Die Leonhardifahrt in Kreuth stand heuer unter einem besonders guten Stern. Die Predigt war heiter – wie auch das Wetter.
Kreuth - Die Vorzeichen waren grundsätzlich andere als vergangenes Jahr. Da hatten sich noch vor dem Kirchenzug die Wahlergebnisse aus den USA herumgesprochen, was auf das Gemüt der Wallfahrer und Zuschauer zu drücken schien. Zwar hat sich manche Hoffnung, um die 2024 zu Füßen der Kirche St. Leonhard gebetet wurde, nicht erfüllt. Dennoch nahmen die Gläubigen, Trachtler, Gebirgsschützen, neun Fahnenabordnungen und Zuschauer nach dem Kirchenzug heuer doch in viel gelösterer Stimmung Aufstellung als im Vorjahr.
Im sonnenbeschienenen Garten des Handlhofs formierten sich rechts und links des festlich geschmückten Freialtars neben Blasmusik und Kirchenchor Bürgermeister Josef Bierschneider mit dem Kreuther Gemeinderat sowie die Bürgermeister-Kollegen Christian Köck (Rottach-Egern), Robert Kühn (Bad Wiessee), Klaus Thurnhuber (Warngau), die Landratskandidaten Jens Zangenfeind (FWG, Bürgermeister Hausham), Franz Schnitzenbaumer (CSU, Bürgermeister Schliersee) und Angela Falkenhahn (SPD, Valley).
Sie alle und ganz besonders Abt Johannes Eckert von St. Bonifaz und Kloster Andechs hieß Monsignore Walter Waldschütz willkommen. „Ich weiß gar nicht, was mehr blendet: die Sonne oder das Bild der Trachtler, die zu Ehren des Heiligen Leonhard zusammenstehen“, lächelte er. Und auch Abt Eckert freute sich, Leonhardi in einer so festen Gesellschaft von Gläubigen zu feiern.
Seine Predigt begann der Mönch mit einem Witz. Es ging um einen Jockey, der vor dem Rennstart immer mit seinem Pferd schnapselte – und deshalb nie gewann. Aber immer waren sie das glücklichste und lustigste Team des Rennens. „Was macht uns glücklich?“, fragte Abt Eckert rhetorisch und begann aufzuzählen: „Dabeisein und heute mitfeiern zu können. Der Chor, die Blasmusik, die Tracht.“
Man spüre, dass es die Wallfahrer glücklich mache, an Leonhardi zu fahren, Brauchtum und Kultur zu pflegen und den Glauben zu leben. Das letzte Glück liege ohnehin nicht in unserer Hand, sondern hänge von Gott und dessen Segen ab. „Auch der Heilige Leonhard wusste, dass ihn seine Beziehung zu Gott trägt und glücklich macht“, erklärte der Abt. Er habe andere befreit, die in Ketten lagen, ihnen neue Lebensperspektiven gezeigt und sie so glücklich gemacht.
„Der Ursprung allen Glücklichseins liegt bei Gott. Aber unser Auftrag ist es, das Glück weiterzugeben – und sei es bei einem Stamperl Schnaps vor einem Rennen“, sagte Abt Eckert und lud die sichtbar erheiterte und positiv gestimmte Gemeinde zum Abendmahl.
Durch einen andächtigen Jodler, feierliche Blasmusik und dem von einem Buben vorgetragenen Kreuther Leonhard-Gebet geriet der Festgottesdienst gleichermaßen still und freudig. Bevor man die Kutschen, Truhen- und Kastenwagen vor den acht Zweier-Gespannen und 19 Vierer-Gespannen bestieg, dankte Monsignore Waldschütz, dass alles in Kreuth wieder so schon gerichtet sei. Hier seien Kirchlichkeit und Kommune wahrhaft eng verbunden. Abt Eckert dankte er für seine Erdverbundenheit, Herzlichkeit und Freundlichkeit. „Du hast mich heute glücklich gemacht“, sagte der Monsignore.
Die Gläubigen ließ Waldschütz augenzwinkernd wissen, dass der Abt ein wunderschönes, großes Kloster – und darin auch noch Plätze frei habe. Er wünschte allen ein schönes und glückliches Lehards, stellte sich mit Abt Eckert an das Kirchhofportal. Dort gab es den Segen für die Wallfahrer, die die Kirche betend und bei getragener Musik dreimal ganz gemächlich mit ihren 126 Rössern umrundeten. Dann ging es zum Wirt zum Feiern, wie es zu Leonhardi der Brauch ist.