Ungeachtet der Abschwächung des Verbrenner-Aus könnte die EU ihre Vorgaben für Dienstwagen und Flotten verschärfen. Werden deutsche Premiumhersteller wie BMW benachteiligt?
Brüssel/München – Die EU macht Ernst beim Verbrenner-Aus – und könnte damit ausgerechnet deutsche Premiumhersteller besonders hart treffen. Während sich die Hoffnung auf eine Lockerung der Vorgaben für BMW und weitere Hersteller erfüllte, zeigen aktuelle Pläne aus Brüssel: Die Abschwächung der Antriebswende wird zwar kommen, allem Anschein nach aber nicht zugunsten der hiesigen Autobauer – abgesehen von Volkswagen.
Vielmehr drohen BMW und Co. schärfere Regeln als der Konkurrenz – durch eine neue Dienstwagen-Regelung, die das Flotten- und Leasinggeschäft grundlegend verändern könnte. CEO Oliver Zipse spricht in einem Interview von einem „absurden“, „bedenklichen“ Vorhaben und warnt vor massiven Nachteilen für das Geschäftsmodell des Münchner Autobauers.
EU und das Verbrenner-Aus: Premiumhersteller zwischen Hoffnung und Realität
Vor einigen Tagen kippte die Europäische Union das für 2035 anvisierte Verbrenner-Aus. Die Argumente der deutschen Autoindustrie, darunter die Sorge um Arbeitsplätze, schienen Gehör zu finden. Doch es gibt Ernüchterung – denn Brüssel bleibt bei einer recht harten Linie: Die deutschen Premiumhersteller, deren Geschäft zu großen Teilen auf Dienstwagen und Leasingflotten basiert, stehen nun vor besonders strengen Vorgaben.
Im Rahmen der neuen CO₂-Regulierung sieht die EU vor, dass ab 2030 schrittweise nur noch Elektrofahrzeuge als gewerbliche Dienst- und Leasingwagen neu zugelassen werden dürfen. Für BMW, Mercedes, Audi und Porsche bedeutet das: Ein Großteil des Absatzes muss künftig emissionsfrei erfolgen. Die Vorgabe trifft sie dementsprechend härter als viele europäische Konkurrenten, deren Fokus mehr auf den Privatsektor gerichtet ist.
BMW droht ein harter Schlag durch neue EU-Dienstwagen-Regelung
Übereinstimmenden Berichten zufolge drängen EU-Verhandler darauf, dass in Deutschland ab 2030 mindestens 54 Prozent aller Firmen- und Leasing-Pkw emissionsfrei unterwegs sein müssen, ab 2035 sogar 100 Prozent. Hybride oder alternative Kraftstoffe könnten eventuell eine Rolle spielen, das ist aber noch nicht final geregelt. BMW-Chef Oliver Zipse schlägt im Handelsblatt Alarm: „In Deutschland, dem mit Abstand größten Markt in Europa, dürften Unternehmen kaum noch Flottenfahrzeuge mit Verbrennungsmotor neu zulassen. Das geht komplett an der Marktrealität und den Bedürfnissen der Kunden vorbei.“
Kritisch sieht der scheidende BMW-Chef Zipse zudem die geplante EU-Regel über die Fahrzeuglänge, die größere Modelle mit Verbrennungsmotor im Hinblick auf Subventionen benachteiligt. „Die Regulierung über die Fahrzeuglänge kommt willkürlich daher. Sie regulieren den Wohnungsmarkt ja auch nicht nach Quadratmeterzahlen“, erläutert Zipse. Ein solches Vorgehen ignoriere die globale Wertschöpfung, die gerade bei E-Autos eine zentrale Rolle spielt.
Verbrenner-Regeln für Flotten und Leasing: Kleine E-Autos im Vorteil
Gewerbliche Neuzulassungen machen in der EU einen erheblichen Anteil an den Automärkten aus. Die EU-Kommission sieht darin einen zentralen Hebel, um die Elektromobilität voranzutreiben. Steuerliche Vorteile für fossil betriebene Firmenwagen sollen perspektivisch begrenzt, die Förderung emissionsarmer Fahrzeuge ausgebaut werden. Die nationalen Steuerregelungen, wie die deutsche 1-Prozent-Regelung, bleiben zwar vorerst unangetastet, doch die Richtung ist klar: Die Flotten müssen elektrifiziert werden.
Von den neuen Anreizen würden vor allem Hersteller profitieren, die günstige und kleine Elektroautos anbieten. Für Fahrzeuge unter 4,20 Meter sind „Super Credits“ geplant, die beim Erreichen der Klimaziele helfen. Volkswagen mit Skoda und Seat sowie ausländische Konzerne wie Renault oder Stellantis (Peugeot, Citroën, Opel, Fiat) wären die Gewinner dieser Regelung. BMW und andere Premiummarken gingen leer aus – ein Nachteil, der die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Flottenmarkt weiter schwächt.
EU will Dienstwagensektor umkrempeln: BMW und Deutschland unter Druck
Der Entwurf auf europäischer Ebene ist noch nicht endgültig. Parlament und Mitgliedstaaten müssen dem Paket zustimmen, Änderungen sind möglich. Doch es zeichnet sich ab, dass der Industriestandort Deutschland unter Druck steht. Während hierzulande ab 2030 eine Elektro-Quote von 54 Prozent und ab 2035 von 100 Prozent für Dienstwagen gelten soll, dürfen andere Länder wie Kroatien, Tschechien, Griechenland oder auch das E-Auto-affine Schweden niedrigere Quoten erfüllen.
BMW-Chef Zipse kritisiert weiter, dass die EU-Kommission die Verantwortung auf die Mitgliedstaaten, Hersteller und Unternehmen abwälzt. „Mit der Einführung der rigiden Elektrifizierungsquoten für einzelne Länder nimmt sich die EU-Kommission selbst aus der Pflicht und wälzt stattdessen die Verantwortung auf die Mitgliedstaaten, die Hersteller und die Unternehmen als Flottenbetreiber ab. Das ist ausgesprochen bedenklich!“ (Quellen: Deutsche Presse-Agentur, Handelsblatt, Börse Online)