Neuer Stürmer: SC Riessersee schlägt erneut auf Transfermarkt zu

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Will sich in Deutschland beweisen: Nik Armstrong-Kingcade. © Privat

Ein herber Ausfall zwingt den SC Riessersee dazu, erneut auf dem Transfermarkt aktiv zu werden. Der Oberligist verpflichtet einen amerikanischen Stürmer.

Eines muss man den Verantwortlichen des SC Riessersee zugutehalten: Sie versuchen aktuell alles, um den Eishockeyverein bestmöglich für die laufende Oberligasaison einzustellen und den Rückstand auf die direkten Playoffplätze noch aufzuholen. Nur zehn Tage nach der Verpflichtung des kanadischen Verteidigers Charlie Risk holen die Weiß-Blauen den nächsten Ausländer. Auch wenn die Sportliche Führung diesmal zu ihrem (eventuellen) Glück gezwungen wurde.

Denn die Armverletzung von Robin Soudek, die der Tscheche seit dem Auftaktspiel gegen Lindau mit sich herumgeschleppt hatte, hat sich schlimmer als zunächst vermutet herausgestellt. Seit zweieinhalb Wochen fällt der Star-Stürmer bereits aus und wird es wohl noch weitere sechs bis acht Wochen tun. Vor Kurzem wurde Soudek von einem Spezialisten an seinem Schlagarm erneut untersucht und im Anschluss operiert. Ein herber sportlicher Rückschlag für den SCR, wie der Sportliche Leiter Uli Maurer betont: „Er ist ein wichtiger Teil unseres Teams.“ Aber: Verletzungen gehören zum Sport, sodass er auch sagt: „Wir müssen die Verantwortung nun auf mehreren Schultern verteilen.“

Damit meint er unter anderem Nik Armstrong-Kingcade. Der Amerikaner ist nämlich die Antwort auf Soudeks Ausfall und soll den SCR in diesen Wochen mit bis zu 22 (!) Begegnungen unterstützen. „Er ist ein junger Bursche, der sich vor Ort zeigen und beweisen will.“ Die Situation des 26-Jährigen ist kurios. Denn der Stürmer verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Deutschland, ist in Rostock geboren und lernte das Eishockeyspielen bei den Jungadlern Mannheim. Im Anschluss entschied er sich für ein Studium in den USA und lief in der NCAA, der höchsten Universitäts-Ausbildungsliga, auf. Allerdings war sein Ziel immer: „Ich will wieder in Deutschland spielen und hier irgendwann auch meine Karriere beenden“, betont Armstrong-Kingcade. Im Sommer unterschrieb er deshalb einen Vorvertrag bei den Hammer Eisbären in der Nord-Staffel der Oberliga. Das Problem: Der Kontrakt wurde nie aktiviert, weil der 26-Jährige nie seinen deutschen Pass erhielt. Trotz seines Realschulabschlusses hier und seiner Mutter, die einen deutschen Pass hat. „Das Risiko war mir bekannt. Aber das war meine Entscheidung. Ich wollte es unbedingt versuchen.“ Deshalb schlug er sogar eine Offerte aus der amerikanischen East-Coast-Hockey-League aus.

Also wartete er und wartete er. Um die Zeit zu überbrücken, hielt er sich in den vergangenen Wochen beim DEL2-Club Bad Nauheim fit. Auf seinen deutschen Pass wartet er noch immer. Aber immerhin kann er sich in den nächsten zwei Monaten auf hohem Niveau beweisen. Die Riesserseer nahmen ihn in der aktuellen Phase mit offenen Händen. Am Montag setzte sich Armstrong-Kingcade in den Zug nach Garmisch-Partenkirchen. Am Dienstag stand der Tryout-Spieler mit der Mannschaft das erste Mal auf dem Eis. Maurer ist zuversichtlich: „Offensiv wird er uns Freude bereiten. Er geht dorthin, wo es wehtut, und braucht hoffentlich nicht allzu viel Anpassungszeit. Außerdem kriegt er eine Chance im deutschen Eishockey.“ Klingt für alle Beteiligten nach einer Win-win-Situation. Gerade für den SCR mit Blick auf den Kader: Zieht man die Förderlizenzspieler Anselm Gerg und Jannick Stein ab, hätte er nur zehn einsatzfähige Stürmer gehabt.