Wegen gestiegener Anforderungen an das Sicherheitskonzept kann der Pfarrverband Karlsfeld den beliebten St.-Martins-Umzug dieses Jahr nicht durchführen.
Karlsfeld – Ziemlich genau ein Jahr nach dem Attentat auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt und acht Monate nach dem Auto-Anschlag in München steht das Thema Sicherheit von Großveranstaltungen weiterhin im Fokus der Behörden. Zahlreiche Sicherheitsauflagen müssen Veranstalter seitdem erfüllen. Auf dem Dachauer Christkindlmarkt etwa sorgt der veranstaltende Verein heuer mit massiven Absperrungen für die Sicherheit der Besucher.
Es genügt nicht, dass jemand mit einer Warnweste herumläuft.
Kleinere Veranstalter können diese Anforderungen aber oft nicht mehr erfüllen. Jüngstes Beispiel: der Pfarrverband Karlsfeld. Der organisiert seit einigen Jahren einen beliebten Laternenumzug zu St. Martin, zwischen 500 und 600 Kinder und Erwachsene nehmen regelmäßig teil. In verschiedenen Gruppen ziehen die Kinder durch die Gemeinde und bringen Karlsfeld mit ihren selbstgebastelten Laternen zum Leuchten. Diesen Sonntag wäre es wieder so weit gewesen.
Doch diesen Sonntag bleiben die Lichter aus. Der Pfarrverband hat den Martinsumzug in diesem Jahr abgesagt. „Wir haben nicht die Kapazitäten, das zu organisieren“, erklärt Diakon Josef Enthofer.
Immer weniger Helfer und mehr Sicherheitsanforderungen
Normalerweise beginnt das Organisationsteam nach den Sommerferien mit den Vorbereitungen, doch laut Enthofer hören immer mehr Helfer, die eine tragende Rolle bei den Vorbereitungen spielen, auf. Gleichzeitig müsse der Pfarrverband angesichts gestiegener Auflagen mehr Zeit in das Sicherheitskonzept investieren. „Dinge grundsätzlich neu angehen“, so Enthofer, sei nun erforderlich. „Es genügt nicht, dass jemand mit einer Warnweste herumläuft.“
Bereits in den vergangenen Jahren musste der Pfarrverband mit gestiegenen Auflagen ringen. Zum Beispiel mit der Vorgabe an die Teilnehmer, sich während des Umzugs ausschließlich auf Gehwegen aufhalten zu dürfen. Denn die Bürgersteige auf der geplanten Route, auf der die Kinder mit ihren Laternchen durch den Ort stapfen, bieten nicht immer ausreichend Platz.
Betonpoller in Neuer Mitte versperren Fluchtwege
Ein weiteres Problem stellt die Neue Mitte dar. Gewöhnlich bieten Kindergärten, Grundschulen und der You-Treff, die Jugendgruppe des Pfarrverbands, auf dem Bruno-Danzer-Platz im Anschluss an den Laternenumzug ein buntes Programm an. Im vergangenen Jahr hatte der Kinderchor der Grundschule an der Krenmoosstraße einen großen Auftritt mit 70 Kindern, auch ein St.-Martin-Spiel wurde von Grundschülern einstudiert.
Das Problem: Aus Sicht der Sicherheitsbehörden könnten die Betonklötze, die die Gemeinde vor einigen Monaten „zur Verkehrsberuhigung“ vor den Supermärkten platziert hatte, Fluchtwege versperren, falls das Pferd der als St. Martin verkleideten Janette Piller scheuen sollte. Das Organisationsteam wusste auf diese Problematik auf die Schnelle keine Antwort – und gab auf.
Im nächsten Jahr soll es wieder einen Sternenumzug geben
Für das kommende Jahr, versichert Diakon Enthofer, wolle das Team frühzeitig mit den Planungen für den großen Sternenumzug beginnen, um alle erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen treffen zu können und Karlsfeld am Martinstag wieder zum Leuchten zu bringen.