Viel Widerstand gibt es gegen die geplante Techno-Party auf dem Wallberg. Nun hat sich eine weitere Front gebildet: Zahlreiche Naturschutzverbände melden in einem offenen Brief ihren Protest an.
Rottach-Egern – Die Aufregung um das geplante Techno-Festival am Wallberg bekommt eine neue Dimension. Mit einem offenen Brief wendet sich jetzt eine ganze Reihe an Naturschutzverbänden direkt an Landrat Olaf von Löwis (CSU) und fordert ihn dazu auf, „den Ausverkauf unserer Bergwelt durch die Organisation derartiger Events konsequent zu verhindern“. Tatsächlich prüft das Landratsamt Miesbach derzeit intensiv, ob das „Snow Peak Festival“ am 7. Februar, das mittlerweile nurmehr im Innenraum stattfinden soll, genehmigungsfähig ist.
Bei den Naturschutzverbänden stoßen die geplante Techno-Party und auch die anderen „publikumsstarken Events“ der künftigen Pächter des Panoramarestaurants auf geballten Widerstand. Der offene Brief, unterzeichnet vom Kreisgruppenvorsitzenden des Bund Naturschutz (BN), Manfred Burger, wird namentlich vom Deutschen Alpenverein (DAV), dem LBV Miesbach, dem Landesverband Bayern der Natur Freunde Deutschland, Mountain Wilderness, der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT), dem Tierschutzverein Tegernseer Tal, dem Verein zum Schutz der Bergwelt (VzsB) und dem Wildtier-Schutzverein Wildes Bayern unterstützt.
Die Verbände sehen das sensible Gleichgewicht zwischen touristischer Nutzung und dem Respekt vor der Natur als einzigartigem Arten- und Lebensraum in Gefahr. „Die Inanspruchnahme von Flächen für die Freizeitgesellschaft dringt in immer größere Höhenlagen vor und entwertet die Bergwelt in ihrer Funktion als letzten Rückzugsraum für eine hochgradig schutzwürdige Flora und Fauna“, heißt es in dem Brief. Besonders schwerwiegend für die Tierwelt seien Störungen in der kalten Jahreszeit.
Dem Konzept der neuen Pächter Daniela und Christian Pfaller sprechen die Verbände „jeglichen Ansatz zur Vereinbarkeit der geplanten Veranstaltungen mit den Vorgaben des Natur- und Landschaftsschutzes ab“. Die angekündigten Events – neben dem Techno-Festival sind auch ein Perchtentreiben mit Feuershow und eine „rauschende Silvesterparty“ in Planung – veranlassen die Verbände zu deutlicher Kritik. Insbesondere die zu erwartende Licht- und Lärmbelastung sei nicht hinnehmbar. „Daran ändert sich auch nichts, wenn das ursprünglich im Außenbereich geplante Event nach innen verlagert wird. Die für 200 Personen ausgelegten Räumlichkeiten werden aus den Nähten gesprengt, wenn 300 Techno-Fans abfeiern wollen“, schreiben die Naturschützer.
Den Landrat fordern sie dazu auf, seine Behörde anzuweisen, die Genehmigungen für solch „störintensive Veranstaltungen“ genauestens zu prüfen. Ein weiterer Appell richtet sich an die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT). Die Organisation werde „dringend aufgefordert, sich von derartigen Veranstaltungen, wie die geplanten am Wallberg, zu distanzieren“.
Angesprochen auf das Techno-Festival, zeigt sich TTT-Geschäftsführer Christian Kausch unschlüssig, ob ein solches Event im Winter und zu dieser Uhrzeit tatsächlich durchgeführt werden sollte. Grundsätzlich allerdings begrüße er neue Formate im Tegernseer Tal. „Man darf Neues nicht pauschal verteufeln“, sagt der Tourismus-Chef. Die Diskussion, die aktuell geführt werde, halte er für „maßlos überzogen“. „Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir dabei gute Projekte, die wir uns erkämpft haben, nicht kaputt machen.“
Ein solch neues Format ist auch das Bergluft-Festival, das im September dieses Jahres auf 1530 Metern Höhe am Stümpfling Premiere feierte und von der TTT organisiert worden war. „Mit Rücksicht auf die Natur haben wir das Festival bewusst klein gehalten“, sagt Kausch. Zudem habe die Veranstaltung tagsüber stattgefunden. Die Jahres- und die Uhrzeit würden hier den entscheidenden Unterschied ausmachen, findet Kausch.
Ob das Landratsamt die Sache genauso sieht, steht noch nicht fest. Die Untere Naturschutzbehörde sei über das Bergluft-Festival im Vorfeld nicht informiert gewesen und habe daher keine Prüfung oder Genehmigung vornehmen können, erklärt eine Behördensprecherin. Im Nachhinein werde nun geprüft, ob für das Festival am Stümpfling eine Genehmigung erforderlich gewesen wäre. Das Ergebnis, so stellt die Sprecherin klar, habe so oder so aber keinen Einfluss auf die Entscheidung über die anstehende Techno-Party.
gab
Alternativ-Vorschlag
Der Rottacher Gemeinderat hatte zu dem geplanten Techno-Event bereits klar Position bezogen und das Konzept kritisiert. Grünen-Gemeinderat und Landratskandidat Thomas Tomaschek hat nun nachgelegt und in einer E-Mail an seine Kollegen als Alternative ein „Silent Techno Event“ ins Spiel gebracht. Jeder Partygast bekomme dabei kleine Kopfhörer und habe den Sound dann im Ohr. Dies, so findet Tomaschek, könnte die Gemeinde den Veranstaltern vorschlagen.