Umfrage zu Schwarz-Rot unter Merz: 37 Prozent erwarten vorzeitiges Koalitionsende

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Über ein Drittel der Deutschen glaubt nicht an ein Durchhalten von CDU/CSU und SPD bis 2029. Die Skepsis wächst – ist aber differenziert.

Berlin – Mehr als ein Drittel der Deutschen traut dem Bündnis aus CDU/CSU und SPD keine volle Amtszeit unter Kanzler Friedrich Merz zu. Laut einer neuen YouGov-Umfrage wächst die Skepsis an der Stabilität der schwarz-roten Koalition – besonders im Osten und bei männlichen Befragten.

Klingbeil und Merz
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) betonen öffentlich die Geschlossenheit von Schwarz-Rot. In der Bevölkerung wächst jedoch die Skepsis, ob das Bündnis bis 2029 hält. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Grundlage dafür ist eine aktuelle Umfrage des Instituts YouGov, die im Auftrag der Welt am Sonntag durchgeführt wurde. Die Zahlen verdeutlichen, dass sich bereits früh in der Legislaturperiode Zweifel an der Haltbarkeit der Koalition verfestigen. Zwar glaubt noch eine knappe Mehrheit an ein Durchhalten bis 2029, doch die Skepsis nimmt spürbar zu.

Schwarz-Rot unter Merz: 37 Prozent erwarten vorzeitiges Koalitionsende

In der YouGov-Umfrage gaben 37 Prozent der Befragten an, es sei „sehr“ oder „eher unwahrscheinlich“, dass die Koalition die gesamte Legislaturperiode übersteht. Demgegenüber halten 53 Prozent ein Fortbestehen des Regierungsbündnisses bis zum regulären Wahltermin Anfang 2029 für „sehr“ oder „eher wahrscheinlich“. Neun Prozent äußerten sich unentschieden oder machten keine Angabe.

Das Meinungsbild ist damit gespalten, mit einer leichten Mehrheit für die Erwartung politischer Stabilität. Auffällig ist jedoch, konstatiert die dts Nachrichtenagentur, dass der Anteil der Skeptiker im Vergleich zu früheren Befragungen gewachsen ist. In der Öffentlichkeit festigt sich das Bild einer brüchigen Zusammenarbeit.

Große Koalition: Männer und Ostdeutsche besonders skeptisch

Deutliche Unterschiede zeigen sich nach Geschlecht. Unter den männlichen Befragten rechnen 41 Prozent mit einem vorzeitigen Bruch der Koalition. Bei den Frauen liegt dieser Wert mit 34 Prozent spürbar niedriger.

Auch regional ist die Skepsis ungleich verteilt. In Ostdeutschland halten 42 Prozent ein frühes Ende von Schwarz-Rot für wahrscheinlich, während dieser Wert im Westen bei 36 Prozent liegt. Die Zahlen spiegeln eine insgesamt kritischere Haltung gegenüber der Bundesregierung in den ostdeutschen Bundesländern wider.

Umfrage zur Koalition von Union und SPD: Parteipräferenz prägt Erwartungen deutlich

Besonders hoch, zitiert die dts Nachrichtenagentur aus der Umfrage, ist die Skepsis bei Anhängern der Opposition. So rechnen 67 Prozent derjenigen, die bei der jüngsten Bundestagswahl AfD gewählt haben, mit einem Bruch der Koalition. Bei den Wählern der Linken sind es 50 Prozent, während unter den Grünen-Anhängern lediglich 28 Prozent ein vorzeitiges Ende erwarten.

Deutlich stabiler ist das Vertrauen im eigenen Lager der Koalitionsparteien. Sowohl bei den Wählern von CDU/CSU als auch bei denen der SPD halten jeweils nur 22 Prozent ein Scheitern der Koalition vor dem regulären Wahltermin für wahrscheinlich. Dennoch hat auch hier die Zuversicht seit dem Regierungsstart messbar abgenommen.

