In Trumps Überlegungen taucht Deutschland nicht auf - aus gutem Grund

Die Europäische Union ist – man vergisst das gerne – einer der freiheitlichsten Räume der Welt. Sie ist das beliebteste Urlaubsziel überhaupt, ein Wirtschaftsraum von (noch) enormer Stärke und ein Ort, an dem Lebensqualität, Sicherheit und Stabilität global (noch) zu den Spitzenwerten zählen. Was könnte man aus diesem Europa alles machen?

Doch statt Fortschritt erlebt man eine Union, die sich selbst im Weg steht. Und ausgerechnet Deutschland, einst der Motor Europas, ist heute der größte Blockierer.

Deutschland taucht in den Überlegungen von Trump nicht auf - wieso? 

Donald Trump, der mit der EU ohnehin fremdelt, erkennt diese Schwäche sofort. 

Während der US-Präsident laut überlegt, ob man Länder wie Österreich, Italien, Ungarn oder Polen aus dem Verbund lösen könnte, fällt eines auf: Deutschland taucht nie in diesen Überlegungen auf. 

Komplette Identitätsaufgabe

Warum? Weil Deutschland sich in der EU seit Jahrzehnten wohlfühlt wie in einem Schutzraum, in dem man nationale Identität abgeben kann. Die EU wurde für Deutschland zum Ort, an dem man sich selbst auflöst. 

Die anderen EU-Länder sehen das überhaupt nicht so, aber Deutschland gefällt sich sehr in der kompletten Identitätsaufgabe. 

Im Ausland fällt auf, was in Deutschland schiefläuft

Natürlich ist das Trauma des 3. Reiches ein Grund, einem überbordenden Nationalismus in Deutschland nicht mehr das Wort zu reden, doch wenn ich mit anderen EU-Bürgern spreche, zuletzt mit Unternehmensberatern in Polen, fällt auf, dass es fast alle nervt, wie sich Deutschland in seinem selbst auferlegten Selbsthass suhlt.

Fußball, Autos, Hitler

Doch ein Land, das sich nicht definieren will, wird definiert. Eine starke Story hat so lange Bestand, bis sie von einer mindestens ebenso starken Story abgelöst wird. Fragt man in Asien oder dem mittleren Osten, was Deutschland ausmacht, dann hört man: Fußball, Autos, Hitler. 

Fußball läuft so einigermaßen, die Autoindustrie wurde abgeschafft – damit bleibt als stärkste Erzählung ausgerechnet das dunkelste Kapitel der Geschichte. 

Eine Nation ohne Gegenwartsstory bleibt Gefangene ihrer Vergangenheit. Man muss auch kein Marketing-Experte sein, um zu verstehen, dass Dosenpfand, Mülltrennung, Papierdokumente für alles und penibles Ladenöffnungsverbot am Sonntag, also dass, für das Deutschland heute steht, kaum ausreicht, um die Anti-Story „Hitler“ zu übertönen.

Doch Deutschland hat nicht nur keine Story, Deutschland braucht die EU auch, um sich mit Hebelwirkung den Schaden zuzufügen, den es sich allein nicht so stark zufügen kann. Selbsthass Teil zwei lässt grüßen.

• Klimapolitik und Industrie

Das Verbrenner-Verbot ab 2035, lange von (der deutschen CDU-Politikerin) Ursula von der Leyen vorangetrieben, ist zwar inzwischen aufgeweicht, aber zu spät: Rund 100.000 Jobs sind bereits verschwunden, weil man einer Schlüsselindustrie den Boden unter den Füßen weggezogen hat. 

Für viele Partner wirkt das wie ein Akt der deutschen Selbstzerstörung – ein Land, das seine eigenen Stärken misstrauisch beäugt und am liebsten über gar keine Stärken mehr verfügen würde.

