Am Sonntag startet in Altomünster eine Typisierungsaktion, um für Vanessa eine passende Stammzellenspende zu finden.
Im Sommerurlaub hat sich das Leben von Vanessa völlig verändert. Die 22-Jährige erkrankt an Leukämie. Seitdem ist die junge Frau aus Altomünster die meiste Zeit im Krankenhaus. Sie bekommt eine Chemotherapie, kämpft mit den Nebenwirkungen. Doch sie hat den starken Willen, nach vorne zu schauen und die Krankheit zu besiegen. Nur an manchen Tagen, sagt ihre Mutter Nicole Maier, „da geht es einfach nicht so gut“.
Registrierungsaktion
Die BRK-Bereitschaft Altomünster führt am Sonntag, 16. November, zusammen mit der Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) eine Registrierungsaktion in Altomünster durch. Die Typisierungsaktion steht unter dem Motto „Vanessa (22 Jahre) aus Altomünster braucht euch!“ und findet von 12 Uhr bis 16 Uhr in der Schulturnhalle in Altomünster, Faberweg 15, statt. Der BRK-Bereitschaftsleiter Benedikt Jung betont: „Gemeinsam machen wir in unserem Landkreis auf das Thema Leukämie aufmerksam und möchten natürlich viele freiwillige potenzielle Stammzellspender zu finden.“ Im Rahmen der Aktion gibt es ein buntes Programm für die ganze Familie, mit Essen und Trinken, Musik, Kinderschminken und Hüpfburg. Die Bereitschaft, die Wasserwacht des BRK und die Feuerwehr Altomünster werden mit Fahrzeugen vor Ort sein. „Mit unserer Typisierungsaktion wollen wir ein Zeichen setzen für Zusammenhalt und dafür, was ein Ort, ein Landkreis und darüber hinaus gemeinsam bewegen kann“, so Jung. Wer gesund und zwischen 17 und 45 Jahren alt ist, kann sich kostenfrei und schmerzlos typisieren lassen.
Breite Unterstützung findet die Aktion beim Burschen- und Madlverein und vielen weiteren Helfern. Die Kolpingsfamilie Altomünster kümmert sich um das Kuchenbuffet. Der Elternbeirat des Kindergartens „Kleine Strolche“ organisiert Waffeln und Kinderschminken.
Wie jedes Jahr ist die Familie Maier im Sommer in ihr Ferienhaus nach Tschechien gefahren. Mit dabei: die Mutter, Vanessa, ihre beiden jüngeren Geschwister und der Opa, der Vater bleibt bei den Tieren zu Hause. Nach ein bis zwei Tagen, berichtet die Mutter, sei Vanessa plötzlich schwächer geworden. Sie habe ihr Asthma-Spray häufiger gebraucht und unter Atemnot gelitten. An den Beinen bildeten sich Blutbläschen, nach weiteren Tagen kamen Hämatome dazu – „ohne dass sie sich irgendwo angestoßen hat“. Vanessas Haut wurde immer blasser. Mutter Nicole Maier, die als Krankenschwester arbeitet, wollte längst mit ihrer Tochter nach Hause fahren und zum Arzt gehen, doch Vanessa wiegelte ab. „Aber nach einer Woche kam sie fast nicht mehr aus dem Bett, so schwach war sie“, berichtet Nicole Maier.
Es gibt Tage, da hat sie Kraft und Mut, und an anderen Tagen sagt sie, dass sie das nicht mehr schafft.
Die Familie brach den Urlaub ab und fuhr mit Vanessa in die Notaufnahme des Aichacher Krankenhauses. „Die Blutwerte waren so schlecht, dass sie sofort mit dem Sanka nach Augsburg kam.“ Bei Nicole Maier schrillten da längst die Alarmglocken. Im Zentralklinikum Augsburg lag Vanessa auf der Intensivstation – und in dieser Nacht erfuhr sie, dass sie Leukämie hat.
Es folgte eine Woche voller Bangen, Hoffen und Beten: Denn nach einer Knochenmarkspunktion wurde untersucht, „welche Variante sie hat“, erzählt die Mutter. Die Diagnose: ALL – akute lymphatische Leukämie. „Diese Leukämie kommt ganz schnell und ist sehr akut, aber laut Chefarzt auch gut heilbar“, erklärt Vanessas Mutter.
Sofort begann die Chemotherapie
Als Behandlung begann sofort eine Chemotherapie – in mehreren Zyklen. Die erste Chemo war für Vanessa besonders schwer: Das Zahnfleisch entzündete sich, sie musste künstlich ernährt werden. Danach bekam sie eine Lungenentzündung und wurde auf die Isolierstation verlegt. Vanessa erholte sich und durfte für zwei Wochen nach Hause.
„Sie hat Höhen und Tiefen“, beschreibt Nicole Maier den Gemütszustand ihrer Tochter. Es gebe Tage, „da hat sie Kraft und Mut, da gehen wir spazieren und in die Cafeteria“. An anderen Tagen fragt sich Vanessa, warum ausgerechnet sie diese schlimme Krankheit bekommen hat, und sagt, dass sie das nicht mehr schafft. An Halloween war so ein Tag: Sonst ist Vanessa an diesem Abend mit ihren kleinen Geschwistern von Haus zu Haus gezogen.
Vanessa ist Kinderpflegerin im Kindergarten Kleine Strolche in Altomünster. Die Kinder haben gemeinsam mit ihren Eltern eine liebevolle Karte für Vanessa zusammengestellt. „Aber wir haben sie ihr noch nicht gegeben, weil sie das im Moment zu sehr mitnehmen würde“, sagt die Mutter. Vanessa hat Angst, dass sie nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten kann. Sie braucht derzeit bei allem Hilfe. „Sie schmiert sich eine Semmel, isst sie – und hat danach keine Kraft mehr, den Teller wegzuräumen“, erzählt Nicole Maier.
Jeden Tag kommt jemand aus der Familie
Jeden Tag fährt jemand aus der Familie zu Vanessa. „Und wir telefonieren viel“, sagt die Mutter. Auch für die Eltern ist die Krankheit eine große Belastung. „Man funktioniert halt einfach.“ Gleichzeitig müssen sie darauf achten, „dass die anderen beiden Kinder nicht zu kurz kommen“. Vanessas kleine Schwester, elf Jahre alt, spricht viel über die Krankheit und besucht ihre große Schwester gern, während der Bruder (14) dem Thema eher aus dem Weg geht.
Natürlich besuchen auch einige Freunde Vanessa regelmäßig im Krankenhaus. Andere telefonieren lieber mit ihr – nicht jeder kann es ertragen, sie mit so vielen Schläuchen im Körper zu sehen. Doch die 22-Jährige hat dafür Verständnis. Ihre Mutter beschreibt Vanessa als sehr lebensfrohen, hilfsbereiten Menschen: „Sie schaut immer, dass es den anderen um sie herum gut geht.“ Vanessa reist gerne – in diesem Jahr war sie mit Freundinnen auf Mallorca und in Rom. In Altomünster trainiert sie die Kindergardetanzgruppe und unterstützt immer wieder soziale Projekte.
Jetzt hofft Vanessa auf Unterstützung. Wenn die Zyklen der Chemotherapie, die bis zu einem Jahr dauern können, abgeschlossen sind, benötigt sie eine Stammzellenspende. Am kommenden Sonntag findet in Altomünster eine Registrierungsaktion statt (siehe Kasten). Auch Vanessas Eltern haben sich bereits registrieren lassen.
Weitere Nachrichten aus der Region Dachau lesen Sie hier.