Erwartungshaltung gegenüber Schwarz-Rot: Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen am kritischsten

Ein besonders skeptisches Bild zeigt sich bei den 40- bis 49-Jährigen. In dieser Altersgruppe halten 47 Prozent ein Auseinanderfallen der Koalition für wahrscheinlich. Nur 43 Prozent erwarten, dass Schwarz-Rot bis 2029 durchhält.

Am geringsten ist die Skepsis bei den 60- bis 69-Jährigen ausgeprägt. Hier rechnen 33 Prozent mit einem vorzeitigen Ende des Regierungsbündnisses. Für Politikwissenschaftler spiegeln solche Unterschiede auch Erwartungen an das Reformtempo und die Konfliktfähigkeit der Regierung wider.

Schwarz-Rot unter Druck: Kritik aus der Politikwissenschaft

Zusätzliche Zweifel an der Stabilität der Koalition nährt auch Kritik aus der Politikwissenschaft. Im ZDF-Morgenmagazin zog etwa der Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke jüngst eine ernüchternde Zwischenbilanz der bisherigen Amtszeit von Kanzler Friedrich Merz. Er sprach von einem „sehr besorgten Blick“ auf die Arbeit der Bundesregierung.

Die schwarz-rote Koalition habe es bislang nicht geschafft, eine „Stimmung des Aufbruchs“ zu erzeugen oder den wirtschaftlichen und geopolitischen Umschwung einzuleiten, sagte von Lucke gemäß ZDFheute. Mit Blick auf das Jahr 2026 warnte der Experte vor zunehmenden Belastungen für die Koalition, unter anderem durch mehrere Landtagswahlen – auch in ostdeutschen Bundesländern. Notwendige Reformen, etwa bei der Rente, würden dadurch politisch erschwert. Das könne das Unbehagen gegenüber Schwarz-Rot weiter verstärken.

Nach Einschätzung mancher Experten betont die schwarz-rote Führungsspitze ferner die Stabilität der Koalition derzeit auffällig stark. Kanzler Merz, Vizekanzler Lars Klingbeil, Arbeitsministerin Bärbel Bas und CSU-Chef Markus Söder stellten nach jüngsten Koalitionsausschüssen demonstrativ das Gemeinsame in den Vordergrund. Dass die Regierung ihre Geschlossenheit so ausdrücklich betonen müsse, sei jedoch selbst ein Hinweis auf bestehende Spannungen, schreibt die ARD-Korrespondentin Corinna Emundts laut tagesschau.de.

Skepsis wächst seit Amtsantritt von Merz

Im Vergleich zu einer entsprechenden YouGov-Umfrage vom Mai 2025 hat die Skepsis deutlich zugenommen. Damals rechneten 33 Prozent der Befragten mit einem vorzeitigen Ende der Koalition. Das sind vier Prozentpunkte weniger als zum jetzigen Zeitpunkt.

Zu Beginn der Amtszeit von Merz waren insbesondere die Wähler von CDU und CSU optimistischer. Nur 15 Prozent von ihnen erwarteten damals einen Koalitionsbruch. Öffentliche Auseinandersetzungen, etwa über Renten- und Wirtschaftspolitik, haben diese Stimmung inzwischen sichtbar verändert.

Große Koalition vor zentralen Reformen und mit schwindendem Vertrauen

Die Ergebnisse der von der Welt am Sonntag beauftragten Umfrage beruhen auf Online-Interviews mit 1.010 Befragten des YouGov-Panels (zwischen dem 17. und 19. Dezember). Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region, Wohnumfeld, Wahlverhalten und politischem Interesse quotiert und anschließend gewichtet. Nach Angaben von YouGov sind die Daten repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren und geben einen belastbaren Stimmungsindikator zum Jahresende 2025 wieder.

Die wachsende Skepsis fällt in eine Phase, in der sich die Bundesregierung auf zentrale Reformen bei Rente und Wirtschaft zubewegt – Themen, die besonders konfliktträchtig sind. Ob die schwarz-rote Koalition trotz aller Belastungen innenpolitisch Stabilität ausstrahlen kann, dürfte eines der prägenden Themen des politischen Jahres 2026 werden. (Quellen: dts Nachrichtenagentur, Welt am Sonntag, welt.de, zdfheute.de, tagesschau.de) (chnnn)

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