Pfarrbüro Tegernsee: Wegen Pfarrer-Suspendierung fällt der Umzug vorerst aus

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Das stattliche Gebäude am Bahnhof hat die Stadt Tegernsee im Sommer 2022 der AOK abgekauft. © Archiv Tp

Pfarrer Martin Weber hatte bei der Planung des neuen Pfarrzentrums die Regie geführt. Nachdem er vom Amt suspendiert ist, fällt der Umzug des Pfarrbüros in ein Übergangsquartier vorerst aus.

Tegernsee - Schon im September hätte das evangelische Pfarrbüro in Tegernsee an der Hochfeldstraße in das ehemalige AOK-Gebäude am Bahnhof umziehen sollen. Es gehört der Stadt Tegernsee, die Räume dort sind nur als Übergangsdomizil gedacht. Wie berichtet, will die evangelische Kirchengemeinde die alte Immobilie abreißen und durch einen Neubau ersetzen.

Doch wegen der Suspendierung von Pfarrer Martin Weber, bis dahin Leiter der evangelischen Kirchengemeinde im Tegernseer Tal, liegt das ganze Projekt aktuell auf Eis. Der geplante Umzug findet vorerst nicht statt. „Wir warten ab“, berichtet Peter Friedrich Sieben, Vertrauensmann des Kirchenvorstands, vom Ergebnis einer internen Besprechung.

Aktuell hat die Landeskirche Pfarrer Mathias Hartmann mit der pfarramtlichen Geschäftsführung der Kirchengemeinde Tegernseer Tal betraut. Sein Einsatz wurde auf vorerst zwei Monate begrenzt und endet nach jetzigem Stand Ende November. Nach Aussage der Landeskirche wäre eine Verlängerung seines Engagements grundsätzlich denkbar. Man werde unabhängig davon „immer sicherstellen, dass es eine Geschäftsführung gibt“, versichert Christine Büttner als Sprecherin der Landeskirche.

Unterdessen ist ungeklärt, wie lange die Suspendierung Webers andauert und ob der Pfarrer überhaupt wieder in seine Leitungsfunktion am Tegernsee zurückkehrt. Zum Verbund mit rund 2500 Gemeindemitgliedern gehören nach der Fusion neben Tegernsee auch Bad Wiessee, Rottach-Egern, Kreuth und Hauserdörfl. Die Landeskirche hatte Weber von seinen Dienstpflichten entbunden, als sie von einer Strafanzeige wegen des Besitzes jugendpornografischer Inhalte erfuhr. Der 54-Jährige beteuert seine Unschuld und hat Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. Das Verfahren läuft.

Als Leiter der Kirchengemeinde hatte Weber beim Projekt Tegernseer Pfarrgebäude die Regie geführt. Der Altbau an der Hochfeldstraße wurde in den 1950er-Jahren für die Bedürfnisse und mit Materialien der damaligen Zeit gebaut. Eine Sanierung wäre nach Einschätzung von Experten nicht mehr wirtschaftlich. Vorgesehen sind neue Gemeinderäume und Büros.

Doch vorerst, so Sieben, bleibe das Pfarrbüro nun am gewohnten Platz. Es ist zweimal die Woche besetzt. Die ansonsten leer stehende Pfarrerswohnung wird derzeit für Besprechungen und anderes genutzt. Pfarrer Weber wohnt inzwischen in Schliersee.

Das Tegernseer Pfarrzentrum ist nicht das einzige große Projekt der evangelischen Kirchengemeinde, das wegen der ungeklärten Leitungssituation in der Schwebe verharrt. So stockt die Sanierung der evangelischen Friedenskirche in Bad Wiessee, die aufwendiger und damit teurer ist als erwartet. Das Gotteshaus ist derzeit geschlossen. Auf seine Realisierung wartet auch der Plan, in der Emmauskirche in Kreuth eine Kita einzurichten.