Im Landkreis Starnberg wurden 195 Ackerwildkraut-Arten nachgewiesen, darunter zahlreiche Arten auf der Roten Liste.
Wartaweil - Die Kreisgruppe Starnberg im Bund Naturschutz hat bei einem Fachtag die zweijährige Studie über die Ackerwildkräuter im Landkreis Starnberg vorgestellt. „Die Kreisgruppe kümmert sich seit geraumer Zeit darum, dass diese bunten Begleiter der Äcker, die heute kaum mehr zu finden sind, wieder in den Fokus der Öffentlichkeit geraten und auf diese Weise gefördert werden können“, so die Biologin Dr. Helene Falk, Kreisgeschäftsführerin des BN. Sie hatte den Ackerwildkrauttag im Naturschutz- und Jugendzentrum in Wartaweil organisiert. Die Teilnehmer waren nicht nur aus dem Landkreis gekommen, sondern von weit her bis von Südtirol angereist.
Artenvielfalt
Agrarbiologe Dr. Stefan Meyer von der Universität Göttingen, der die Kartierung der Ackerkräuter durchgeführt hatte, konnte berichten, dass die wenigsten Äcker im Landkreis eine nennenswerte Artenvielfalt bei ihren Beikräutern aufweisen. Meyer ist einer der wenigen, der diese Art der Erfassung noch versteht. „Vieles erfolgt leider nur noch über Drohnen oder Satelliten“, sagt er. Helene Falk ergänzt: „Und niemand kennt sich so gut mit Ackerkräutern aus. Es war ein absolutes Glück, dass wir ihn für die Kartierung der Ackerwildkräuter im Landkreis gewinnen konnten und dass er jetzt Zeit hatte.“
81 Äcker im Landkreis wurden von Meyer genauer untersucht. Insgesamt 195 verschiedene Arten fand er vor, von denen 27 in Bayern auf der Roten Liste stehen. Höhepunkt für Helene Falk war unter anderem der Wiederfund des Finkensame in Farchach nach 30 Jahren und der des Eiförmigen Tännelkrautes in Wörthsee, und der Erstnachweis von Sumpfquendel, Schlammling sowie Mauergipskraut in sogenannten Ackerfehlstellen (Bodensenke, in der Kulturfrüchte fehlen, weil sich dort länger Wasser sammelt) in Etterschlag. Allesamt auf der bayerischen beziehungsweise auch deutschen Roten Liste.
Blütenreichster Ort
19 Äcker fielen bei der Flächenbewertung unter Kategorie 1. Ihnen wurde eine sehr gute bis herausragende floristische Wertigkeit bestätigt. Dazu gehören Flächen in den Gemeinden Seefeld (Meiling) und Berg (Bachhausen). Die Äcker in Andechs beherbergen so viele bunt blühende Wildkräuter, dass sie Andechs zur wohl blütenreichsten Gemeinde Bayerns machen, was Georg Scheitz als Andechs‘ Bürgermeister, der das Grußwort hielt, auch stolz macht. Selbst Bio-Landwirt und Ökopionier der ersten Stunde weiß er, dass „ein Landwirt ein Gefühl für seine Acker und die Pflanzen darauf braucht und nur so eine gedeihliche Ackerbewirtschaftung möglich ist“. Keine Frage, dass er sich freute, als Meyer auch auf Scheitzscher Flur seltene Kräuter ausmachte. Helene Falk würde sich wünschen, dass sich viele Landwirte wie Scheitz für das Thema begeistern könnten. „Wir sind dran“, sagt sie.
Der Schwerpunkt der Tagung drehte sich darum, was es für Möglichkeiten zur Förderung der Ackerflora gibt. Wichtig dabei sei vor allem die Bevölkerung, die die Vielfalt auf den Äckern einfordere. Wie man Ackerbeikräuter am besten fördert und sogar ansät und vermehrt, wurde von Heidi Lehmann von der Biobauern Naturschutz GmbH erläutert und von Florian Gäck, einem Landwirt aus Beilngreis, anschaulich dargestellt: „Ackerwildkräuter hört man schon von Weitem, denn da summt es gewaltig. Das fällt jedem sofort auf.“
Ein wichtiger Baustein zur möglichen Förderung wurde von Lioba Degenfelder vorgetragen, die sich mit ihrem Projekt „A.ckerwert“ um die Beratung von Flächeneigentümern kümmert, die sich ihrer ökologischen Verantwortung bewusstwerden und das Gespräch mit ihren landwirtschaftlichen Pächtern suchen, um eine gute und nachhaltige Lösung bei der Bewirtschaftung zu finden. Das Potenzial solcher Flächen sei riesengroß, da in Bayern 51 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen gepachtet seien, weiß Lioba Degenfelder.
Feldflorenreservat
Dr. Marion Rasp von der Bayerischen Kultur-Land-Stiftung stellte die Möglichkeiten dar, die sich mithilfe von Ausgleichsmaßnahmen bei Eingriffen umsetzen lassen. „Dass man die Eingriffe auch auf Äckern ausgleichen kann, ist noch nicht so bekannt. Oft hilft der Ackerwildkrautschutz gleichzeitig Bodenbrütern wie Feldlerche und Kiebitz“, merkt BN-Kreisgeschäftsführerin Falk an, während Marion Rasp über die ersten Schritte zu einem Feldflorenreservat berichtete. Es ist ein Areal nördlich von Erling an der Seefelder Straße Richtung Widdersberg. Es soll als Rückzugsgebiet für bedrohte Ackerwildpflanzen dienen, indem sie dort wieder angesiedelt und gefördert werden.
Die Bayerische Kultur-Land-Stiftung bringt dies aktuell in Kooperation mit der Regierung von Oberbayern auf Ackerflächen der Schutzgemeinschaft Ammersee auf den Weg. „Das passt so gut nach Andechs“, freut sich Helene Falk. Drumherum befänden sich „lauter tolle Äcker vom Kloster Andechs mit vielen Ackerkräutern“. In dem Feldflorenreservat sollen sich nun möglichst alle Ackerkräuter etablieren, die im Landkreis Starnberg relevant seien. Dabei sollen die konkurrenzschwachen Arten durch eine besondere Bewirtschaftung gefördert werden. „Es wird sehr spannend, was sich in den nächsten vier Jahren auf den Äckern, die bisher zum Teil konventionell bewirtschaftet werden, entwickeln wird“, sagt sie erwartungsvoll.
Verköstigt wurden die Teilnehmer der Tagung mit schmackhaften Linsen und Brot vom Ackerwildkrautpatenschaftsprojekt der Familie Koböck aus Unterbrunn. Und Helene Falk als Gastgeberin freute sich, dass alle Teilnehmer sehr motiviert gewesen seien, sich weiter für die Förderung von Ackerwildkräutern einzusetzen und möglicherweise einen Runden Tisch zu diesem Thema auf lokaler Ebene einzurichten.