Zauberer in Lederhose: Florian Otto begeistert mit einer ganz besonderen Magie

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Brennende Leidenschaft fürs Zaubern: Florian Otto aus Ebersberg. © DOMINIK MUELLER

Florian Otto aus Ebersberg tritt als Zauberer in Tracht auf. Das ist Alleinstellungsmerkmal. Im Februar zaubert der Ebersberger mal wieder in seiner Heimatstadt.

Weihnachtsgeschenke können mitunter Lebensbiografien entscheidend prägen. So wurde vor etwa 25 Jahren der Zauberkasten unter dem Christbaum für Florian Otto Inspiration und zur ersten Etappe auf seinem erfolgreichen Weg zum Zauberkünstler. Der heute 32-jährige Ebersberger hat aber erst einmal den klassischen Weg eingeschlagen: Ausbildung zum Veranstaltungstechniker und danach zum Bankkaufmann. 2011 wurde er von einer Fachjury zum Deutschen Jugendmeister der Zauberkunst gekürt und entwickelte sich mehr und mehr zu dem, was er heute ist: Der Zauberer in Lederhose. Wir sprachen mit ihm.

Herr Otto, wenn man an einen Zauberkünstler denkt, stellt man sich Glitzerfrack und Zylinder vor. Sie treten als Zauberer mit Trachtenjoppe und Lederhose auf. Wie kann man das bewerten: Identität oder strategisch geschickt eingesetztes Alleinstellungsmerkmal?

Beides. Die weiß-blaue Zauberkunst ist das, was mich ausmacht: Eine Zauberei mit bayerischem Kabarett. Da gehört die Tracht dazu. Aber es gibt von mir auch Fotos aus den Anfangsjahren, mit Glitzer und Zylinder. Irgendwann habe ich mich aber entschieden, dass es für mich nicht der klassische Anzug sein soll. Ich identifiziere mich mit der Lederhose und das ist jetzt auch mein Alleinstellungsmerkmal.

Und Sie reden in Ihren Shows ja auch bayerisch.

Ich habe festgestellt, dass der Dialekt in meinen Shows eine wichtige Rolle spielt. Und das nicht ohne Erfolg.

Ihre Show im kommenden Februar im Alten Speicher Ebersberg ist fast ausgebucht.

Das habe ich auch gerade gesehen. Das ist für mich eine schöne Bestätigung.

Gibt es Ihre Shows in bayerischer Mundart auch in Norddeutschland?

Wenn Norddeutsche in Bayern auf Besuch waren und mich gesehen haben, kommt es schon vor, dass sie sagen: „Das ist witzig, das hätten wir auch gerne bei uns.“ Und dann werde ich auch im Norden gebucht. Bisher war ich von Bremen bis Wien unterwegs. Aber die meisten Auftritte habe ich tatsächlich in Bayern und im österreichischen Raum. Da passt die Lederhose immer gut.

Sie haben eine Banklehre gemacht und wurden dann Zauberer. Was ist denn da passiert?

Als Kind habe ich zu Weihnachten einen Zauberkasten geschenkt bekommen. Richtig angefangen hat es dann 2011. Da wurde ich Deutscher Jugendmeister der Zauberkunst und danach wurden die Anfragen immer mehr. Ich musste mehr zaubern und hatte gar keine Zeit mehr, in der Bank zu sitzen. 2018 habe ich meinen Job als Bankkaufmann aufgegeben und mich mit der Zauberei selbstständig gemacht.

Haben Ihre Eltern vielleicht im Nachhinein bereut, Ihnen einen Zauberkasten geschenkt zu haben, als sie hörten, dass sie von der Zauberei leben wollen?

