Putin preist Xi als „lieben Freund“ – doch Chinas Dumping-Preise zerstören russische Firmen

Russlands Präsident Wladimir Putin bezeichnete Chinas Staatschef Xi Jinping bei einem Treffen im September als „lieben Freund“. Er lobte die Beziehungen zwischen beiden Ländern als „beispiellos hoch“. Tatsächlich hat sich die wirtschaftliche Zusammenarbeit seit der westlichen Sanktionspolitik gegen Russland intensiviert. Der Handel erreichte 2024 ein Rekordvolumen von 245 Milliarden US-Dollar. China ist mittlerweile Russlands größter Abnehmer von Öl und Gas sowie wichtigster Lieferant von Waren.

Russlands Firmen ärgern sich über China-Produkte

Doch diese Partnerschaft bringt auch Probleme mit sich. Russische Unternehmen beklagen laut dem „Telegraph“ die Dominanz chinesischer Produkte, die zu niedrigen Preisen auf den Markt kommen. Der frühere russische Regierungsbeamte und Putin-Kritiker Wladimir Milow sieht darin eine klare Benachteiligung für Russland: „China nutzt die Situation aus, weil es weiß, dass Russland keine Alternativen hat“, sagte er laut dem Bericht.

Russische Autoindustrie unter Druck

Besonders die Automobilbranche leidet unter der Konkurrenz aus China. Nachdem westliche Hersteller Russland 2022 verlassen hatten, stiegen chinesische Autoexporte bis 2024 um das Siebenfache. Russische Hersteller wie AvtoVAZ, bekannt für die Lada-Modelle, kämpfen mit drastischen Absatzrückgängen. Maxim Sokolow, Chef von AvtoVAZ, warf den chinesischen Herstellern „unvorstellbares Dumping“ vor. Die Produktion musste halbiert werden, und die Firma führte eine Vier-Tage-Woche ein.

Auch der größte russische Lkw-Hersteller Kamaz meldete einen Nachfragerückgang von 60 Prozent und kürzte seine Arbeitszeiten. Um die heimischen Hersteller zu schützen, hat die Regierung Importgebühren für Autos verdoppelt und chinesische Lkw-Marken wie Dongfeng und Foton sogar verboten.

Chinas harte Linie bei Rohstoffen

Die russische Stahl- und Kohleindustrie steht ebenfalls unter Druck. China hatte Anfang 2024 Zölle auf russische Kohle wiedereingeführt, was die Branche nun schwer belastet. Wladimir Milow spricht von der „schlimmsten Krise seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion“. Die Einnahmen der Kohleindustrie könnten allein in diesem Jahr um zwölf Prozent sinken.

Darüber hinaus verweigert China weiterhin den Import von Russlands Winterweizen und Gerste und bezieht diese stattdessen ausgerechnet aus der Ukraine und Kasachstan. Auch beim Öl und Gas nutzt China seine starke Verhandlungsposition: Peking spart Milliarden durch günstige Preise für russische Rohstoffe im Vergleich zu Lieferungen aus dem Nahen Osten.

Wladimir Putin und Xi Jinping
Xi Jinping und Wladimir Putin: Strategische Partner im Ukraine-Konflikt Sergei Bobylev/TASS via ZUMA Press/dpa

Gemeinsame Projekte scheitern

Russland erhofft sich von China nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern auch Investitionen in Technologie und Infrastruktur. Doch laut dem „Telegraph“ sind viele gemeinsame Projekte ins Stocken geraten oder wurden gestrichen. Ein geplantes Langstreckenflugzeug, das ursprünglich gemeinsam entwickelt werden sollte, wird nun ohne Russland gebaut. Auch der Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Moskau und Kasan sowie eine Ölraffinerie in Tianjin liegen auf Eis.

Selbst das groß angekündigte Pipeline-Projekt „Kraft Sibiriens 2“ ist unsicher. Während Russland den Bau bereits verkündet hat, fehlt bislang eine Bestätigung aus Peking. Milow sieht darin ein Zeichen für die wachsenden Spannungen: „Trotz aller Umarmungen auf Gipfeltreffen sind China und Russland weit voneinander entfernt.“

Wie steht es um die russische Wirtschaft?

Zwar habe sich das russische Wirtschaftswachstum laut „CNN“ stark verlangsamt, doch Analysten gehen davon aus, dass diese Schwierigkeiten Putin nicht dazu bewegen werden, den Krieg in der Ukraine zu beenden.

Maria Snegovaya vom Center for Strategic and International Studies erklärte gegenüber „CNN“, dass die wirtschaftliche Lage für Russland zwar nicht ideal sei, aber „handhabbar“. Auch Richard Connolly vom Royal United Services Institute sieht keine unmittelbare Gefahr für den Kreml: Solange Russland Öl zu akzeptablen Preisen verkaufen könne, reiche das Geld aus, um den Krieg fortzusetzen.