Der Zuschuss für das Haus International soll von 50.000 Euro in diesem Jahr auf 110.000 Euro 2026 erhöht werden, schlagen der Sozial- und der Haupt- und Finanzausschuss in ihrem Gutachten vor.
Kempten – Der im Mai 2025 gewählte neue Vorstand bemühe sich intensiv um die Organisationsentwicklung und um den Betrieb der Einrichtung, berichtete Philipp Wagner, Co-Leiter des Amtes für Integration im Sozialausschuss. Eine stabile Finanzgrundlage werde erarbeitet und man bemühe sich verstärkt um Drittmittelakquise. Im Bereich der Zusammenarbeit mit Netzwerkpartnern gebe es eine sehr positive Entwicklung. Die Kommunikation mit der Verwaltung gestalte sich offen und konstruktiv. Man merke die ersten guten Schritte bei dem Erstellen eines neuen Konzepts. Deswegen schlage sein Amt vor, dem Verein durch die Erhöhung des Zuschusses eine Grundlage zu bieten, um auf diesem Weg weiterzugehen. Der Zuschuss besteht aus einem Mietzuschuss (30.000 Euro), aus einem Zuschuss für die Personalkosten einer Geschäftsführung mit einem Stellenumfang von 30 Wochenstunden, aus einem Zuschuss für eine BufDi-Stelle (10.000 Euro) und einem für die Sach- und Betriebskosten (10.000 Euro). Laut Wagner müsse man wegen der Drittmittelakquise auch perspektivisch nicht mit einer weiteren Zuschusserhöhung rechnen.
Oberbürgermeister Thomas Kiechle sagte, dass er sehr dankbar sei, dass die Entwicklung des Haus International eine gute Wendung genommen habe. Er erinnerte an schwierige Wortbeiträge in früheren Sitzungen. Das Haus erfülle wieder zunehmend seinen ursprünglichen Auftrag, Begegnungen zu ermöglichen. Die dort geleistete ehrenamtliche Arbeit sei vorbildhaft, und die Einrichtung fundamental wichtig. Diese hätte in den letzten Jahren gelitten, weil ein Austausch mit der Stadt nicht stattgefunden habe. Mit der Erhöhung des Zuschusses wolle die Stadt ein Signal setzen für den Start in eine neue, gute Zeit. Dass im Haus die Wände gestrichen würden und dabei der Vorstand selbst Hand anlege, gehe in die richtige Richtung. Im nächsten Schritt werde man über Strukturen reden müssen.
Bessere Stimmung
Thomas Landerer (FW) verglich eine vor kurzem im Haus International stattgefundene Sitzung mit einer vor einem Jahr: „Die Stimmung war diesmal ganz anders.“ „Toi-toi-toi“, wünschte er dem neuen Vorstand und fragte, ob sich der Zuschuss wieder auf dem gleichen Niveau befinde wie 2023. Die tatsächliche Höhe ja, aber der Haushaltsansatz sei damals höher gewesen, antwortete Wagner.
Annette Hauser-Felberbaum (FW), die dem alten Vorstand angehörte, betonte, dass sie sich freue, dass zwischen dem Haus und dem Amt wieder ein Austausch bestehe.
„Kritischer Neustart“ - Kommentar von Lajos Fischer
Es ist gut, dass das interkulturelle Zentrum der Stadt sich wieder auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren kann. In einer Zeit, in der migrationskritische, ausgrenzende und rassistische Stimmen immer lauter und die finanziellen Ressourcen für Integrationshilfen immer knapper werden, braucht die Stadtgesellschaft das Haus International mehr denn je.
Stadtrat und Oberbürgermeister freuen sich, dass sie auf ihrer Aufgabenliste kurz vor den Wahlen hinter einen Punkt mit Konfliktpotenzial einen Haken setzen können und spenden aus Erleichterung viele Vorschusslorbeeren. Um diesem noch mehr Gewicht zu verleihen, werden die lobenden Worte (jetzt bereits das zweite Mal) mit kritischen Anmerkungen gegenüber der früheren Vorsitzenden gespickt, die sie noch vor kurzem mit anerkennenden Sätzen für ihre Lebensleistung würdevoll verabschiedet haben.
Trotzdem dürfen und sollten einige Fragen gestellt werden: Was heißt es für Vereine in der Stadt, dass die Verwaltung einen Machtwechsel an ihrer Spitze – wie hier geschehen – durchsetzen kann? Nachdem es mit Wegloben und Wegschimpfen nicht geklappt hatte, gelang es mit finanziellem Druck, der nach dem Erreichen des Ziels gleich wieder entfällt. Am festgefahrenen Konflikt war der Anteil des Amtes mindestens so groß wie der des Vereinsvorstands. Ist es okay, jetzt denjenigen immer wieder einseitig die Schuld zu geben, die keine Rolle mehr spielen und sich nicht wehren können, und der anderen Seite keine Fragen mehr zu stellen? Wieso werden nach dem Wechsel andere Maßstäbe gesetzt (neuerdings Rederecht für Vorstandsmitglieder in der Ausschusssitzung; damals wurde ein ausgearbeitetes Konzept abgelehnt, jetzt reicht das Versprechen der zukünftigen Erstellung)? Merkwürdig ist auch der Rollenwechsel Ilknur Altans, die letztes Jahr – neben der fehlenden Zusammenarbeit mit dem Amt – es auch darum für „unumgänglich“ hielt, beim Haus International „Einschnitte vorzunehmen“, weil die „schwierige Haushaltslage“ der Stadt dies erfordert habe. Die Höhe der Kürzung sah sie vor einem Jahr als „ausgewogen auf verschiedene Institutionen verteilt“ an. Jetzt stimmte sie im Ausschuss – mit der neuen Doppelrolle im Hintergrund – der Erhöhung schweigend zu.
Der Erwartungsdruck auf den neuen Vorstand und das Amt für Integration ist groß. Im Interesse einer gelungenen Integrationsarbeit kann man hoffen, dass sie diesem standhalten.
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