Ein Bargeld-Schild sorgt für Verwirrung auf dem Bonner Weihnachtsmarkt. Erst auf den zweiten Blick wird klar, warum der Händler das Bargeld schützen will.
Bonn – Weihnachtsmärkte sind traditionell Orte für Glühwein, geröstete Mandeln und kleine Geschenke. Doch in Zeiten von Apple Pay und kontaktlosem Bezahlen stehen manche Händler vor ungewöhnlichen Herausforderungen. Ein Verkäufer auf dem Bonner Weihnachtsmarkt sorgte jüngst mit einem Schild für Diskussionen, das viele Besucher zunächst falsch interpretierten.
„Sei schlauer... Rette das Bargeld“ stand auf einem gedruckten 50-Euro-Schein, der in ein Schild gesteckt wurde. Darunter heißt es weiter: „#BaresIst Wahres“, „#CashMachtFesh“ und „#NeinzumDigitalenEuro“. Bei Passanten sorgte das zunächst für Kopfschütteln.
Bargeld-Schild auf Weihnachtsmarkt tritt Diskussion los – Dabei übersehen viele ein Detail
Die Ironie der Situation wurde vielen Besuchern erst beim genaueren Hinsehen klar. Ein User schrieb bei Reddit, wo das Foto seinen Weg in den Subreddit r/kartenzahlung fand: „Ich habe es dann auch erst im zweiten Moment geschnallt.“ Der Grund für die Verwirrung: Der Stand verkauft Portemonnaies und Geldbörsen. „Er will das Bargeld schützen, weil er Geldbeutel verkauft“, resümierte ein Nutzer schließlich. Wenn es kein Bargeld mehr gäbe und die Leute nur noch mit digitalen Zahlungsmitteln bezahlten, würde sein Geschäft leiden.
Manche Kommentatoren zeigten Verständnis für die Geschäftsstrategie, andere schlugen vor, auf Portemonnaies mit mehr Kartenfächern umzusteigen oder schöne Etuis nur für Karten und Ausweise zu verkaufen. Ein anderer User kommentierte daraufhin: „Es wird Zeit, auf Handyhüllen umzustellen.“ Die Diskussion offenbarte unterschiedliche Ansichten über die Zukunft des Bargeldes.
Obwohl auf Weihnachtsmärkten noch überwiegend bar bezahlt wird, bieten laut dem General-Anzeiger Bonn dort immer mehr Stände auch Kartenzahlung an. Ein Weihnachtsmarkt in der Schweiz steigt dagegen komplett auf „Cashless“ um – und verhängt Strafen bei Barbezahlung.
Barzahlung wird immer mehr überholt – Doch noch lieben Deutsche ihr Bargeld
Eine Entwicklung, die sich auch am deutschlandweiten Verhalten beim Zahlen ablesen lässt. Zahlen der Deutschen Bundesbank aus 2023 zeigen: In Deutschland wird noch immer die Hälfte aller Transaktionen mit Bargeld bezahlt – genau 51 Prozent im Jahr 2023. Gemessen am Umsatz liegt allerdings die Debitkarte mit 32 Prozent vor dem Bargeld mit 26 Prozent. Deutschland gehört damit zur europäischen Spitzengruppe bei der Bargeldnutzung, zusammen mit Österreich und Italien, so der MDR.
Zahlen aus 2025 bestätigen dieses Bild nach wie vor: Laut der EHI-Studie 2025 werden zwar 63,5 Prozent des Einzelhandelsumsatzes mit Kartenzahlungen generiert, während der Bargeldanteil auf 33,8 Prozent gesunken ist. Auch Restaurants ohne Option zur Kartenzahlung verlieren Gäste. Gemessen an der Anzahl der Transaktionen bleibt Bargeld aber die beliebteste Zahlart. Eine Allensbach-Studie im Auftrag der Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V. aus 2025 ergab parallel, dass 47 Prozent der Befragten bei ihrem letzten Einkauf mit Karte bezahlt hatten, 41 Prozent bar. Beide Zahlungsmittel liegen also eng beieinander, die Kartenzahlung holt aber immer mehr auf. Auch die Koalition drängt hier immer mehr.
So ist man sich auch in den Kommentaren unter dem Reddit-Post nicht einig. Während ein User berichtete, dass Kartenzahlung auf dem Bonner Weihnachtsmarkt manchmal zwei bis drei Minuten dauern könne, widersprach ein anderer: „Zwei, drei Minuten für eine Kartenzahlung ist Quatsch.“ Tatsächlich bestätigte das auch ein Kommentator, der laut eigener Angaben Verkäufer am Nürnberger Christkindlesmarkt ist, dass Kartenzahlungen bei ihnen meist nur fünf bis zehn Sekunden dauerten, selbst bei Netzüberlastung. Auch ein Schild bei Aldi sorgte zuletzt für Diskussionen ums Bargeld – und eröffnete eine Generationendebatte, bei der es hieß: „Boomer zahlen bar“. (Quellen: Reddit, General-Anzeiger Bonn, EHI-Studie, Allensbach-Studie, Deutsche Bundesbank, MDR) (jh)
Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel oder ähnliche Erfahrungen gemacht? Haben Sie Fehler entdeckt? Schreiben Sie direkt an unsere Autorin – die Kontaktdaten finden Sie im Autorenprofil.