Der Verkauf von Feuerwerkskörpern hat begonnen. Polizei und Feuerwehr warnen vor den Gefahren.
Dachau – Die Silvesternacht von 2012 auf 2013 wird Maximilian Reimoser, Kreisbrandmeister im Landkreis Dachau, nie vergessen. Im mexikanischen Restaurant La Bodega an der Roßwachtstraße war, inmitten einer Silvesterparty mit 80 Gästen, einem DJ und mehreren Angestellten, ein Feuer ausgebrochen. Verletzt wurde bei dem Feuer niemand, aber der Schaden war enorm: Große Teile des Gebäudes und der Einrichtung sowie der komplette Dachstuhl wurden zum Raub der Flammen; Inhaber Georgios Borodimos schätzte einen Tag nach dem Unglück, immer noch unter Schock, den Schaden auf „mindestens 150 000 Euro“.
Dachauer Klinikum ist auf alles vorbereitet
Im Helios Amper-Klinikum Dachau bringen die Jahreswechsel „oft ein erhöhtes Einsatzaufkommen mit sich“, teilt Pressesprecherin Tanja Räker mit. Feuerwerksverletzungen oder alkoholbedingte Notfälle kommen vor, doch „darauf sind unsere Teams eingestellt und arbeiten mit klaren Abläufen, um Patientinnen und Patienten auch in dieser Nacht sicher zu versorgen“, so Räker.
An Weihnachten und Silvester gebe es eine Besetzung, wie an Wochenenden und Feiertagen üblich. Notwendige Bereiche wie die Notaufnahme und Intensivstationen seien immer besetzt. „Alle medizinischen Fachbereiche sind so organisiert, dass alle notwendigen Notfälle jederzeit behandelt werden können – entweder durch eine direkte Bereitschaft vor Ort oder durch eine entsprechende Rufbereitschaft. Geplante Operationen finden an diesen Tagen jedoch nicht statt“, so die Helios-Sprecherin.
Werden Patienten oder Angehörige aggressiv gegenüber dem Personal, „unternehmen wir unterschiedliche Maßnahmen“, so die Sprecherin. „Es werden regelmäßige Deeskalationstrainings und Schulungen durchgeführt. Unser Personal ist routiniert im Umgang mit schwierigen Situationen und richtet sich nach Notfallplänen. Dies bedeutet, dass in kritischen Fällen die Polizei hinzugezogen wird. Zudem gibt es systematische Meldewege und Angebote der Nachsorge.“ Grundsätzlich lasse sich feststellen, dass „körperliche Übergriffe auf unser Personal nur sehr selten passieren“.
Vor 13 Jahren brannte das La Bodega nieder
Während unmittelbar nach dem Feuer noch über die Ursache gerätselt wurde und kurzzeitig sogar eine mögliche Brandstiftung im Raum stand, ist heute klar: Ein Feuerwerkskörper hatte sich verirrt. Die Rakete war im Dachstuhl gelandet, hatte – im Holzgebälk – weiter geglimmt und unbemerkt den Großbrand verursacht. Feuer-Fachmann Reimoser sagt: „So ein Unglück kommt selten vor, aber immer wieder.“ Die verirrte Rakete, die vom Dach aus auf ein ganzes Gebäude übergreift, sei sogar einer von zwei „Klassikern“ der Silvesternacht.
Der zweite „Klassiker“, wie Reimoser es nennt, sind die weitaus häufiger vorkommenden Kleinbrände, die zum Jahreswechsel im Landkreis laut Reimoser im Schnitt zehn Einsätze verursachen.
Diese kleineren Feuer entstehen, wenn noch glimmende Feuerwerkskörper in eine Mülltonne verfrachtet oder auf einen Haufen mit anderen Raketenresten gekehrt werden. „Das ist immer wieder dabei, jedes Jahr“, erklärt der Kreisbrandinspektor, weshalb er auch dringend rät: „Halten Sie einen möglichst großen Sicherheitsabstand zu brennbaren Gegenständen, Gebäuden oder Personen!“ Außerdem sollten die Böllernden „auf die Wind- und Flugrichtung achten“, Knallkörper nicht „blindlings aus dem Fenster oder dem Balkon werfen“ und überhaupt ausschließlich im Freien das Feuerwerk entzünden!
Böller nur im Freien zünden!
Polizeioberkommissarin Luisa Schlager von der Inspektion Dachau verweist auf das Sprengstoffgesetz (SprengG) beziehungsweise die Erste Verordnung zum Sprengstoffgesetz (SprengV). Darin ist geregelt, dass „in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen sowie besonders brandempfindlichen Gebäuden und Anlagen“ nicht geböllert werden darf. Zu diesen „brandempfindlichen Gebäuden“ zähle auch das Dachauer Schloss, weshalb die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung den Schlossplatz am Mittwoch ab 18 Uhr für Fußgänger und Fahrzeuge sperren wird.
Polizisten wurden mit Böllern beworfen
Dass die Silvesternacht für die Dachauer Polizisten nicht nur einsatzreich, sondern mitunter auch gefährlich werden kann, zeigen zwei Beispiele aus den vergangenen Jahren. Am 1. Januar 2024 gegen 0.45 Uhr hatte ein unbekannter Täter eine brennende Feuerwerksbatterie unter ein an der Liegnitzer Straße in Dachau parkendes Polizeiauto geschoben. Die Raketen explodierten, der Schaden am Auto war enorm. Zum Glück, so berichtet Polizistin Schlager, seien ihre Kollegen aber gerade im Einsatz und daher nicht im oder an ihrem Dienst-BMW gewesen.
Ein Jahr später bewarfen Unbekannte, aus einem vorbeifahrenden Auto heraus, zwei Polizisten, die gerade am Ernst-Reuter-Platz unterwegs waren, mit Böllern. Dieser Vorfall ging nicht mehr so glimpflich aus: Einer der Beamten wurde dabei verletzt.
Polizistin Schlager hofft, dass derartige Übergriffe in diesem Jahr nicht vorkommen. Und sie betont: Diese Vorfälle seien, Gott sei Dank, selten. In der Regel bleibe es zum Jahreswechsel bei „Körperverletzungen und Sachbeschädigungen“.