Der Hochwasserschutz an der Leitzach hat den nächsten Meilenstein erreicht. An der Aurach allerdings stockt die Planung für das Rückhaltebecken wegen des Grunderwerbs.
Fischbachau – Wie viel Wasser die Leitzach und Aurach noch hinunterfließt, ehe der erste Spatenstich beim Hochwasserschutz gesetzt ist, darüber rätseln nicht nur die Anwohner. Schon mancher unkte, dass die in den Überschwemmungsgebieten festgelegte Jährlichkeit von 100 in Wahrheit auch der Zeitraum bis zur Fertigstellung ist. Fast eine jährliche Regelmäßigkeit hat derweil auch die Nachfrage von Anwohnern in der Fischbachauer Bürgerversammlung, wie der aktuelle Stand in dem Projekt aussieht. Bürgermeister Stefan Deingruber gab für die Aurach bereitwillig Auskunft, verwies mangels Zuständigkeit bei der Leitzach aber auf das Wasserwirtschaftsamt in Rosenheim. Dieses hat sich nun auf Nachfrage unserer Zeitung ausführlich geäußert.
Aurach
Eine in Aufwand und Kosten verhältnismäßig überschaubare, aber sehr wirkungsvolle Maßnahme hätte die Gemeinde Fischbachau für den Hochwasserschutz an der Aurach geplant: ein Rückhaltebecken am Oberlauf zwischen Moor und Spitzingstraße. Doch das sei bereits wieder vom Tisch, noch ehe überhaupt die Planung gestartet war. Wie Deingruber berichtete, hätte ein Teil der Fläche auf Schlierseer Flur gelegen. Sein Bürgermeisterkollege Franz Schnitzenbaumer habe ihm leider mitgeteilt, dass die auf der Seite der Marktgemeinde betroffenen Grundstückseigentümer dem Bau des Rückhaltebeckens nicht zustimmen würden.
Eine realistische Alternative dazu gebe es für die Aurach nicht, musste Deingruber den Bürgern gestehen. Rein theoretisch wäre ein sogenannter „technischer Vollausbau“ – also ein durchgehender Hochwasserschutz entlang des Flussverlaufs – zwar machbar, allerdings weder für die Gemeinde bezahl-, noch wegen des auch hier aufwendigen Grunderwerbs an einem Stück durchführbar.
Leitzach
Eine Frage, die auch beim Hochwasserschutz an der Leitzach ein sensibles Thema werden dürfte, sind ja auch hier viele private Flächen von möglichen Baumaßnahmen betroffen. Nicht nur deshalb bezeichnet Josef Hamberger, Projektleiter beim Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, die Planung als „extrem komplex“. Auch Hürden wie mehrere Brücken, die Bahnlinie und ein Kraftwerk der Stadtwerke München (SWM) würden das Verfahren „knifflig“ und teilweise „zäh wie Kaugummi“ machen, so Hamberger. Ziel des Wasserwirtschaftsamtes und des Freistaats als Hauptfinanzier sei aber eben eine für das Wohl der Allgemeinheit bestmögliche und dennoch verträgliche Lösung.
Immerhin stünde nun die Genehmigungsplanung kurz vor dem Abschluss. Im Vergleich zu den bereits öffentlich präsentierten Entwürfen hätten sich nur kleinste Details verändert, weshalb das Wasserwirtschaftsamt diese nur noch in kleinem Kreis mit dem Bürgermeister und der Gemeindeverwaltung besprechen werde. Ist dann alles wasserdicht, reiche man die Unterlagen zum Start des Planfeststellungsverfahrens beim Landratsamt ein, erklärt Hamberger. Hier seien drei weitere Schritte zu gehen: das Abwägen von Einwänden, die Kostenteilung mit der Gemeinde – und auch hier der Grunderwerb.
Auch für die Leitzach gilt laut Hamberger, dass – anders als etwa bei einem Radweg – ein Bau mit einer oder mehrerer Lücken nicht machbar sei. Dadurch nämlich könnte sich die Situation nicht nur auf dem betroffenen Grundstück, sondern auch auf anderen Flächen verschlechtern. Ein Ausschlusskriterium beim Hochwasserschutz. Immerhin aber gibt es Maßnahmen, die sich unabhängig vom vollständigen Ausbau umsetzen lassen würden, wie etwa ein Wildfangrechen in der Nähe zur Gemeindegrenze zu Bayrischzell.
Generell einbezogen in die Dimensionierung ist zudem der sogenannte Klimafaktor. Ein Sicherheitsaufschlag von 15 Prozent auf die HQ100-Berechnung, um der zu erwartenden Verschärfung von Hochwasserereignissen durch den Klimawandel Rechnung zu tragen. Aber selbst diese Schutzbauwerke seien so ausgelegt, dass sie bei einer nochmal schlimmeren Überflutung zwar überströmt, nicht aber zerstört würden. „Ziel ist eine zukunftsfähige Lösung“, betont Hamberger.
Wie weit diese noch entfernt ist, kann der Projektleiter nach wie vor nicht abschätzen. Alleine die Planfeststellung sei zeitlich völlig unberechenbar. „Zwischen vier Wochen und vier Jahren ist quasi alles möglich.“