Neue Zeitreise-App lässt Nutzer Gilchings Geschichte entdecken

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Sie ist endlich fertig und bereit zum Herunterladen (v.l.): Annette Reindel, Siegfried Reindel und Andreas Wening vom Verein Zeitreise präsentieren am römischen Meilenstein die neue Zeitreise-App. © Andrea Jaksch

Die multimediale Anwendung führt auf der Grünen Route zu 37 historischen Stationen und informiert dabei über lokale Besonderheiten.

Gilching - Das war eine schwere Geburt, darüber sind sich Annette Reindel, Vorsitzende des Vereins Zeitreise, und ihr Ehemann Siegfried Reindel sowie Fotograf Andreas Wening einig: Die Entstehung der neuen Zeitreise-App, die sie an diesem Vormittag der Presse vorstellen, hatte es in sich und dauerte ein Weilchen. Dafür freuen sich die drei nun umso mehr, dass sie endlich funktioniert. Interessierte können die App kostenfrei herunterladen und sich dann auf den Weg durch Gilching machen.

Es gibt derzeit drei beschilderte Routen rund um Gilching, nämlich die blaue, die rote und die gelbe. Entlang dieser Routen weisen Infotafeln auf die Geschichte und Besonderheiten hin, außerdem gibt es Audiostationen.

Dabei gibt es im Zentrum Gilchings natürlich auch sehr viel zu entdecken. Und längst hat der Verein nach der Idee von Mitglied Wilfred Waiblinger auch eine Route durch den Ort konzipiert: die grüne Route. „Aber da können wir keine Beschilderungen aufstellen, das ist schwierig“, erklärt Annette Reindel. Also wurde der Gedanke geboren, eine App zu entwickeln, mittels der sich Menschen auf einem Rundweg durch Gilching informieren können. Dass es nun damit länger gedauert hat, ist neben Corona auch technischen Änderungen geschuldet, und nicht zuletzt kümmern sich die Zeitreise-Mitglieder, unter ihnen auch Manfred Gehrke, rein ehrenamtlich um das Projekt und die Inhalte. Doch nun ist die App endlich fertig, mit Inhalten gefüllt und wird zudem noch regelmäßig aktualisiert.

Die grüne Route ist etwa 8,2 Kilometer lang und beginnt am römischen Meilenstein beim Wersonhaus. Der Stein ist eine Nachbildung des Originalsteins und wurde 1994 aufgestellt. Das in München gelagerte Original wurde 1944 bei einem Bombenangriff zerstört. Weiter geht's zum Haus von James Krüss, der von Juli 1960 bis 1. August 1966 in der Römerstraße 96 wohnte. Die 2005 eröffnete Grundschule an der Landsberger Straße in Gilching ist nach ihm benannt.

Auch die Kiltis kommen vor

War das eine Aufregung, als Bauarbeiter beim Neubau eines Wohnhauses an der Ecke Römerstraße/Steinlacher Weg 2012 auf eine Hofgrablege mit drei Gräbern stießen. Archäologen legten anschließend drei Skelette frei, die auf die Spitznamen Kilti, Kiltine und Kilterich getauft wurden. Weitere Stationen sind das Raiffeisen-Lagerhaus und die Ergebnisse dortiger Grabungen, der Untere Wirt an der Weßlinger Straße, die Grabung am Adolph-Kolping-Weg und der Zeitreise-Tunnel. Von dort führt die App dann zum Brucker Steigweg, dem Überrest eines alten Weges zwischen Biburg und Gilching, in Urkunden bereits 1504 als „Weg zum heiligen Berg Andechs“ erwähnt. Grabungsorte, Dorfschulen, das Labor von Goldmacher Tausend und auch das gerade erneuerte Denkmal der Partnerschaft Gilching-Cecina liegen auf der grünen Route. Nicht zu vergessen die Keck-Villa, der erste Kindergarten und natürlich das Wersonhaus, in dem sich das Zeitreise-Museum „SchichtWerk“ befindet.

Und genau wie im Museum, so funktioniert auch die App: Der Nutzer kann sich Schicht für Schicht in die Informationen hineinarbeiten. Insgesamt 37 Stationen präsentiert die multimediale App. Die dreistelligen Nummern an den Stationen haben keine Bedeutung, sondern sind der Programmierung geschuldet.

Angebot auch für Familien

Zu Fuß ist die Route durch Gilching an einem Tag kaum zu schaffen, aber zum Glück kann sich der Nutzer auch auf dem Sofa in die App vertiefen. „Wir wollten schon auch ein Angebot für Familien schaffen, die sich zu Fuß oder mit dem Auto auf den Weg machen“, erklärt Reindel. Und es gibt natürlich längst Ideen für eine weitere Route, beispielsweise entlang alteingesessener Handwerksbetriebe und Firmen, die sich daran beteiligen. Das ist aber noch schöne Zukunftsmusik.