Arzt erklärt, warum deutsche Familie in der Türkei Vergiftung nicht bemerkte

Nach dem tragischen Tod einer deutschen Familie in der Türkei aufgrund einer Vergiftung wurden am Dienstag Details des toxikologischen Berichts publik. Demnach soll eine Vergiftung mit dem Pestizid Aluminiumphosphid die Tode ausgelöst haben.
Im Interview mit der "Tagesschau" erklärt der Lungenarzt Cihan Celik vom Klinikum Darmstadt, dass nicht das Aluminiumphosphid selbst, sondern die Reaktion im Körper zu Phosphorwasserstoff kritisch sei. Dieser wirke im Körper wie ein Zellgift. Im konkreten Fall sei es aber für die türkischen Mediziner nahezu unmöglich gewesen, auf die chemische Vergiftung als Ursache für die Beschwerden der Familie zu kommen, erklärt Celik.

"Das Erste, woran man da als Mediziner denkt, ist natürlich eine Lebensmittelvergiftung"

"Die Beschwerden, mit denen sie sich vorgestellt hatten, waren eben diese unspezifischen gastrointestinalen Beschwerden mit Übelkeit und Erbrechen und wahrscheinlich auch Durchfall. Das Erste, woran man da als Mediziner denkt, ist natürlich eine Lebensmittelvergiftung, vor allem, wenn der Schweregrad nicht so stark ist. Ohne zu wissen als Arzt, als Mediziner, dass es eine Exposition mit einem Gift gab, würde man anhand dieses ersten Patientenkontaktes nicht auf die Idee kommen, dass es sich um eine Vergiftung handelt", erläutert der Lungenarzt.

Erst später, als die ganze Familie und dann auch weitere Hotelgäste einen schweren Verlauf zeigten, sei die These der Lebensmittelvergiftung unwahrscheinlich geworden. Ein Heilmittel für das Gift habe es aber ohnehin nicht gegeben, erklärt Celik: "Leider gibt es gegen den Wirkstoff, gegen das Phosphorwasserstoff und das Aluminiumphosphid kein Gegenmittel."

Aluminiumphosphid "riecht nach Knoblauch"

Die Ärzte hätten nur supportiv behandeln können, so der Lungenarzt in der "Tagesschau", also die Körperfunktionen sichern, intubieren und die Patienten in ein Koma versetzen. Das sei in diesem Fall auch gemacht worden und entspreche dem Vorgehen in Deutschland. "Das zu heilen wäre wahrscheinlich auch mit Kenntnis der Vergiftung nicht möglich gewesen, wenn es tatsächlich eine so hohe Konzentration hatte, der die Familie ausgesetzt war", erklärt Celik weiter. Das Gift habe die Familie indes kaum am Geruch erkennen können.

"Das Mittel, das Aluminiumphosphid, das riecht nicht chemisch. Das riecht eher nach Knoblauch oder fischig. Vor allem, wenn es mit leicht ... also allein schon der Kontakt mit der Luftfeuchtigkeit reicht dazu, dass dieser Phosphorwasserstoff entsteht. 
Und das riecht selbst eben nach Knoblauch."

In einem touristischen Gebiet der Türkei würden diese Gerüche eine Familie nicht stutzig machen. Endgültige Gewissheit, ob es sich bei dem Gift um Aluminiumphosphid handelte, wird aber erst eine Gaschromatografie bringen, so Celik.

Das ganze Interview mit Cihan Celik sehen Sie in der ARD-Mediathek.