Naja. Es ist schon noch was anderes, wenn jemand sagt: „ich mach mich als Künstler selbstständig“, wie wenn er sagt, „ich mach mich als Schreiner selbstständig“. Da denkt man ja automatisch: Da muss man sich von einem Monat zum nächsten kämpfen. Aber im Wort Show-Business steckt ja schon das Wort „Business“. Und mir hilft die Show, mich zu vermarkten. Da kann unter Umständen der Künstler sogar erfolgreicher sein. Bereut haben es meine Eltern nicht, glaube ich. Meine Familie hat mich immer unterstützt und auch gesehen, dass ich erfolgreich bin. Zum 15-jährigen Bühnenjubiläum ist meine Schwester mit dabei, bei einem Zauberklassiker: das Zersägen als „Familienperformance“.

Und Ihre Eltern verübelt Ihnen nicht, wenn Sie Ihre Schwester zersägen?

Die verübelt es mir hoffentlich nicht. Und ich hoffe, dass man sie hernach wieder zusammensetzen kann. (lacht)

2019 waren Sie der Gewinner im Duell der Magier in München. Uns interessiert natürlich, wie man dabei seine Kontrahenten aussticht.

In erster Linie mit Kreativität, wenn man eben nicht genau die Klischees erfüllt, die sich die Zuschauer so vorstellen: mit einem Packerl Spielkarten, Zylinder und Zauberstab. Wenn ich mit der Lederhose auftrete, dann meinen immer alle, ah, jetzt kommt der Musiker. Und dann erkläre ich, dass ich das bayerische Schmankerl unter den Zauberern bin. Und damit ist ja schon eine Einzigartigkeit gegeben. Vier Zauberer mit Zylinder und Kartentrick und einer in der Lederhose.

Lederhose statt Zylinder. Das kann aber doch nicht alles gewesen sein.

Nein, natürlich nicht. Ich habe eine Quick-Change-Nummer vorgeführt und mich in eineinhalb Sekunden vom Anzug in Tracht und Lederhose gewandelt. Meine Bühnenpartnerin hat in zwei Minuten acht verschiedene Abendkleider gewechselt. Das war bisher der spektakulärste Trick und eine krasse Herausforderung, mit der Musik und der Choreographie, mit den Massen an Requisiten und der Vorbereitung. Echt enorm.

Den Trick wollen Sie uns nicht zufällig verraten?

(Lacht) Ja, den Trick wüssten gerne mehr Leute. Auf diese Frage antworte ich immer: „Ich weiß doch selber nicht, wie es funktioniert.“

Und bald darauf kam Corona. Ein ungünstiger Zeitpunkt, um sich als Künstler selbstständig zu machen.

Ich hab‘ noch ein Magic-Dinner gemacht, da war klar, das war die letzte Show für lange Zeit. Wirklich ein blöder Zeitpunkt und eine nie dagewesene Herausforderung. Man weiß nicht, wie es weitergeht. Dann habe ich gesehen, dass andere was online machen und danach haben wir uns gegenseitig unterstützt und beraten. Welche Technik braucht man, wie baut man online das Programm auf, wie ist die Interaktion über den Bildschirm? Es wurde daraus eine virtuelle Show in Las Vegas, erst in der Familie und mit Freunden, dann wurde es immer mehr. Irgendwann wurde ich zu virtuellen Firmen-Weihnachtsfeiern gebucht. Die Leute haben sich online dazugeschaltet und teilweise weitergefeiert, nachdem mein Programm schon lange zu Ende war. Das war meine Rettung. Im ersten Moment war es negativ, dass man nicht mehr dem Publikum gegenübersteht, gar keine Frage. Es fehlt virtuell ja auch der Applaus am Ende des Kunststücks. Aber es war auch ein Prozess der Weiterentwicklung.

2022 waren Sie real in Las Vegas. Davon gibt es ein Bild mit Ihnen und David Copperfield.

Da durfte ich ihn nach der Vorstellung backstage treffen. Er hat dann für meinen Spezl und mich noch einen Trick vorgeführt. Und wir haben uns kurz über Kollegen aus Deutschland unterhalten. Das war etwas Besonders für mich. Seine emotionalen Geschichten und seine illusionäre Verpackung der Zauberkunst war für mich als Jugendlicher Inspiration und auch ein Grund, warum ich Zauberer geworden bin. Ich wollte wie er das Publikum berühren.

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