„Tag gegen Gewalt an Frauen“ in Landsberg: Nina Fuchs spricht über K.O.-Tropfen

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Auch Nina Fuchs hat Erfahrungen mit K.O.-Tropfen machen müssen. Am Tag gegen Gewalt an Frauen informiert sie darüber in Landsberg (Symbolbild). © Christian Thiele/dpa/dpa-tmn

Am 25. November ist der Tag gegen Gewalt an Frauen. Nina Fuchs wird in Landsberg informieren - und auch von ihren eigenen Erfahrungen mit K.O.-Tropfen sprechen.

Landsberg - Spätestens seit den 1980er Jahren werden Mädchen und Frauen gewarnt, beim Ausgehen auf ihre Getränke zu achten, damit „niemand etwas hineinschüttet“. Damals wie heute sind die Warnungen jedoch meist vergessen, sobald der Party-Spaß beginnt. Manch eine(r) hält K.O-Tropfen sogar für einen Mythos. Dass K.O.-Tropfen jedoch alles andere als ein Mythos sind, müssen immer wieder Frauen und Mädchen am eigenen Leib erfahren – darunter auch Nina Fuchs.

Tag gegen Gewalt an Frauen - Nina Fuchs spricht über ihre eigenen Erfahrungen in Landsberg

„Ich kannte den Begriff, und das war es eigentlich“, antwortet Nina Fuchs auf die Frage, ob sie sich wegen K.O.-Tropfen jemals ernsthafte Sorgen gemacht habe. Eine Antwort, die so vermutlich von den meisten Menschen stammen könnte. „Ich bin damals super viel feiern gegangen und auch oft noch länger geblieben, wenn die anderen schon nach Hause gegangen sind“, fährt sie fort. „Ich habe es sogar noch gemacht, nachdem das passiert ist, weil mein Überlebensmotto war: Ich lasse mir mein Leben nicht versauen und ich ändere nichts.“

Nina Fuchs spricht offen über ihre Erfahrungen mit K.O.-Tropfen und setzt sich aktiv für Aufklärung und Betroffene ein. So auch beim Infoabend am 25. November in Landsberg.
Nina Fuchs spricht offen über ihre Erfahrungen mit K.O.-Tropfen und setzt sich aktiv für Aufklärung und Betroffene ein. So auch beim Infoabend am 25. November in Landsberg. © Andreas Gregor

Was Nina Fuchs so schlicht „das“ nennt, war eine Erfahrung, die höchstwahrscheinlich für nahezu alle Frauen und Mädchen eine Albtraumvorstellung ist: Sie wurde 2013 unter dem Einfluss von K.O.-Tropfen Opfer einer Vergewaltigung. Wobei sie sich anfangs überhaupt nicht als Opfer sah. „Ich habe mich da nie zugehörig gefühlt“, sagt sie. „Ich war sofort im Kampfmodus.“

Dennoch wollte sie zunächst keine Anzeige erstatten. „Weil ich der Meinung war, es war meine eigene Schuld“, erzählt Fuchs. „Ich hätte ja mit heimgehen können, als meine Kumpels nach Hause gegangen sind, dann wäre das nicht passiert. Und wenn es meine Schuld ist, dann habe ich keine Berechtigung, die Täter anzuzeigen.“ Dieses als Victim Blaming bekannte Phänomen, wenn die Schuld für eine Straftat vom Täter auf das Opfer übertragen wird, tritt bei Fällen sexualisierter Gewalt sehr häufig auf. „Selber schuld, du warst so angezogen. Selber schuld, du hast zu viel getrunken“, zählt Fuchs einige der typischen Vorhaltungen auf. „Wenn einem die Schuld von außen gegeben wird und man das gesellschaftlich nicht anders kennt, dann übernimmt man das auch für sich selbst. Alle Betroffenen, die ich kenne, haben Schuldgefühle. Alle.“

Dass sie doch noch Anzeige erstattete, lag an ihrer Schwester. „Sie hat das für mich entschieden und ist mit mir zur Polizei. Ich stand nach der Tat so neben mir, ich war gar nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen.“ Bei der Polizei musste sie allerdings eine Erfahrung machen, die sie als katastrophal empfand und ihr das Gefühl gab, dass ihr als Opfer nicht geglaubt wird. „Der Polizist sagte zu mir: K.O.-Tropfen gibt es eigentlich gar nicht, das wird nur von den Medien so aufgebauscht.“

Tag gegen Gewalt an Frauen: Nina Fuchs gründet den Verein „K.O. – Kein Opfer e.V.“

Tatsächlich ist der Nachweis von K.O.-Tropfen sehr schwierig, da das Zeitfenster für eine Nachweisbarkeit extrem kurz ist – nur etwa sechs bis zwölf Stunden nach Verabreichung – und es nicht die K.O.-Tropfen an sich gibt. Unter dem Begriff werden illegale Substanzen wie zum Beispiel GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure), auch als Liquid Ecstasy bekannt, genauso zusammengefasst wie GBL (Gamma-Butyrolacton), ein wichtiger, nicht austauschbarer Grundstoff für die chemische Industrie. Zudem werden immer neue Substanzen zweckentfremdet, so dass im Verdachtsfall eine Testung auf alle Stoffe unmöglich ist.

Trotz ihrer negativen Erfahrungen bei der Anzeigenerstattung und der Tatsache, dass der Täter nicht verurteilt wurde, obwohl er anhand DNS-Spuren ermittelt werden konnte, gab Nina Fuchs nicht auf, sondern gründete 2020 den Verein „KO – Kein Opfer e.V.“, weil sie sich immer noch nicht als Opfer sah. Erst im Rahmen einer Traumatherapie wandelte sich ihr Blick auf sich selbst. „Meine Challenge war anzuerkennen, dass ich Opfer wurde“, sagt sie. „Das ist enorm wichtig für den Verarbeitungsprozess. Und es bedeutet ja nicht, für alle Zeiten Opfer zu bleiben.“

Um zu zeigen, dass man Opfer sein und gleichzeitig die Opferrolle verlassen kann, und vor allem auch, um rund um das Thema K.O.-Tropfen aufzuklären, geht Nina Fuchs mit ihren Erlebnissen aktiv an die Öffentlichkeit. So wird am 25. November beim Informationsabend in der Lechsporthalle Landsberg anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen ihr Vortrag im Zentrum des Abends stehen.

Mehr Informationen zum Veranstaltungstag der Stadt Landsberg finden Sie hier.

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Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/landsberg-kreisbote/tag-gegen-gewalt-an-frauen-landsberg-tropfen-sind-kein-mythos-94041652.html