Der Spätsommer 2022 hat bei mir Grundlegendes geändert. Plötzlich kündigte mein Versorger den jahrelang gültigen Gasvertrag. Inmitten der drohenden Mangellage sollte ich einen deutlich teureren Tarif abschließen oder in die Grundversorgung desselben Unternehmens rutschen. Ein Anbieterwechsel war quasi unmöglich. Seitdem verbringe ich meine Winter bei einer Raumtemperatur von 15 Grad Celsius.
Gas sparen im Haushalt: Mein radikaler Selbstversuch
In diesen unsicheren Monaten entschied ich mich zunächst, die Heizung gar nicht erst einzuschalten. Mit den Temperaturen draußen fielen auch die in der Wohnung: erst von kuscheligen 18 auf milde 16 bis hin zu 11,8 Grad Ende November.
Homeoffice auf der Couch unter zwei Decken mit einer Wärmflasche an den Füßen machte das noch erträglich, wenn auch grenzwertig. Kaffee, Tee und Glühwein halfen ebenfalls. Die Motivation dazu hatte zwei Gründe:
- Geld: Bei komplett unkalkulierbaren Kosten wollte ich auf Nummer sicher gehen. Lieber ein paar Tage frieren, als horrende Nachzahlungen riskieren.
- Gemeinschaft: Die Versorgungslage erschien kritisch, da zählte jede eingesparte Kilowattstunde. Diejenigen, die es mehr benötigten als ich, sollten durch meinen Verbrauch möglichst wenig Nachteile erfahren.
Heizkosten senken: Der Kompromiss gegen Schimmel und Kälte
Komplett durchziehen ließ sich das selbstverständlich nicht. Freunde wiesen mich auf die Gefahren hin: Schimmel, kaputte Rohre, die eigene Gesundheit. Zumal sich Besucher nicht mehr sonderlich wohlfühlten. Bei 15 Grad fand ich den Kompromiss für mich – noch gut auszuhalten und ohne die Infrastruktur zu riskieren. Wenn ich Gäste erwarte, kann ich auch für einen Abend aufdrehen.
Mit dieser Heizwende wuchs das Bewusstsein für den eigenen Verbrauch. 6000 bis 8000 Kilowattstunden pro Jahr waren vor dem russischen Großangriff auf die Ukraine keine Seltenheit. Inzwischen liege ich bei unter 1500 und zahle trotz steigender Preise einen geringeren Abschlag als noch 2019: Für Gas aktuell 28 Euro im Monat, nachdem ich bei der erstbesten Gelegenheit zu einer Genossenschaft gewechselt bin.
Warmwasser-Verbrauch reduzieren: Tipps für die Gastherme
Über die Monate probierte ich neben dem Heizen noch andere Einsparmöglichkeiten aus. Die Devise: möglichst geringer Verbrauch bei möglichst hohem Komfort.
Zum Beispiel lässt sich an der Gastherme die Vorlauftemperatur für Warmwasser einstellen. Das funktioniert allerdings nur bei dezentraler Versorgung. Bei 46 statt 60 Grad Celsius aufwärts gibt die Dusche noch eine angenehme Wärme. So muss ich nicht mehr am Hahn mischen, sondern drehe einfach das Warmwasser auf.
In den Sommermonaten schalte ich die Therme ab und nur an, wenn ich Warmwasser benötige. Tipp vom Handwerker: Nach mehrtägiger Abwesenheit einmal auf mindestens 60 Grad hochdrehen und den Tank durchlaufen lassen. So droht keine Gefahr durch Legionellen.
Strom statt Gas: Kochen und Backen mit effizienten Elektrogeräten
Ein Mini-Geschirrspüler wärmt das Wasser elektrisch und erspart mir den Abwasch per Hand. Die Heißluftfritteuse mit zwölf Litern Volumen backt nun die Pizza und anderes, sodass der Gasofen kaum noch in Betrieb ist.
Nudeln und Kartoffeln lassen sich auch wunderbar in der Mikrowelle zubereiten. So ist der Herd fast nur noch zum Braten da. Ökostrom aus der Region schlägt Gas von irgendwoher. Denkbar wäre auch ein elektrischer Heizstrahler oder eine elektrische Pfanne. Hier sehe ich allerdings durch den hohen Verbrauch bei geringer Effizienz den Mehrwert nicht gegeben – zumal die alten Stromleitungen dafür im Zweifel nicht ausgelegt sind.
Fazit: Individuelle Lösungen zum Energiesparen finden
Zur Klarstellung: Das beschriebene Muster ist nicht der goldene Weg. Kälte stört mich ohnehin weniger als Hitze; das ist gewiss nicht bei jedem so. Mit Kindern oder Pflegebedürftigen im Haushalt sieht das sicher ganz anders aus. Niemand soll die Komfortzone verlassen müssen. Für mich waren es gute Kompromisslösungen, die vielleicht als Inspiration dienen können.
Haben Sie kreative Lösungen oder besondere Härten im Winter? Teilen Sie gerne Ihre Erfahrungswerte mit uns per E-Mail an mein-bericht@focus.de.