• Energiepolitik

Die Energiewende, politisch und moralisch aufgeladen und technisch schlecht orchestriert, hat Deutschland zu einem der teuersten Industriestandorte der Welt gemacht. 

Das Abschalten der Kernkraftwerke war zwar ursprünglich eine grüne Idee aus dem Jahr 1998, aber der Kernkraft vollständig den Stecker gezogen hat 2011 die angeblich so wirtschaftskompetente CDU – unterstützt von der angeblich ebenso wirtschaftskompetenten FDP in der schwarz-gelben Koalition. 

  • Veit Etzold

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Maschinenbau und Chemie wandern ab – nicht aus Bosheit, sondern aus Vernunft. Damit sind mit Auto, Maschinenbau und Chemie die Schlüsselbranchen Deutschlands entweder geschrumpft, verschwunden oder nach China geflohen. 

Jetzt lamentiert Merz über die abgeschalteten Kernkraftwerke, ohne sie freilich wieder anzuschalten und ohne zuzugeben, dass seine Partei die verfehlte Energiepolitik verzapft hat.

• Migrationspolitik:

Bis heute fehlt ein funktionierender, europäischer Ansatz. Und während Deutschland sich sonst devot mit allen abstimmt und EU-Vorlagen gerne zum eigenen Schaden übererfüllt, ist Angela Merkel 2015 mit der ungeplanten Grenzöffnung einfach vorgeprescht, ohne sich mit irgendjemandem abzusprechen. Die Briten waren so entgeistert, dass sie sich für den EU-Austritt entschieden (was sicher nicht klug war). 

Die Chinesen waren mehr als befremdet, als Merkel sagte, man könne Grenzen nicht schützen. Einem Volk, das die chinesische Mauer gebaut hat, musste diese Aussage wie eine Mischung aus Schwäche und Dummheit vorkommen. 

Deutschland pflegt eine Form des politischen Selbstmisstrauens

Auch hier war die ungeregelte Migration keine Idee von irgendeiner globalen, linken Vereinigung, wie es oft kolportiert wird, sondern eine Idee der angeblich so patriotischen und auf deutscher „Leitkultur“ pochenden CDU.

Was wie ein Sammelsurium politischer Fehlentscheidungen aussieht, folgt in Wahrheit einem Muster: Deutschland pflegt eine Form des politischen Selbstmisstrauens. Es wirkt, als würde das Land sich in seinem Selbstzweifel suhlen – und daraus politische Programme machen, die den eigenen Wohlstand unterminieren. 

Trump kann nicht nachvollziehen, was in Deutschland passiert ist

Deutschland ist entweder maximal devot – oder es will die ganze Welt gleichzeitig angreifen, wobei es dann normalerweise verliert. Winston Churchill sagte über die Deutschen, also uns, so treffend: „You have them either at your feet or at your throat”. Also: Man hat die Deutschen entweder zu Füßen oder an der Kehle.

Genau deshalb muss Trump Deutschland gar nicht „herauslösen“. Trump denkt in Deals: Beide Seiten sollen gewinnen – er selbst natürlich ein bisschen mehr. 

Doch er versteht eines nicht: Warum ein Land freiwillig Gesetze erlässt und Initiativen startet, die seinen Wohlstand massiv beschädigen. Warum man die mächtigste Industrie Europas schwächt, warum man Energie unbezahlbar macht, warum man sich permanent selbst moralisch niedermacht und seinen Selbsthass pflegt.

In dieser Logik wirkt Deutschland nicht wie ein Partner, sondern wie ein Land, das sich selbst klein macht. Und ein Land, das sich selbst klein macht, muss man nicht bekämpfen – es erledigt die Vernichtungsarbeit ganz allein.

Prof. Dr. Veit Etzold ist ein anerkannter Redner, CEO-Coach und Strategieberater mit über 20 Jahren Erfahrung in verschiedenen Branchen. Er lehrt Marketing und Neuromarketing an der Hochschule Aalen. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.