Wegen AfD: Freie Wähler kämpfen um Platz zwei auf Stimmzetteln

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Landratskandidatin Michaela Eisenschmid (vorne, 4.v.r.) im Kreis der Bewerberinnen und Bewerber der Freien Wähler für den Starnberger Kreistag. © Andrea Jaksch

In vier Gemeinden könnte die AfD bei den Kommunalwahlen 2026 auf Platz zwei zu rücken, weil die Freien Wähler dort keine Liste stellen. Letztere schlagen deshalb Alarm.

Landkreis - Vier amtierende und vier ehemalige Bürgermeister sind auf der Liste, mit der die Freien Wähler (FW) in Starnberg in die Kreistagswahl am 8. März 2026 ziehen. Als die Mitglieder ihre 60 Kandidaten vor knapp zwei Wochen in geheimer Abstimmung aufstellten, sprach Vizelandrat und FW-Vorstandsmitglied Matthias Vilsmayer von „einer der stärksten Listen“ der Freien Wähler überhaupt (wir berichteten). Und dennoch schlagen die Freien Wähler jetzt Alarm.

Denn in vier der 14 Landkreisgemeinden – Gauting, Herrsching, Inning und Krailling – gibt es derzeit keine kommunalpolitische Gruppierung, die der Kreisvereinigung nahesteht. Und das hat Folgen: Zum einen finden diese Gemeinden auf der FW-Kreistagsliste kaum bis keinen Niederschlag – zum anderen haben die FW dort keinen Anspruch, auf den Stimmzetteln für die Gemeinderatswahl auf Platz zwei hinter der CSU zu erscheinen.

Die Reihung richtet sich nach dem Ergebnis der bayerischen Landtagswahl im Jahr 2023. Und da landeten die Freien Wähler knapp vor der AfD auf dem zweiten Platz. Gibt es nun in einer Gemeinde keine FW-Liste – wie auch immer diese heißt – rutschen alle anderen Parteien auf dem Stimmzettel eine Position nach vorne. „Als Freie Wähler machen wir den zweiten Platz aber nicht gerne für die AfD frei“, sagt Vilsmayer.

Unabhängige Vereinigung löste sich von Freien Wählern

Er arbeitet nun mit Hochdruck daran, wenigstens in einer der vier Gemeinden noch eine eigenständige Liste der Freien Wähler aufstellen zu können – ganz unabhängig davon, dass es dort bereits Wählergruppierungen gibt, allein drei in Inning, darunter die Unabhängige Wählervereinigung (UWG). Diese hat sich erst vor wenigen Wochen vom Kreisverband der Freien Wähler losgelöst. In der Folge hat sich die Inninger Vizebürgermeisterin Monika Schüßler-Kafka von der FW-Kreistagsliste streichen lassen – keine 24 Stunden, nachdem die Freien Wähler sie auf Listenplatz 15 gewählt hatten. „Das ist für mich nicht nachvollziehbar und mehr als ärgerlich“, sagt Vilsmayer.

Keine einzige dieser Gruppierungen habe diesmal Kandidaten für die FW-Kreistagsliste entsandt, sagt Vilsmayer und kann den oft genannten Grund, nur in der heimischen Gemeinde politisch aktiv sein zu wollen, nicht nachvollziehen. „Die Landkreispolitik hat enorme Auswirkungen auf die Kommunen. Die Kreisumlage von weit über 50 Prozent betrifft alle Gemeinden massiv“, erklärt er. „Wer sich ernsthaft für seinen Ort einsetzen will, muss seine Gemeinde auch im Kreistag vertreten. Das gehört für uns zur kommunalen Verantwortung.“ Ähnlich äußert sich der Fraktionssprecher im Kreistag, der Pöckinger Vizebürgermeister Albert Luppart. „Die Kreispolitik entscheidet über Finanzen, Mobilität, Energie, Schulen und Soziales – alles Themen, die direkt in den Gemeinden wirken. Sich hier nicht einzubringen, wäre ein fataler Fehler.“

Freie Wähler wollen der politischen Mitte Gewicht geben

Deswegen kündigen die Freien Wähler an: „Um der politischen Mitte in diesen Gemeinden weiterhin Gewicht zu geben, wollen die Freien Wähler jetzt verstärkt potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten ansprechen und notfalls auch Ortsverbände aufbauen.“ Drei Kandidaten genügten schon, um auf dem Stimmzettel zu stehen und den Wählern eine bürgerliche Alternative zu bieten. Vilsmayer ist zuversichtlich, dass ihm das in mindestens einer Gemeinde auch gelingen wird. „Stand jetzt gehe ich davon aus“, sagte er am Montag im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Interessierte aus Gauting, Herrsching, Inning und Krailling melden sich bei Vilsmayer, Luppart oder FW-Kreisvorsitzendem Dr. Harald Lossau, am besten per E-Mail an info@fw-starnberg.de.

Eine Besonderheit gibt es in der Stadt Starnberg. Nachdem die dortige UWG bei der Wahl 2020 als FW/UWG auf Platz zwei des Stimmzettels gestanden war, 2024 jedoch aus Verärgerung über Landeschef Hubert Aiwanger aus dem Landesverband der Freien Wähler ausgetreten ist, beschlossen die Mitglieder vor zwei Wochen, 2026 nur noch als UWG anzutreten. Weil die UWG aufgrund einer Gesetzesänderung deshalb 190 Unterstützerunterschriften braucht und in Starnberg zudem mit einer AfD-Liste für den Stadtrat gerechnet wird, will die UWG nun noch einmal über ihren offiziellen Namen abstimmen und damit auch über ihren Platz auf dem Stimmzettel entscheiden. Er wisse zwar nicht, ob Platz zwei automatisch mehr Stimmen bringe, sagt UWG-Chef Ulrich Müller. Er wolle aber auch nicht der AfD diesen Platz überlassen. Diese habe schließlich keine lokale Kompetenz.

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