Im Zuge der Umstrukturierung bei der Bettenreinigung fürchten Beschäftigte um die Pflegequalität und sehen sich stärker belastet. Sie protestierten am Mittwoch vor den Helios-Kliniken in Dachau und Indersdorf gegen die Sparmaßnahmen.
Klinik-Geschäftsführer Gunnar Schramm hatte im Kreistag verkündet, dass die Pflegekräfte die Betten lediglich „ab- und beziehen“ müssten (wir berichteten). Das Waschen der Bettbezüge übernehme die Hausreinigung. Dass die Mitarbeiter die Betten auch putzen sollen, erwähnte er nicht. Der hauseigene Service Bettenreinigung soll aufgelöst werden. Die neue Direktive gelte für alle Helios-Standorte, sagte Schramm. Geht gar nicht, so der Tenor der Mitarbeiter und ihrer gewerkschaftliche Vertretung.
„Die Pflegekräfte tun zusätzlich Dinge, die keine Pflegehandlungen sind“, so der Sekretär der Dienstleistungsgewerkschaft verdi, Win Windisch, gegenüber der Heimatzeitung. „Da geht Pflegezeit verloren, das heißt, die Pflegekräfte können sich weniger um die Patienten kümmern.“
Rund 40 Protestierende versammelten sich am Mittwoch vor dem Dachauer Krankenhaus, gut 20 waren es in Indersdorf. Eine Pflegekraft, die auf einer Station im Dachauer Krankenhaus arbeitet, bringt es auf den Punkt: „Es mindert den Wert einer Krankenschwester, wenn man den Beruf drei Jahre gelernt hat. Man macht ein Examen und ein Staatsexamen dazu – und dann putzt man die Betten, hat weniger Zeit für den Patienten!“ Und es komme noch was hinzu: „Es ist auch nicht hygienisch, weil man all die Betten gar nicht so sauber putzen kann“, so die Helios-Beschäftigte, die darauf verweist, dass sie aktuell um die 44 Patienten auf ihrer Station zu betreuen hat.
Eine Kollegin aus der Notaufnahme weist auf einen bestimmten Zusammenhang hin: „Dadurch, dass die Schwestern auf der Station das Problem haben, dass sie die Betten nicht putzen können, weil sie unterbesetzt sind, weil sie keine Zeit haben oder weil teilweise überhaupt Betten fehlen, kommt es bei uns in der Notaufnahme unten zu einem Stau. Das heißt, die Patienten liegen bei uns teilweise stundenlang in den Behandlungsräumen oder auf Liegen auf dem Flur. Und ich oder meine Kollegen haben keine Kapazitäten, die Patienten raufzubringen.“
Windisch rechnet die zeitliche Belastung vor: „Wenn das Bett beim Patientenwechsel richtig gereinigt wird, dann braucht das 20 Minuten, wenn man das richtig macht.“ Auf einer normalen Station gebe es einen Wechsel von fünf bis sechs Patienten pro Tag. Der Gewerkschafter sprach von einem Drittel der Arbeitszeit, die drauf gehe, für eine Arbeit, die nicht zur Jobbeschreibung passe. Das sei eine ungemeine Belastung für die Pflegekräfte und die Patienten.
Helios bekomme über das Pflegebudget mehr Geld fürs Pflegepersonal, so Windisch weiter, und da habe es geheißen, „wir machen beim Service jetzt weniger Personal, und dann darf die Pflege noch ein bisschen mehr erledigen, und wir holen uns das bei der Finanzierung zurück“.
Der „Sparkurs“ von Helios „muss gestoppt werden“, findet Windisch. Für die Bettenreinigung müsse der Konzern „eine andere Lösung finden“. „Und was steht dahinter?“, fragt der Gewerkschafts-Sprecher und gibt selbst die Antwort: „Helios möchte möglichst viel Gewinn machen.“
Auf Nachfrage der Heimatzeitung, erklärt Helios-Pressesprecherin Tanja Räker kurz und knapp: „Wir setzen auf all unseren Stationen den sogenannten Skill Mix ein. Das bedeutet, dass unterschiedlich qualifiziertes Pflegepersonal die Arbeit gemeinsam ausführt und sich die Aufgaben im Team aufteilt. Damit kommen wir den gesetzlichen Änderungen und Vorgaben aus dem Pflegestärkungsgesetz sowie der Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung nach.“
Trotz des Protests am Mittwoch vor dem Haupteingang des Dachauer Krankenhauses kamen auch positive Töne. „Helios kann froh sein, dass in Dachau die Mitarbeiter ihren Job lieben, dass sie jeden Tag gerne zur Arbeit kommen. Wir haben ein tolles Arbeitsklima hier“, sagte die Kollegin aus der Notaufnahme.