Deutschland steht vor dem „alles entscheidenden Endspiel“, meint Kolumnist Sigmund Gottlieb. Zwei Minister machen ihm dabei Hoffnung.
Der renommierte Journalist und langjährige Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, Sigmund Gottlieb, kommentiert für den Münchner Merkur mit scharfem Blick wöchentlich in seiner Kolumne „Gottlieb direkt“ aktuelle Themen. In dieser Woche blickt er fordernd, aber auch durchaus optimistisch auf zwei entscheidende Mitglieder des Kabinettes Merz.
Geht’s raus und spielt’s Fußball. Der legendäre Satz von Franz Beckenbauer kommt einem in den Sinn, wenn man auf unsere Ministerriege schaut. Das Team Merz ist nicht mehr im Trainingslager, sondern im alles entscheidenden Endspiel. Das haben offensichtlich noch nicht alle begriffen. Der Kanzler muss jetzt Klartext reden à la Beckenbauer: Geht ran an die Probleme, löst sie, kompetent und mutig, im Sinne der Bürger, die euch gewählt haben.
Merz‘ Minister-Riege: Zwei Spieler „von Format“
Hören wir auf zu klagen und blicken auf die zwei Sturmspitzen im Kabinett, die wissen, wie man in der Politik Probleme löst. Alexander Dobrindt, der Innenminister, hat in kurzer Zeit die Migrationswende geschafft. Seine Politik ist klug, leise, effizient und unbeugsam. Wenn es stimmt, dass viele Wähler die AfD wegen des Flüchtlingsproblems gewählt haben, müssten diese längst zur CDU und CSU zurückgekehrt sein.
► Sigmund Gottlieb ist einer der renommiertesten und erfahrensten Journalisten Deutschlands. Er war von 1995 bis 2017 Chefredakteur und von 2001 bis 2014 dazu stellvertretender Fernsehdirektor beim Bayerischen Rundfunk.
► Gottlieb moderierte die „Münchner Runde“ sowie aktuelle Brennpunkt-Sendungen im Ersten und war einer der präsentesten Kommentatoren in den „Tagesthemen“ der ARD.
► Für seine Arbeit erhielt Gottlieb mehrere Auszeichnungen, darunter den Bayerischen Fernsehpreis für die Berichterstattung über den Kosovo-Krieg. Seit 2005 ist er Honorarprofessor für Journalismus an der Hochschule Amberg.
Der zweite Spieler von Format ist Carsten Wildberger, den der Kanzler aus der Wirtschaft geholt hat und der die Herkules-Aufgabe der Digitalisierung und Staatsmodernisierung lösen soll. Natürlich hat der Mann weniger politische Erfahrung als die anderen. Dafür hat er in der Wirtschaft effizientes Arbeiten gelernt, weiß strukturiert zu denken, verfügt über einen langen Atem und sucht nicht jede Kamera.
Wildberger hat einen Plan und man kann ihm zutrauen, diesen umzusetzen – in vielen kleinen, aber effizienten Schritten .Deutschland braucht kein lautes Gerede über den Herbst der Reformen, sondern mehr Dobrindts und Wildbergers im Kabinett. (Sigmund Gottlieb)