Die künftige Bahnunterführung an der Freisinger Straße wird kleiner als gedacht. Grund: Die Bahn will die Züge nur eingleisig über das Bauwerk rollen lassen. Während der Bauphase werden die Anwohner der Ostenstraße auf viel Verkehr einstellen müssen
Dachau – Schon heute staut sich der Verkehr entlang der ehemaligen Papierfabrikmauern, wenn sich die Bahnschranke an der Freisinger Straße senkt. Wie soll das erst werden, wenn aus der Fabrikbrache ein Wohngebiet mit 2000 Bewohnern wird? Es wird zum Verkehrskollaps führen, weshalb Stadt und Bahn seit Jahren Pläne für eine, der künftigen Bebauung angemessene Verkehrsinfrastruktur schmieden.
Da soll es zum einen eine neue Straße geben: eine Bahnrandstraße, die von der Ostenstraße abgehend parallel zu den Bahngleisen direkt in die Bahnunterführung an der Freisinger Straße führt. Die nervige Bahnschranke soll dann Geschichte sein. Die S2, so der bisherige Plan, soll auf diesen neuen Gleisen außerdem nicht mehr ein-, sondern gleich zweigleisig unterwegs sein. Und um während der mehrjährigen Bauzeit des Großprojekts den Verkehr in der Stadt nicht völlig zum Erliegen zu bringen, soll ein Behelfsbahnübergang eingerichtet werden.
Zeitangabe unmöglich
Eine zeitliche Prognose, wann die Bauarbeiten für die Unterführung unter der S-Bahn-Trasse beginnen, ist laut Stadt aufgrund der Komplexität des Verfahrens „seriös nicht zu treffen“. Sicher ist: Ein großer Teil des nördlichen MD-Geländes darf erst bebaut werden, wenn die „Unterführung in Betrieb genommen wurde“.
Wie gesagt, so war der bisherige Plan. Am Dienstag im Umwelt- und Verkehrsausschuss aber berichtete Oberbürgermeister Florian Hartmann nun vom jüngsten Gespräch mit der Bahn. Und da sei herausgekommen, erstens: Die Bahn hat kein Interesse an einem zweigleisigen Ausbau. Dieser sei, so zitierte Hartmann die Bahn-Vertreter, „nicht notwendig“. Das sogenannte Trogbauwerk für die Unterführung werde daher entsprechend kleiner.
Und zweitens wolle die Bahn, aus Kostengründen, auch keinen Behelfsbahnübergang während der Bauphase errichten. Stattdessen solle die Baustelle an der Freisinger Straße voll gesperrt und der Verkehr über die Ostenstraße durch die Stadt geleitet werden. Die dortige Unterführung müsse dafür im Vorfeld so umgebaut beziehungsweise die Fahrbahn tiefergelegt werden, dass auch Lkw passieren können. Sollte die Stadt auf einen Behelfsbahnübergang bestehen, so zitierte der OB die Bahn-Vertreter, müsste sie diesen selbst bezahlen. „Unmöglich“, darin war sich das Gremium einig.
Ostenstraße wird tiefergelegt
Für die Anwohner der Ostenstraße, so gab Hartmann zu, werde die Bauphase der neuen Unterführung an der Freisinger Straße „natürlich eine Belastung“. Statt wie bisher rund 3350 Fahrzeuge täglich würden dann geschätzt 9250 Kfz durch die Ostenstraße rollen. Mindestens halbseitige Parkverbote wären die Folge. Andererseits, so Hartmann, würde die Ostenstraße nach der Maßnahme über eine ausgebaute Unterführung verfügen, „wo Rettungswagen und die Feuerwehr problemlos durchkommen“. Gleichzeitig schränkte er aber ein: Ob diese „Eintiefung“ der Ostenstraße technisch überhaupt möglich sei – Stichwort Grundwasser – müsse ohnehin erst geprüft werden.
Hartmann und sein Ausschuss schluckten daher die bittere Pille. Zumal, so der OB, der Bau der neuen Unterführung unter Vollsperrung vermutlich schneller gehe als wenn man, wenige Meter entfernt, einen provisorischen Bahnübergang baue. Wobei „schnell“ relativ ist: Laut Bauamtsleiter Moritz Reinhold müssten „sicher“ fünf Jahre Bauzeit für das Bauwerk eingeplant werden müssten.
Die gute Nachricht: Der Stadtbahnhof wird aufgewertet
Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD) wollte es zwar „persönlich nicht verstehen, dass die Bahn auf eine Zweigleisigkeit verzichtet“. Andererseits wollte er die Bahn auch nicht gänzlich verdammen. Der Staatskonzern hatte nämlich einen Vorschlag gemacht, der, so Koch, „den Stadtbahnhof eindeutig aufwertet“.
Um nämlich zumindest dem fußläufigen Verkehr den Umweg über die Ostenstraße zu ersparen, soll am Bahnübergang an der Etzenhausener Straße eine kleine Unterführung mit Rampen und Treppen entstehen. Der alte Übergang, aktuell mit einer Umlaufsperre versehen, würde damit ersetzt – auf Kosten der Bahn!