Die schwarz-rote Koalition verliert an Rückhalt. Viele zweifeln an der Stabilität der Regierung. Das Wahljahr 2026 gilt als Belastungsprobe.
Berlin – Das Vertrauen der Bevölkerung in die schwarz-rote Koalition aus Union und SPD nimmt deutlich ab. Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur zweifeln 49 Prozent der Deutschen daran, dass die Bundesregierung bis zur nächsten regulären Bundestagswahl 2029 durchhält. Das Wahl-Jahr 2026 wird ein Härtetest für die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
17 Prozent der Befragten erwarten bereits 2026 ein vorzeitiges Ende des Regierungsbündnisses, wie aus der am 22. Dezember veröffentlichten Umfrage hervorgeht. Im Jahr 2026 sind in vier Bundesländern Landtagswahlen geplant und in Berlin wird das Abgeordnetenhaus neu gewählt. Dazu stehen in mehreren Bundesländern Kommunalwahlen an. Die anstehenden Wahlkämpfe könnten eine Belastungsprobe für die schwarz-rote Koalition sein: Besonders der SPD droht der Verlust von Ministerposten, bei zwei Ost-Wahlen hat die AfD erstmals gute Chancen auf die Ministerpräsidentschaft.
Sinkende Umfragewerte für Union und SPD: Nur ein Drittel rechnet in Umfrage mit Erhalt der Bundesregierung
Auch wenn die Bundesregierung den Dauerwahlkampf 2026 überlebt: Weitere 32 Prozent gehen davon aus, dass Union und SPD zwar noch einige Jahre gemeinsam regieren, die Wahlperiode jedoch nicht vollständig überstehen. Nur rund ein Drittel (34 Prozent) rechnet mit einem Fortbestand der Koalition bis zum regulären Wahltermin.
Die Zweifel an der Stabilität der schwarz-roten Koalition werden durch die Entwicklung der aktuellen Umfragewerte verstärkt. Bei der Bundestagswahl am 23. Februar hatten Union und SPD zusammen nur eine knappe Mehrheit von zwölf Mandaten erzielt. Die Union erreichte 28,5 Prozent, die SPD kam auf 16,4 Prozent.
Seitdem verlieren beide Parteien kontinuierlich an Zustimmung. In aktuellen Wahlumfragen liegt die Union nur noch bei 24 bis 27 Prozent, während die SPD zwischen 13 und 14 Prozent pendelt. Zusammengenommen verfehlen die Koalitionspartner inzwischen in sämtlichen Erhebungen eine rechnerische Mehrheit im Bundestag.
Bundeskanzler Merz rutscht in Umfrage weiter ab – weitere Minister folgen
Auch die einzelnen Politiker in der Bundesregierung können kaum überzeugen, wie die sogenannte Spiegel-Politikertreppe vom 21. Dezember zeigt. In der Umfrage wünschten sich nur noch 35 Prozent, dass Bundeskanzler Friedrich Merz zukünftig eine wichtige politische Rolle einnehme (-11 Prozentpunkte im Vergleich zu Juli). CDU-Fraktionschef Jens Spahn erreichte mit 13 Prozent im Beliebtheitswert ein neues Allzeittief.
Weitere Regierungsmitglieder wie Innenminister Alexander Dobrindt (CSU), Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) verloren vier bis fünf Prozentpunkte im Vergleich zur Juli-Umfrage. Mit 67 Prozent im Beliebtheitswert steht Pistorius dort nach wie vor deutlich vor Merz, ein Trend der sich bereits seit Monaten abzeichnet.
Keine Besserung in Sicht? Mehrheit der Deutschen kritisiert Bundesregierung
Weniger als ein Drittel der befragten Wahlberechtigten in der Spiegel-Umfrage gab an, die Arbeit der Bundesregierung gut oder sehr gut zu finden. Mehr als zwei Drittel zeigten sich kritisch, in Ostdeutschland zeigten sich sogar mehr als drei Viertel der Befragten unzufrieden. Auch die Anhänger der Regierungsparteien sind nicht durchgängig überzeugt: Die Union kann immerhin noch 64 Prozent ihrer Wähler überzeugen, die SPD-Anhänger sind nur noch zu 46 Prozent zufrieden.
Das liegt sicherlich auch an den anhaltenden Konflikten, die das Regierungsbündnis immer wieder belasten. Die ersten siebeneinhalb Monate der schwarz-roten Koalition waren geprägt von öffentlichen Auseinandersetzungen und politischen Reibungen, vor allem im Thema Sozialpolitik.
Während viele zum Jahreswechsel auf bessere Gewohnheiten hoffen, traut die Mehrheit Union und SPD keinen Neuanfang zu: Lediglich 9 Prozent der Befragten in der YouGov-Umfrage glauben, dass sich der Ton zwischen Union und SPD im kommenden Jahr verbessern wird. Knapp die Hälfte (49 Prozent) rechnet mit gleichbleibendem Streitniveau, während 21 Prozent sogar eine weitere Zuspitzung der Konflikte erwarten. (Quellen: dpa, Spiegel, eigene Recherche) (lismah)