„Demokratie lebt von Alternativen“, sagt die CSU Lenggries. Deshalb schickt sie mit Bastian Gassl einen eigenen Kandidaten ins Rennen ums Bürgermeisteramt.
Lenggries – Seine Familie, sagt Bastian Gassl, habe ihn schon immer irgendwie in der Politik gesehen. „Ich wollte aber auf jeden Fall etwas mit Heimatbezug machen“, erklärt der 38-Jährige. Und genau dort ist der nun angekommen: Gassl bewirbt sich für die CSU ums Lenggrieser Bürgermeisteramt (wir berichteten). Die CSU sei schon immer seine politische Heimat gewesen, seit 2019 engagiert er sich aktiv. „Landespolitische Themen mit Heimatbezug“ und europäische Verteidigungspolitik seien seine „politischen Dauerbrenner“, heißt es in seiner Vorstellung.
(Übrigens: Alles aus der Region gibt's jetzt auch in unserem regelmäßigen Bad-Tölz-Newsletter.)
Fünf Auslandseinsätze absolvierte er als Soldat
Letzteres kommt nicht von ungefähr. Nach seiner Mittleren Reife und seiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger im ehemaligen Krankenhaus der Missionsbenediktinerinnen in Tutzing leistete er seinen Wehrdienst – und blieb bei der Bundeswehr, erst als Soldat auf Zeit, ab 2018 als Berufssoldat. Fünf Auslandseinsätze – „vom Balkan bis Afghanistan“ – leistete Gassl. „Es ist eine gute Erfahrung für junge Menschen.“ Derartige Erfahrungen würden einen erwachsen machen „und man lernt zu schätzen, wie gut wir es bei uns haben“.
Spiegel berichtete über ihn, weil er Nazi-Tattoos seiner Patienten abklebt
Derzeit ist der Hauptfeldwebel und Fachkrankenpfleger für Notfallpflege in der Notaufnahme des Bundeswehrkrankenhauses im Berliner Stadtteil Wedding tätig. Zu 95 Prozent behandle man dort aber zivile Patienten. Und in dem Brennpunktviertel der Hauptstadt bekommt Gassl einiges zu sehen. Im März 2024 berichtete das Magazin Der Spiegel über ihn, weil der Lenggrieser bei seinen Patienten Nazi-Tattoos mit Pflaster-Tape überklebt. „Ich kann doch niemanden mit solchen Tattoos zum Röntgen schieben, wenn ich nicht weiß, ob wir jüdische oder homosexuelle Patienten im Krankenhaus haben“, wird Gassl zitiert. Insgesamt habe er Zustände kennengelernt, „die ich meiner Heimat um jeden Preis ersparen will“, so Gassl.
Jugend die Möglichkeit geben, in Lenggries Wurzeln zu schlagen
Der ledige 38-Jährige ist fest verwurzelt in Lenggries, fährt, wann immer es geht, nach Hause. Seine ganze Familie – Gassl hat drei Geschwister – lebt im Isarwinkel, nur ein Bruder sei in Österreich auf einer Alm, erzählt der passionierte Gewichtheber. Einsetzen will sich der Hobbyimker für die heimische Landwirtschaft. Hier gehe es auch darum, die Außenwirkung zu stärken und darum, die Interessen der Bauern auf Landesebene einzubringen. Das gilt gleichermaßen für die Forstwirtschaft, die gerade mit Blick auf den Klimawandel einen immer größeren Stellenwert einnehme.
Die Jugend müsse die Möglichkeit bekommen, selbst in Lenggries Wurzeln zu schlagen. Gute Ausbildungs- und Arbeitsplatzmöglichkeiten, aber auch attraktive Sport- und Freizeitangebote sollen verhindern, dass Heranwachsende wegziehen. Dabei ist es Gassl wichtig, „den Charakter von Lenggries zu bewahren“.
Eigener Kandidat ist kein Angriff auf den amtierenden Bürgermeister
Der CSU-Ortsverband ist von seinem Kandidaten überzeugt. In den vergangenen Monaten habe sich Gassl bereits „mit Leidenschaft, Energie und Tatkraft in die Arbeit unseres Ortsverbands eingebracht“, sagte Ortschef Bernhard Simon bei der Vorstellung. „Er hört zu, denkt mit, packt an – und steht mit ganzem Herzen hinter Lenggries.“ Er sei maßgeblich beteiligt gewesen am neuen Wahlprogramm. Dessen zentraler Gedanke: „Tradition, die verbindet – Zukunft, die bewegt“. Das sei der Kompass, der die CSU leite.
Wichtig ist Simon, dass das Aufstellen eines eigenen Kandidaten, „nicht als Angriff auf den amtierenden Bürgermeister“ zu verstehen sei. „Aber Demokratie lebt von Alternativen und echten Wahlmöglichkeiten“, sagte Simon. Und als einer der stärksten CSU-Verbände im Landkreis sehe man sich in der Verantwortung, eine derartige Alternative anzubieten. „Wir werden im Wahlkampf niemanden schlecht machen“, sicherte Simon zu. „Aber wir möchten es den Bürgerinnen und Bürgern so schwer wie möglich machen, ihr Kreuz nicht bei Bastian Gassl und unserer Liste zu setzen.“
Einladung an alle zur Nominierungsversammlung
Die Aufstellungsversammlung für Gemeinderatsliste und Bürgermeisterkandidat findet am Dienstag, 18. November, um 19.30 Uhr im Alpenfestsaal statt. Zum ersten Mal sind dazu nicht nur Mitglieder, sondern die ganze Bevölkerung eingeladen, um sich ein Bild von den Kandidierenden zu machen. Simon: „Es soll ein offener Abend werden, an dem alle sehen: Hier steht ein Team, das für Lenggries brennt.“
Amtsinhaber Stefan Klaffenbacher (FWG), hatte bereits angekündigt, noch einmal zu kandidieren. Auch ein weiterer Mitbewerber neben Gassl steht schon fest: Tobias Raphelt von der SPD wird erneut seinen Hut in den Ring werfen.