Leonhardifahrt in Kreuth: Außergewöhnlicher Truhenwagen der Gebirgsschützen mit dabei

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Tegernsee
  4. Kreuth

Kommentare

Hunderte Arbeitsstunden wurden in den Bau des Truhenwagens der Gebirgsschützenkompanie investiert. Adi Raith (l.) und Andreas Schöpfer sind stolz darauf. © Thomas Plettenberg

Die Leonhardifahrt in Kreuth gilt als die älteste in Bayern. Wenn die Tradition am 6. November wieder auflebt, ist auch der ganze Stolz der Gmunder Gebirgsschützen mit dabei: ein alter Truhenwagen.

Gmund/Kreuth – Adi Raith sind der Glaube und die Begeisterung für Brauchtum und Vereinswesen in die Wiege gelegt. Der 86-jährige Warngauer, der schon Trachtenvorstand und Feuerwehrkommandant war, zählt seit 1994 zu den tragenden Säulen der Gebirgsschützenkompanie Gmund – inzwischen als Ehrenfähnrich. Dass seine Familie einen alten Heuwagen aus dem Jahr 1941 besaß, war ein Glücksfall für die Kompanie. Vor 24 Jahren initiierte Raith den Umbau zum Truhenwagen für Leonhardi.

„So einen schönen Wagen hat keiner“, sagt Raith stolz und erinnert voller Dankbarkeit an alle Beteiligten, die sich dafür begeistern konnten. Allen voran Andreas Schöpfer (74). Der ehemalige Gmunder Gemeinderat, Ehrenleutnant in der Kompanie, hat von Anfang an angepackt, stellt seit jeher die Halle fürs Schmücken kurz vor den Ausfahrten zur Verfügung und sorgt für den Transport mit dem Tieflader.

Dass der Truhenwagen ein ganz besonderes Prachtstück darstellt, zeigt ein Blick auf die Details: Vier Abbildungen alter Gmunder Ansichten während der vier Jahreszeiten zieren den Wagen. Die inzwischen verstorbene Marianne Böckl aus Fischbachau, die ihr Leben der Volksmusik und der Malerei gewidmet hatte, hat sie detailgetreu und mit bunten Farben, die immer noch schön leuchten, gemalt. Auf der rechten Seite das Frühjahrsbild, das eine Fronleichnamsprozession durch üppige Blumenwiesen vor Gut Kaltenbrunn zeigt, dem früheren Ensemble, versteht sich. Daneben das Sommerbild, das die Mangfall und die Pfarrkirche, aber auch die Heuernte zum Motiv hat. Dazwischen der Heilige Michael, Urpatron der Gmunder Pfarrkirche.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Herbst: Bauern treiben nach dem Almsommer ihr geschmücktes Vieh durch den Ortskern, vorbei am alten Maximilian. „Das ist ein Stück Ortsgeschichte“, merkt Adi Raith mit Blick auf die Bauten an, die es so großteils heute nicht mehr gibt. Für den Winter hat Hobbymalerin Marianne Böckl den Leonhardiritt in Festenbach verewigt. Wieder äußerst detailgetreu und mit feinsten Pinselstrichen sind Ross und Reiter festgehalten, wie sie in der schon schneebedeckten Wiese die Kapelle umrunden und vom Pfarrer den Segen bekommen. Dazwischen St. Ägidius als Kirchenpatron. Eine Abbildung der Mutter Gottes auf der Rückseite, filigrane Weinlaub-Schnitzereien, vorne das bayerische Wappen mit Krone und Löwen und auch zwei geschnitzte Drachenköpfe, die als Symbol zur Vertreibung böser Geister ihre Tradition haben sowie der Platz für den „Brettlhupfa, den Bremser“, machen den Wagen perfekt. Nicht fehlen dürfen die jedes Jahr frischen Girlanden. Schalkfrauen des Trachtenvereins Neureuther binden sie aus Latschen, Almenrausch und Erika, die Raith und seine Freunde zuvor „rucksackweise“ heranschleppen.

„600 Arbeitsstunden wurden allein für den Bau damals nach Feierabend investiert“, erinnert sich Adi Raith, der zusammen mit den Zimmererleuten der Kompanie – Georg Haslauer, Max Mayr und Andreas Schöpfer – den Wagen aus Lindenholz baute. Der Ostiner Schmiedemeister Josef Schiller sorgte passgenau für das Eisen auf den hölzernen Rädern. „Der Wagen ist gerade so lang, dass zwölf Personen darin Platz haben“, sagt Raith. Bei der Leonhardifahrt in Kreuth, wenn vier prächtige Kaltblüter den Wagen durch den Ort und über den Kirchberg zur Segnung ziehen, sitzen neben Hauptmann Max Gröbl auch Vertreter der Ehrenkompanie Fritzens und der Partnerkompanie Eppan. „Die restlichen Teilnehmer wechseln, das ist Ehrensache“, merkt Adi Raith an.

Zum Einsatz kommt der Wagen vor allem bei der Leonhardifahrt in Kreuth, aber auch in Warngau und Fischhausen. Schalkfrauen der Neureuther dürfen ihn nutzen, „zum Dank fürs Schmücken“. Überhaupt sind Adi Raith und Andreas Schöpfer überaus dankbar für den Zusammenhalt und die gute Harmonie unter allen Beteiligten. „Schließlich sollen schöne Traditionen wie Leonhardi ja weitergehen.“ Dass alle Beteiligten sich nach den Umritten zum „Abbinden“ mit Essen, Trinken und geselligem Beisammensein treffen – auch das ist Teil der Tradition.

gr

Die Leonhardifahrt

Die Leonhardifahrt Kreuth findet am Donnerstag, 6. November, statt und beginnt um 9.15 Uhr mit der Aufstellung der Teilnehmer in der Straße „am Kirchberg“ neben dem Hotel zur Post. Um 9.20 Uhr erfolgt der Abmarsch des Kirchenzugs, ehe um 9.30 Uhr der Festgottesdienst stattfindet – bei gutem Wetter im Freien vor dem Hof gegenüber der Kirche. Die Festpredigt hält Abt Johannes Eckert von der Abtei St. Bonifaz in Andechs. Anschließend fahren die Teilnehmer, erwartet werden rund 30 Gespanne und Reiter, durch den Ort und erhalten an der Kirche bei jeder Umfahrt den Segen. Am Abend findet ab 19 Uhr im Leonhardstoana Hof der Leonharditanz für die Öffentlichkeit statt. Es spielt die Hubertusmusik.