angeordnete Verbot können mit einer Geldbuße bis zu 5000 Euro geahndet werden.“

LBV fordert mit Blick auf Silvester ein Umdenken

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Ein Umdenken an Silvester fordert unter anderem der Landesbund für Vogelschutz (LBV). Zischende Raketen, grellbunte Lichtblitze und donnernde Kracher stressen laut LBV Vögel, Wild- und Haustiere. Ganz zu schweigen von der hohen Feinstaubbelastung und den enormen Abfallmengen, die den Mitarbeitern der städtischen Bauhöfe im buchstäblichen Sinne einen großen Berg Arbeit bescheren.

Der LBV will jedoch kein Spielverderber sein und schlägt vor, dass Kommunen zentrale Feuerwerke veranstalten. So blieben die „Störungen“ zumindest auf einen Ort beschränkt. Für dieses Modell hat sich schon vor Jahren die Stadt Bad Tölz entschieden, auch heuer sind die Bürgerinnen und Bürger eingeladen, ein professionelles Feuerwerk an der Isarbrücke mitzuverfolgen. „Ein zentrales Feuerwerk“, beispielweise in Form einer Lasershow, „ist aktuell nicht vorgesehen“, sagt zu dem Thema der Sprecher der Stadt Geretsried.

2026 vielleicht eine zentrale Lasershow in der Loisachstadt

Wolfratshausens Bürgermeister ist persönlich „kein großer Freund“ von privaten Feuerwerken. „Vielleicht eine einzige Rakete“ habe er in seinem Leben abgefeuert, so der 58-Jährige. Als ehemaliger Landwirt wisse er zum einen, wie „belastend“ die Böllerei für Tiere sei. Zudem blieben die Reste von Raketen auf Feldern liegen und müssten „mühsam wieder eingesammelt“ werden, um zu verhindern, dass sie letztlich „im Tierfutter landen“.

Vor 50 Jahren: Schloss Eurasburg wird in Silvesternacht Raub der Flammen

Darüber hinaus ist Heilinglechner seit 35 Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Einsätze in der Silvesternacht „sind kein Spaß“, weiß er. Die Rettung von Menschen und deren Hab und Gut werde mitunter durchs Wetter zusätzlich erschwert. Der Rathauschef erinnert an den Brand des Eurasburger Schlosses in der Silvesternacht vor 50 Jahren. Der Eurasburger Berg war in jener Nacht spiegelglatt, die Feuerwehren mussten eine gut einen Kilometer lange Löschleitung vom Haidacher Weiher zum Schloss legen. Dort gab es zwar einen großen Brunnen, doch das Wasser war unter einer dicken Eisschicht verborgen.

Ein zentrales Feuerwerk in der Loisachstadt würde Heilinglechner gefallen. Noch besser wäre eine „Lasershow“, die am Silvesterabend gegen 20.30 Uhr zu sehen wäre: „Das käme Familien mit Kindern sicher entgegen.“ Angesichts des leeren Stadtsäckels sei darüber heuer nicht diskutiert worden. Der Bürgermeister ist optimistisch: „Vielleicht machen wir so etwas Silvester 2026.“