Rund 600 Kinder erblicken im Klinikum Ebersberg München Ost jährlich das Licht der Welt – auch an Weihnachten. Allein am vergangenen Adventswochenende begleiteten Ärzte und Hebammen die Geburten von 14 Mädchen und Buben. Ein Besuch am wundersamsten Ort der Klinik – dem Kreißsaal.
Ebersberg – Völlig erschöpft und mit kugelrundem Bauch schleppte sich Maria einst durchs nächtliche Bethlehem, auf der Suche nach einer Herberge. Doch, an welcher Haustüre sie und Josef auch klopften, keiner erbarmte sich, den beiden Reisenden einen Unterschlupf zu gewähren. Und so kam es, dass Maria in einem zugigen, kühlen, mit Stroh ausgelegtem Stall ihren Sohn zur Welt brachte – ihn mit einem Leinentuch wickelte und anschließend in eine Futterkrippe legte.
So erzählt sich seit Jahrhunderten die Weihnachtsgeschichte um die Geburt von Jesus Christus. Eine Geburt, die vor über 2000 Jahren noch mit einfachsten Mitteln und unter widrigsten Umständen stattfand. Eine Geburt, ohne grundlegende Hygieneregeln oder medizinische Hilfe. Heutzutage nicht mehr denkbar – zumindest im Klinikum Ebersberg München Ost.
Kreißsaal als Wohlfühloase und Ort der Wünsche
Hier, ein paar tausend Kilometer weiter nordwestlich der heiligen Geburtsstätte, kümmert sich im zweiten Stock eine ganze Station um die werdenden Mütter und ihre Neugeborenen. Ärztinnen, Hebammen, Stillberaterinnen, Schwestern: „Es ist schon fast wie im Hotel“, sagt Veronika Pokorny, Oberärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe in der Klinik, lächelnd. „Die Frauen sollen sich wohlfühlen.“ Und so fallen an diesem vorweihnachtlichen Nachmittag nur einzelne Lichtblitze durch die abgedunkelte Fensterfront des Kreißsaals, die Heizung pumpt auf Hochtouren, im Gang stehen Teebeutel und Obst, die Wickelkommoden sind mit frischen Windeln und Stramplern bestückt. Es ist eine heimelige Atmosphäre, die Ärzte und Hebammen inmitten dieser rot, lila und gelb schimmernden Wände für ihre Patientinnen schaffen.
„Bei uns stehen die Frauen im Vordergrund“, sagt Pokorny. „Wir sind sehr familiär ausgerichtet und versuchen alle Wünsche zu erfüllen.“ Wünsche, die sich von Mama zu Mama unterscheiden. Während sich die eine etwa in der ruhigen Kreißsaal-Atmosphäre wiegt, bringt die andere ihre eigene Geburts-Playlist mit ins Krankenhaus. Von seichter Entspannungsmusik über harmonische Opernklänge bis hin zum harten Techno: „Wir hatten wirklich schon alles“, erinnert sich die 35-jährige Gynäkologin lachend.
Dabeizusein, wie eine Mama zum ersten Mal ihr Kind sieht, ist etwas ganz Besonders.
Ebenso bedürfnisorientiert verläuft die Geburt selbst. Ob liegend, stehend, kniend, in der Hocke oder in der Wanne: „Wir schauen, was für die Mutter am besten ist“, verspricht Josita Hohenleitner. Die 51-jährige Hebamme unterstützt die kleinen Landkreiskinder bereits seit knapp drei Dekaden auf ihrem Weg in die Welt, wiegt und vermisst ihre zierlichen Körper, kümmert sich um ihre Erstversorgung, ihr Wohlergehen. Und sie sagt: „Es gibt nichts Schöneres.“
„Einzige Station, die gesunde Patienten hat“: Das Wunder der Geburt
Insgesamt neun Hebammen arbeiten auf der Station, begleiten die Frauen bei der Geburt, sind Ansprechpartner, Sorgen-Abnehmer, Bezugsmensch. „Sobald eine Mutter Hilfe braucht, sind wir da“, erklärt Hohenleitner ihre Devise. Und das, auch wenn sich auf ihrer Geburtenstation gleich mehrere Babys gleichzeitig auf die Welt drängen – so wie am vergangenen Adventswochenende. 14 Mädchen und Buben übergibt das Stationsteam innerhalb von drei Tagen in die Arme ihrer überglücklichen Eltern. „Dabeizusein, wie eine Mama zum ersten Mal ihr Kind sieht, ist etwas ganz Besonders“, schwärmt Oberärztin Veronika Pokorny von dem Moment, der ihr schon einmal die Tränen in die Augen schießen lässt. „Wir sind eben die einzige Station, die gesunde Patienten hat.“
Rund 600 Babys werden jährlich im Klinikum Ebersberg München Ost geboren. Nur die wenigsten, knapp 19 Prozent, müssen per Kaiserschnitt geholt werden. Und im Gegensatz zum spartanischen Strohlager von Maria und Josef vor rund 2000 Jahren dürfen die kleinen Landkreisbürger ihre ersten Lebenstage im mollig-warmen Familienzimmer verbringen, in nächster Nähe zu Mama und Papa, rundum umsorgt und medizinisch versorgt. Statt eines leuchtenden Sterns zeugt hier eine bunte Storchentafel, mit Namen und Geburtstagen, im Eingangsbereich von den besonderen Wundern, die sich ein paar Stockwerke weiter oben ereignen. Nicht nur an Weihnachten.