Ein gefälschtes Bild kann Karrieren zerstören und Wahlen beeinflussen – selbst wenn es komplett erfunden ist. Zwei Irschenberger sagen den sogenannten Deepfakes den Kampf an.
Irschenberg – Sogenannte Deepfakes sind mit Künstlicher Intelligenz erzeugte Aufnahmen, die kaum noch von echten zu unterscheiden sind. In Irschenberg gründeten Anika Gruner und Anatol Maier ein Startup, das seit Kurzem Neuramancer AI Solutions GmbH heißt. Zuvor war es unter dem Namen Neuraforge bekannt. Inzwischen sitzt das junge Unternehmen im Rosenheimer Gründerzentrum Stellwerk 18 und sorgt von dort aus bundesweit für Aufmerksamkeit.
Vor gut einem Jahr stellten die beiden ihre Idee erstmals vor: eine Software, die manipulierte Bilder zuverlässig erkennt. Was als Forschungsprojekt begann, ist heute ein Startup mit fester Struktur und einem wachsenden Team. Seit Dezember arbeiten Gruner und Maier nicht mehr allein, sondern mit fünf festen Mitarbeitern in Rosenheim – finanziert durch Fördermittel und getragen von der Überzeugung, ein drängendes Online-Problem anzugehen.
Im Juni gelang ein entscheidender Schritt: Neuramancer wurde in die zweite Runde des bundesweiten Wettbewerbs der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) aufgenommen. Unter dem Titel „Deepfake Detection and Prevention“ unterstützt der Bund Projekte, die Vertrauen in digitale Kommunikation sichern sollen. Für das junge Unternehmen bedeutet das 375 000 Euro zusätzliche Förderung und die Chance, die Software bis zur Marktreife weiterzuentwickeln. Gruner sagt zu diesem Meilenstein: .„Diese Anerkennung ist großartig und zeigt, dass Innovation mit einem gesellschaftlichen Fokus möglich ist.“
Auch die Politik ist aufmerksam geworden. Im März besuchte Landtagspräsidentin Ilse Aigner die neuen Räume in Rosenheim. Sie ließ sich vorführen, wie schnell täuschend echte Fälschungen heute entstehen können, und wie schwer sie ohne technische Hilfsmittel zu entlarven sind. Aigner sprach von einer „ernsten Gefahr für die Demokratie“ und forderte eine klare Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte. Für Gruner war der Termin ein „kleiner Ritterschlag“.
Neben Forschung und Wettbewerb setzen die Gründer auf direkte Begegnung mit der Öffentlichkeit. Beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung in Berlin präsentierten sie im August ein eigens entwickeltes Quiz. Besucher konnten dort selbst ausprobieren, welche Bilder echt sind und welche gefälscht. Spielerisch vermittelt, aber mit einem ernstem Hintergrund: „Wir wollen Sicherheit und Orientierung geben“, erklärt Gruner. Gerade in einer Zeit, in der digitale Anwendungen zum Alltag gehören und Menschen sogar emotionale Nähe zu künstlicher Intelligenz entwickeln, brauche es Werkzeuge, die verlässlich einordnen.
Die Nachfrage ist groß. Versicherungen, Pressestellen, Medienhäuser und staatliche Stellen zählen bereits zum Kreis der Interessenten. Noch ist die Software nicht vollständig marktreif, doch die Vorbereitungen laufen. Auch der neue Name – nun offiziell Neuramancer AI Solutions GmbH – soll dazu beitragen, die Sichtbarkeit zu erhöhen.
Mit ihrem Beispiel wollen die Gründer zeigen, dass erfolgreiche Startups nicht zwangsläufig in München entstehen müssen. „Man muss nicht in der Landeshauptstadt sitzen, um etwas aufzubauen“, betont Gruner. Die gute Vernetzung in Rosenheim und das starke Netzwerk in der gesamten Region Oberland hätten entscheidend dazu beigetragen, dass sich das Unternehmen so entwickeln konnte.
Nun gilt es, den Kundenstamm weiter auszubauen und ein Produkt vorzulegen, das verlässlich zwischen echt und gefälscht unterscheiden kann. Denn die Technik schreitet rasant voran, und je präziser Deepfakes werden, desto größer wird dann ihre Wirkung. „Wir sind glücklich, motiviert und freuen uns sehr auf die nächsten Schritte..“